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Auszug

Das folgende Kapitel dient der Aufarbeitung des theoretischen Rahmens, innerhalb dessen sich die empirischen Analysen und die darauf aufbauenden theoretischen Verallgemeinerungen bewegen. Zwar stützen sich rekonstruktiv-qualitative Studien im Gegensatz zu hypothesenprüfenden Verfahren nicht auf gegenstandsbezogene Theorien, jedoch werden auch sie nicht im ‘theorielosen Raum’ durchgeführt. So gilt es, vor allem das Begriffsinventar, das in der Untersuchung eine zentrale Rolle spielt, zu klären. In diesem Zusammenhang werde ich zunächst auf das Konstrukt Jugend im Zusammenhang mit gesamtgesellschaftlichen Individualisierungsprozessen eingehen und dabei insbesondere auf die Rolle der Gleichaltrigen fokussieren. Nach Klärung des für die Studie zentralen Begriffs der jugendkulturellen Szene werde ich das Handeln mit Medien aus Genderperspektive beleuchten und dabei Medienhandeln als vergeschlechtlichte und vergeschlechtlichende soziale Praxis definieren. Der abschließende Teil des Kapitels ist einem Überblick über die Männer- und Männlichkeitsforschung gewidmet.

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Literatur

  1. 2.
    Dieses Zitat ist ein treffendes Beispiel für die begrifflichen Verwirrungen, die im Zusammenhang mit der Thematisierung von Jugend und deren kulturellen Erscheinungsformen vorherrschen. Zunächst spricht Farin davon, dass „Subkulturen sowohl begrifflich als auch als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung relativ out [sind]“ (Farin 2003: 65), um im nächsten Absatz dann wieder von Subkulturen zu sprechen. Zur Vermeidung solcher Begriffsdiffusionen ist dieses Kapitel verfasst.Google Scholar
  2. 4.
    Zuden erwähnten Szenen vgl. u. a. Vogelsang 1995, 1996, 1997; Eckert et al. 1991; Vollbrecht 1995.Google Scholar
  3. 5.
    Bemerkenswerterweise hat dies laut der Autorengruppe keine schichtspezifischen Hintergründe: Die ‘Hits’ unter den bevorzugten Sendungen seien in allen Bildungs-und Sozialschichten dieselben (vgl. Hurrelmann/ Hammer/ Stelberg 1996: 65).Google Scholar
  4. 6.
    Winker (2004: 132) weist im Rückgriff auf eine Studie von Yates und Littleton darauf hin, dass Spiele durchaus auch geschlechtneutral gestaltet werden können, was sich beispielsweise auf die Leistungen von Mädchen beim Lösen bestimmter im Spiel zu lösender Aufgaben auswirkt.Google Scholar
  5. 7.
    Vgl. hierzu auch Herring (2000).Google Scholar
  6. 8.
    Wie schwierig es ist, weibliche Hacker ausfindig zu machen, beschreibt Sollfrank (1999) in ihrem Artikel Women Hackers — a report from the mission to locate subversive women on the net.Google Scholar
  7. 10.
    Die Koppelung von Handlungskompetenz an die Fähigkeit, medientechnologische Zusammenhänge präzise beschreiben zu können, wurde von uns einerseits deswegen vorgenommen, weil die jungen Hauptschüler ihre Kompetenzinszenierungen gerade auf der Basis eines verschwenderischen Umgangs mit Fachtermini vollführten. Innerhalb des Großprojekts ‘Hochschulartenübergreifendes Kompetenzzentrum für Genderforschung und Bildungsfragen in der Informationsgesellschaft’ wurden unsere Ergebnisse andererseits mit Videobeobachtungen abgeglichen, bei denen Hauptschüler bei der Bearbeitung bestimmter Aufgaben am PC gefilmt wurden. Die Auswertung der Videosequenzen ergab, dass das Know-how der Hauptschüler auch auf der handlungspraktischen Ebene nicht mit den aus den Interviews rekonstruieren Kompetenzinszenierungen mithalten konnte (vgl. Biermann/ Kommer 2005).Google Scholar
  8. 11.
    Metz-Göckel et al. sprechen von „Quasi-Experten“ (1991: 97).Google Scholar
  9. 14.
    Vgl. auch Döge (2000). Zur kritischen Auseinandersetzung mit der Frage, ob in den Erziehungswissenschaften Jungen-und Männerforschung fehlt, vgl. Hoffmann (1997).Google Scholar
  10. 17.
    Inden folgenden Ausführungen zum Patriarchatskonzept beziehe ich mich im Wesentlich auf Meuser (1998: 76–89).Google Scholar
  11. 18.
    Es ist insbesondere Connells Verdienst, diesem konzeptionellen Mangel abgeholfen zu haben, indem er eine Theorie der Geschlechterverhältnisse vorlegte, in der männliche Existenzweisen vor allem unter dem Machtaspekt theoretisch ausdifferenziert und gleichzeitig mit weiblichen Lebenszusammenhängen in Verbindung gebracht werden (vgl. u. a. Connell 2000a).Google Scholar
  12. 19.
    Als ‘Krankmacher’ wurden von der anglo-amerikanischen Forschung beispielsweise herausgearbeitet: „Orientierung nach außen, Neigung zur Gewalt, Funktionalisierung und Kontrolle der Umwelt, Vereinsamung im Sinne eines übertriebenen Autonomie-und Differenzierungszwangs, Stummheit durch mangelnden reflexiven Selbstbezug, Körperferne, Überbetonung der Rationalität“ (Steffen/ Marzahn 2002: VII).Google Scholar
  13. 20.
    Ein bezeichnender Titel eines Artikels, der im Zuge der Diskussion um die männliche Geschlechtsrolle und dem damit verbundenen Geschlechtsrollendruck entstanden ist, lautet: Warning: the male sex role may be dangerous to your health (Harrison 1978).Google Scholar
  14. 21.
    Zur ausführlichen kritischen Auseinandersetzung mit der Geschlechtsrollentheorie aus männerforscherischer Sicht vgl. u. a. Carrigan/ Connell/ Lee (1985: 553ff.) und Connell (2000a: 39ff.).Google Scholar
  15. 23.
    Zur ‘Kritischen Männerforschung’ vgl. den Sammelband von BauSteineMänner (1996b).Google Scholar
  16. 24.
    Eine Ausnahme stellen die Arbeiten Meusers dar, der sich in einer breit angelegten empirischen Studie der theoretischen Konzeption eines männlichen Geschlechtshabitus nähert (vgl. Meuser 1998).Google Scholar
  17. 25.
    Hoffmann verweist in diesem Zusammenhang auf die Arbeiten von Böhnisch/ Winter 1992, Böhnisch 1992 und Schnack/Neutzling 1990.Google Scholar
  18. 26.
    In diesem Abschnitt stütze ich mich im Wesentlichen auf die Ausführungen von Carrigan/ Connell/ Lee (1996: 52ff).Google Scholar
  19. 27.
    Die Schwulenbewegung (gay liberation movement) entstand in den USA in den 1960er-Jahren. Ihren Ausgangspunkt nahm die Bewegung in den schlachtenartigen Auseinandersetzungen in Folge der Schikanen der New Yorker Polizei gegen Besucher der Schwulenbar Stonewall in der Christopher Street (Sommer 1969). Zur Erinnerung an diesen Vorfall finden jährlich im Sommer die so genannten Christopher-Street-Days (CSD) — Paraden und Demonstrationen für die Rechte von Schwulen und Lesben — in zahlreichen Städten Statt.Google Scholar
  20. 35.
    Connell erwähnt eine Studie von Herdt über die Sambia, ein Volk im östlichen Hochland Papua Neuguineas, deren Kultur durch ständiges Kriegführen, eine stark vergeschlechtlichte Arbeitsteilung und durch eine betonte, aggressive Männlichkeit geprägt ist. In diesem Volk findet sich unter den Männern eine Form ritualisierter Homosexualität, die bei Initiationsriten gepflegt wird. „Die Initianden (...) lernen, das Sperma von älteren Jungen durch oralgenitalen Verkehr aufzunehmen“ (Herdt 2000: 35). Sperma gilt dabei als Essenz der Männlichkeit. Selbst nach der Verheiratung mit einer Frau werden den Männern bis zur Geburt des ersten Kindes sowohl hetero-als auch homosexuelle Kontakte zugestanden (vgl. Herdt 2000: 35f).Google Scholar
  21. 36.
    Bei den folgenden Ausführungen beziehe ich mich im Wesentlichen auf Connell (2000a: 65–85).Google Scholar
  22. 38.
    Vgl. hierzu vor allem den populärwissenschaftlichen Bestseller von Allan und Barbara Pease (2001) Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken.Google Scholar
  23. 39.
    Zur kulturellen und sozialen Konstruiertheit der Körper vgl. beispielsweise Laqueur (1992) und Duden (1991).Google Scholar
  24. 40.
    Zur Konstruktion von Männlichkeiten im lateinamerikanischen Kulturkreis vgl. z. B. Zapata Galindo (2000).Google Scholar
  25. 44.
    Dieser Vorgang der Parametrisierung sei anhand des folgenden Beispiels verdeutlicht: Ein (übereinzelsprachliches) UG-Prinzip besagt, dass jeder Satz ein Subjekt benötigt. In einigen Sprachen, den so genannten Null-Subjekt-Sprachen, kann die Subjektposition jedoch unbesetzt bleiben, wenn das Subjekt aus dem Kontext erschlossen werden kann (z. B. spanisch trabaja ‘er/sie arbeitet’); in anderen Sprachen ist die Besetzung der Subjektposition hingegen in allen Kontexten zwingend erforderlich (z. B. frz. il travaille ‘er arbeitet’). Beim Spracherwerb legen die Kinder den sog. Null-Subjekt-Parameter dann entsprechend dem jeweiligen sprachlichen Input fest, d.h. das spanische Kind parametrisiert seine UG anders als das französische Kind. Vgl. hierzu u. a. Radford et al. (1999: 347ff.).Google Scholar
  26. 53.
    Meuser spricht von der Chance, dass der Begriff der konjunktiven Erfahrung „eine stringente wissenssoziologische Konzeptualisierung von Habitus ermöglicht und die Habitus-Theorie gewissermaßen dynamisiert“ (Meuser 2000: 66). Auf diesen Aspekt werde ich im folgenden Kapitel näher eingehen.Google Scholar

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