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Die Ernährungs- und Versorgungslage der Münchner Bevölkerung

  • Claudia Brunner
Chapter
Part of the Reihe Geschichtswissenschaft book series (REIGE)

Zusammenfassung

Die dem Wohlfahrtsamt angegliederten städtischen Suppenanstalten, deren Zahl sich im Jahr 1930 auf dreißig belief, gaben gegen die Vorlage einer Kostmarke an Hilfsbedürftige und Minderbemittelte ein warmes Mittagessen ab. Obwohl die mangelhafte Qualität und Quantität der Kost immer wieder Gegenstand heftiger Kritik war und die Suppenanstalten bei den Benutzern einen außerordentlich schlechten Ruf genossen, kam ihnen bei der ernährungsmäßigen Versorgung der sozial schwachen Bevölkerungsgruppen eine unentbehrliche Funktion zu. Der Betrieb und Unterhalt der auf das gesamte Stadtgebiet verteilten Großküchen war mit hohen Kosten verbunden und verschlechterte die ohnehin desolate Finanzlage der Kommune von Jahr zu Jahr. Das Wohlfahrtsamt unternahm daher nach 1933 den Versuch, die Zahl der Benutzer aus Gründen der Kostenreduzierung, aber auch aus ideologischen Erwägungen heraus zu senken:

„Es verträgt sich nicht mit den Gedankengängen des neuen Staates, daß Personen, welche selbst kochen können oder welche sich in einer Familie .. verköstigen können, aus Bequemlichkeit oder anderen nicht zu billigenden Gründen die Suppenanstalt in Anspruch nehmen, um vielleicht das so Ersparte unnützen Zwecken (z.B. zum Trinken, zum Rauchen, zum Naschen, zum überflüssigen Kinobesuch usw.) zuzuführen. Solche Personen von den Suppenanstalten fern zu halten ist notwendig zur Verhinderung der Ausnützung von Wohlfahrtseinrichtungen, zur Stärkung des Familiensinnes und des Familienzusammenhaltes. Es sollen deshalb künftig Einweisungen in die Suppenanstalten in derartigen Fällen nicht mehr erfolgen. …

Die hier angeordnete Maßnahme bezweckt weniger eine finanzielle Einsparung; sie will vor allem erzieherisch wirken. …“ 1

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Copyright information

© Centaurus Verlag & Media UG 1997

Authors and Affiliations

  • Claudia Brunner
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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