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Die Bedeutung von Propagandakampagnen im Rahmen der „Arbeitsschlacht“

  • Claudia Brunner
Chapter
Part of the Reihe Geschichtswissenschaft book series (REIGE)

Zusammenfassung

Die Zunahme der Arbeitslosigkeit und die politischen Auseinandersetzungen um die Arbeitslosenversicherung hatten bereits in den Krisenjahren 1929/30 zu einer von der Presse unterstützten Kampagne gegen den Leistungsmißbrauch in Form von nicht angemeldeter Schwarz- und Gelegenheitsarbeit geführt. Um den als Massenphänomen eingestuften Mißbrauch der Arbeitslosenversicherung durch Unterstützungsempfänger zu minimieren, baute das Arbeitsamt seinen Fahndungs- und Ermittlungsdienst, der beim Verdacht von Schwarzarbeit Nachforschungen anstellte, weiter aus. Bereits seit Juni 1929 beschäftigte das Wohlfahrtsamt zwei Fahndungsbeamte, die für die zwölf Münchner Wohlfahrtsbezirksämter in allen Fällen von vermuteter Schwarzarbeit Ermittlungen aufnahmen und verdächtige Fürsorgeempfänger observierten. 1931 stockte man die Zahl der Fahnder auf zwölf auf, um durch die Aufdeckung von Fürsorgemißbrauch das finanziell überbeanspruchte Wohlfahrtsamt von unrechtmäßigen Leistungsbeziehern zu entlasten und die Sozialausgaben der Kommune zu reduzieren.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. exemplarisch Ulla Knapp, Frauenarbeit in Deutschland. Bd. 2: Hausarbeit und geschlechtsspezifischer Arbeitsmarkt im deutschen Industrialisierungsprozeß. Frauenpolitik und proletarischer Frauenalltag zwischen 1800 und 1933, München 1986, S. 503 ff.;Google Scholar
  2. Rüdiger Hachtmann, Industriearbeit im „Dritten Reich“. Untersuchungen zu den Lohn- und Arbeitsbedingungen in Deutschland 1933–1945, Göttingen 1989, S. 39, 233;CrossRefGoogle Scholar
  3. Karen Hagemann, Frauenalltag und Männerpolitik. Alltagsleben und gesellschaftliches Handeln von Arbeiterfrauen in der Weimarer Republik, Bonn 1990, S. 446 ff.Google Scholar
  4. 2.
    Vgl. Brunner, Arbeitslosigkeit, S. 217 f.Google Scholar
  5. Als Beispiel für die ambivalente und nicht stringente Haltung der Nationalsozialisten gegenüber „Doppelverdienern“ kann auch der Aufruf der NSDAP und der DAF, Gau München- Oberbayern, aufgeführt werden, in dem diese die deutschen Betriebe aufforderten, sog. Doppelverdiener nicht (mehr) zu beschäftigen. Mit dem Terminus „Doppelverdiener” wurden in diesem Fall aber nicht erwerbstätige verheiratete Frauen, sondern pensionierte Beamte und Offiziere bezeichnet, die einer Beschäftigung nachgingen. Schon diese unterschiedliche Sprachregelung zeigt, daß die NSDAP in der Frage des „Doppelverdienertums“ keineswegs über eine eindeutige Haltung verfugte.Google Scholar
  6. Vgl. Münchner Neueste Nachrichten. Nr. 141 vom 27. Mai 1934, S. 14.Google Scholar
  7. Eine andere Haltung als die Bayerischen Arbeitgeberverbände nahm der Verband der Pfälzischen Arbeitgeber ein: Er beurteilte den „Doppelverdienst“ von Vater und Tochter als ungerechtfertigt, während dem gleichen Tatbestand bei Vater und Sohn positive Bedeutung zukam, da die Söhne schließlich „Träger neuer Familien” seien.Google Scholar
  8. Paul Hövel, Grundfragen deutscher Wirtschaftspolitik, Berlin 1935, S. 86.CrossRefGoogle Scholar
  9. 4.
    Das Deutsche Volk. Sein Wesen - seine Stände. Bd. 14: Die Deutsche Arbeitskunde, Leipzig o.J., S. 422.Google Scholar
  10. 7.
    Vgl. Horst Kahrs, Die ordnende Hand der Arbeitsämter. Zur deutschen Arbeitsverwaltung 1933 bis 1939, in: Arbeitsmarkt und Sondererlaß. Menschenverwertung, Rassenpolitik und Arbeitsamt. Beiträge zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik. Bd. 8, Berlin 1990, S. 9–61, hier: S. 20 f.Google Scholar
  11. 8.
    Vgl. Paul Hovel, Grundfragen deutscher Wirtschaftspolitik, Berlin 1935, S. 87.CrossRefGoogle Scholar
  12. Nicht nur weibliche „Doppelverdiener“ waren von der Kündigung bedroht. Nach den vom Landesarbeitsamt Dortmund herausgegebenen arbeitsmarktpolitischen Richtlinien wurden im Herbst 1933 in der Bielefelder Metallindustrie auch die nicht auf ein eigenes Einkommen angewiesenen männlichen Arbeitskräfte entlassen. Rund 15% der Gekündigten verfügten nämlich über landwirtschaftlichen Besitz, der ihnen eine ausreichende Existenzgrundlage sicherte.Google Scholar
  13. Vgl. a.a.O., S. 86.Google Scholar

Copyright information

© Centaurus Verlag & Media UG 1997

Authors and Affiliations

  • Claudia Brunner
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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