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Der staatliche Zugriff auf Arbeitslose und Arbeitnehmer

  • Claudia Brunner
Chapter
Part of the Reihe Geschichtswissenschaft book series (REIGE)

Zusammenfassung

Um die schlechten Berufsaussichten und die Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, hatte das Arbeitsamt für bestimmte Berufsgruppen bereits seit Mitte der 20er Jahre und verstärkt während der Weltwirtschaftskrise im Rahmen einer Qualifizierungsoffensive Fortbildungsmaßnahmen initiiert und finanziert. Besonderes Augenmerk widmete man dabei den schwer in den Arbeitsmarkt zu integrierenden Problemgruppen wie Jugendlichen, älteren Angestellten, Ungelernten und Frauen, denen durch die Fortbildungskurse und die daraus resultierende bessere Qualifikation günstigere Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt gesichert werden sollten. Neben dieser offiziellen, speziell an die Adresse der Arbeitslosen und an die Öffentlichkeit gerichteten Lesart gab es eine weitere Motivation für die Durchführung der kosten- und personalintensiven Fortbildungsmaßnahmen. Die Arbeitslosen sollten mittels dieses psychologisch stabilisierenden Beschäftigungsmodells von der „Strasse“ geholt und zu einer sinnvollen Tätigkeit herangezogen werden, um die durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufene Belastungssituation zu überbrücken. Da dieser im Vordergrund stehende psychologische Effekt in den meisten Fällen eintrat, während die Fortbildungskurse die beruflichen Perspektiven des Arbeitslosen kaum positiv beeinflußten, führte das Arbeitsamt das bewährte arbeitstherapeutische Programm nach 1933 fast unverändert fort1.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. diverse Schreiben von Münchner Unternehmen aus dem Jahr 1934. Bayerisches Wirtschaftsarchiv. K 1 X 86.Google Scholar
  2. Speziell zu BMW siehe auch Fritz Blaich, Die bayerische Industrie 1933–1939. Elemente von Gleichschaltung, Konformismus und Selbstbehauptung, in: Martin Broszat/Elke Fröhlich (Hg.), Bayern in der NS-Zeit. Bd. II: Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, München/Wien 1979, S. 237–280, hier: S. 250.Google Scholar
  3. Insofern gilt die Feststellung, ein akuter Arbeitskräftemangel sei erst ab dem Jahr 1938 eingetreten, nicht für den Raum München/Bayem.Google Scholar
  4. Zu dieser in der Literatur häufig geäußerten These vgl. exemplarisch Birgit Fix, „Menschenmaterial“ und „Bedarfsdeckungswirtschaft” im Einsatz für Lebensraum- und Rassenpolitik. Die deutsche Kriegswirtschaft 1939–1945, in: Johannes Hampel (Hg.), Der Nationalsozialismus. Bd. III: Das bittere Ende 1939–1945, München 1993, S. 353–408, hier: S. 375.Google Scholar
  5. 2.
    Vgl. Monatsbericht des Regierungspräsidenten von Oberbayern fir Oktober 1938 vom 10. November 1938. Bayerisches Hauptstaatsarchiv. Reichsstatthalter 279 /1.Google Scholar
  6. Zahlreiche Münchner Unternehmen, so u.a. die Firmen Steinheil und Agfa, beschäftigten ab dem Jahr 1939 ausländische Zwangsarbeiter. Auf diesen speziellen Themenkomplex soll hier nicht eingegangen werden.Google Scholar
  7. Vgl. hierzu ausführlich Andreas Heusler, Zwangsarbeit in der Münchener Kriegswirtschaft 1939–1945, München 1991;Google Scholar
  8. ders., Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Giesing 1939–1945, in: Thomas Guttmann (Hg.), Unter den Dächern von Giesing. Politik und Alltag 1918–1945, München 1993, S. 78–89.Google Scholar
  9. 3.
    Vgl. Monatsbericht des Regierungspräsidenten von Oberbayern für März 1939 vom 12. April 1939. Bayerisches Hauptstaatsarchiv. Reichsstatthalter 279 /1.Google Scholar
  10. Der Bericht stellte auch fest, daß sich die bisher erlassenen Verordnungen gegen Arbeitsplatzwechsel als unzureichend erwiesen hätten.Google Scholar
  11. Einen eklatanten Mangel an Arbeitskräften, vor allem an Facharbeitern, und Rohstoffen konstatierte ferner das Schreiben des Regierungspräsidenten an das Staatsministerium für Wirtschaft vom 10. Juli 1939. Bayerisches Hauptstaatsarchiv. MWi 3090.Google Scholar
  12. Zur staatlichen Lohnpolitik und dem am 4. September 1939 gesetzlich verordneten Lohnstopp vgl. ausführlich Carola Sachse/Tilla Siegel/Hasso Spode/Wolfgang Spohn, Angst, Belohnung, Zucht und Ordnung. Herrschaftsmechanismen im Nationalsozialismus, Opladen 1982, S. 76 f., 80 ff.CrossRefGoogle Scholar
  13. 6.
    Vgl. Wirtscharts- und Versorgungslage im Gau München-Oberbayern. Streng vertraulicher Bericht vom 30. September 1939. Bayerisches Hauptstaatsarchiv. Reichsstatthalter 475.Google Scholar
  14. Zu den Betriebsstillegungen, von denen in den ersten beiden Kriegsmonaten reichsweit rund 100.000 Handwerksbetriebe betroffen waren, vgl. Ludolf Herbst, Deutschland im Krieg 1939–1945, in: Ploetz. Das Dritte Reich. Ursprünge, Ereignisse, Wirkungen, Freiburg/Würzburg 1983, S. 63–73, hier: S. 66 f.; (speziell für München) Hensler, Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Giesing, S. 84 f.Google Scholar

Copyright information

© Centaurus Verlag & Media UG 1997

Authors and Affiliations

  • Claudia Brunner
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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