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Die Produktion von Wissen und die Organisation der Wissensarbeit

Chapter

Auszug

Wie in der Einleitung angekündigt soll hier diskutiert werden, wie einschlägigen management-Modelle den Schwerpunkt in der Konversion von impliziten in explizite Wissensformen. Diese Festsetzung ist eine wichtige Voraussetzung, von der die Mo- delle nicht so ohne weiteres loskommen und an der die Praxis des Wissensmanage- ments leidet. Damit die Transformation verschiedener Wissensformen effizient und effektiv realisiert werden kann, haben die Autoren mit ihrer unterschiedlichen Pers- pektive die Notwendigkeit institutioneller Arrangements erörtert. Boisot thematisiert die Frage, wie ambivalente Wissensproduktion und -konversion sich über institutio- nelle Organisationsbereiche verteilt und beschäftigt sich hierbei mit dem Problem, wie einzelne organisatorische, großteils in sich abgeschlossene Wissensprozesse wieder zusammengebracht werden können. Ziel ist es, getrennt kognitive Prozesse wieder miteinander zu verbinden. Die Verbindung selbst soll aber weitreichend sein und ge- wäleisten, dass einzelne Prozesse der Wissensproduktion wieder ineinander greifen. Hierzu greift Boisot auf vier institutionelle Formen zurück, die in der einschlägigen Literatur großteils andere Aufgaben erfüllen. Interessant hierbei ist, dass in den vier institutionellen Idealtypen jeweils eigene normative Regeln die Wissensproduktion in Gang halten. Organisatorisches Lernen wird als zyklische Wissensproduktion konstruiert, die kreisförmig die einzelnen institutionellen Typen durchläuft. In dem als idealen Wissensprozess konstruierten sozialen Lernzyklus bedeutet dies, dass in den konkreten Phasen der Wissensproduktion die sozialen Bindungen und normativen Muster des Klans, abgelöst werden von den Regeln und Formen der Bürokratie, die Funktion der Bürokratie durch die Funktionalität des Marktes ersetzt wird und schließlich der Markt selbst durch sehr stark verpflichtende Patron-Klientel-Beziehung ersetzt wird, um somit einen neuen, eben „alteritärren“ Prozess der Wissensproduktion zu initiieren. Eine Organisation benötigt damit alle vier Institutionenformen, um den komplexen Stoffwechsel zwischen den verschiedenen Wissensformen zu garantieren. Insbesondere ist in den singulären Phasen des sozialen Lernzyklus, die Boisot als Prozess konzipiert, mit dem Organisationen neues Wissen generieren, erkennbar, dass die sechs Phasen nur dann ineinander greifen, wenn die dafür notwendigen inter- subjektiven sozialen Kontexte vorhanden sind. Diese sozialen Strukturen werden aller- dings nicht betrachtet. Auch bleibt bei Boisot vollkommen offen, wie jeweils die ganz eigentümlichen Organisationsmuster, beispielsweise wie die Regeln und Handlungs muster der Bürokratie abgelöst werden von den Regeln auf Märkten. Das Problem löst er damit, dass in einer Institutionenform jeweils die für die andere Institutionsform idealtypische Wissensform bereits angelegt ist und somit den sensiblen Übergang von einem Ordnungsmuster in ein anderes sicherstellt. Die sozialen Regeln in den ein- zelnen Feldern der herausgegriffenen Institutionen werden aber nicht im Detail dis- kutiert. Sie werden auch nicht mit einer besondern Bedeutung versehen, primär des- halb, so ist zu vermuten, weil die dringliche Überlegung darin besteht, die jeweils ent- stehenden Formen des Wissen zum einen innerhalb der institutionellen Felder zu kon- trollieren, was nichts anderes heißt als in der Organisation den abstrakten Zugriff sicher zu stellen und zum anderen, den Wissensfluss in Gang zu halten, der aber eben dadurch bestimmt ist, Wissen von einem Ort (der Anwendung) zu einem weiteren Ort (der Kontrolle) zu transplantieren. Interessant ist allerdings, dass diese spezifischen Orte der Anwendung und Kontrolle eigentlich soziale Felder darstellen, die mit ganz unterschiedlichen Macht- und Kräfteverhältnissen zwischen ihren Akteuren und der Umwelt arbeiten.

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© Deutscher Universitäts-Verlag | GWV Fachverlag GmbH, Wiesbaden 2006

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