Advertisement

Vorgehen der Untersuchung

  • Markus Müller-Martini

Zusammenfassung

In Anlehnung an Popper leitet sich die epistemologische Grundposition wissenschaftlicher Arbeiten aus den Erkenntniszielen ab, da nur vor diesem Hintergrund die Eignung eines Forschungsinstrumentariums beurteilt werden kann.81 Das theoretische Erkenntnisziel dieser Arbeit liegt in der Formulierung möglichst umfassender, allgemeiner Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen einzelnen Determinanten der Kundenbindung und dem Zielphänomen „Kundenbindung“ unter besonderer Berücksichtigung von Kundenkompetenzen als Determinante der Kundenbindung.82 Dem Allgemeingültigkeitsanspruch des Erkenntniszieles kann diese Arbeit jedoch nicht vollständig nachkommen: Laut Popper ist eine gesicherte absolute und endgültige Wahrheitserkenntnis nicht menschenmöglich, da keine letztverbindliche absolute Entscheidungsinstanz existiert.83 Wissenschaftlicher Fortschritt kann somit laut Prim/Tilmann nur durch „systematisches Raten [entstehen], dessen Ergebnis mehr oder weniger gute Annäherungen an die Wahrheit, niemals aber die Wahrheit sein kann.“84 Dieses „Raten“ ermöglicht somit sukzessive Annäherungen an die Wahrheit, ohne diese jedoch jemals vollständig erreichen zu können. Folglich entspricht das Wissen über die Realität stets nur einem wahrheitsnahen Zustand, den Popper als Verisimilitude bezeichnet.85

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 81.
    Vgl. Popper (1967a|2005), S. 42.Google Scholar
  2. 83.
    Vgl. Popper (2002), S. 296f..Google Scholar
  3. 84.
    Prim/ Tilmann (2000), S. 9, Hervorhebung im Original.Google Scholar
  4. 85.
    Vgl. Popper (1960|2005), S. 180; Popper (1993a), S. 67ff.; Popper (1994), S. 3–5. Vgl. auch Chalmers (1999a), S. 15f.; Wöhe/Döring (2000), S. 23, 37f.; Albert (2000); Hülsmann (2003), S. 46f..Google Scholar
  5. 86.
    Vgl. Fußnote 85, (S. 19) in dieser Arbeit.Google Scholar
  6. 87.
    Vgl. Prim/ Tilmann (2000), S. 9.Google Scholar
  7. 88.
    Popper (1934|2005), S. 118.Google Scholar
  8. 89.
    Vgl. Popper (1994), S. 3, 15–17; Prim/Tilmann (2000), S. 60, 62. Die empirische Falsifizierbarkeit ist laut Miller das Abgrenzungskriterium der empirischen Wissenschaft von der Metaphysik und von der Scheinwissenschaft. Vgl. Miller (2000), S. VIII. Folgende Merkmale zählen Prim/Tilmann für möglichst aussagekräftige, informationsreiche, intersubjektiv prüfbare Aussagen über die Realität auf: aposteriorische Gültigkeit, vorhandener Realitätsbezug, möglichst raumzeitliche Unbeschränktheit, empirische Überprüfbarkeit sowie hoher Informationsgrad. Vgl. Prim/Tilmann (2000), S. 61–73. Des Weiteren hat eine Hypothese den Kriterien der Explikation zu genügen, worunter Prim/Tilmann eine möglichst große Ähnlichkeit mit einem alltagssprachlichen Verständnis verwendeter Begriffe, eine möglichst exakte und gleichzeitig einfache Formulierung der Aussage verstehen. Vgl. Prim/Tilmann (2000), S. 42f..Google Scholar
  9. 90.
    Vgl. Green/ Tull/ Albaum (1988), S. 212.Google Scholar
  10. 91.
    Vgl. Hülsmann (2003), S. 54.Google Scholar
  11. 92.
    Vgl. Kromrey (2002), S. 37f..Google Scholar
  12. 93.
    Vgl. Popper (1993); Popper (1993a); Popper (1994); Popper (2004). Zur Darstellung und Kritik gegensätzlicher philosophisch-wissenschaftstheoretischer Grundpositionen beispielsweise von Carnap, Popper, Lakatos, Kuhn und Feyerabend vgl. Chalmers (1999); Chalmers (2001). Vgl. auch Lakatos (1970); Kuhn (1973); Feyerabend (1991); Carnap (1998).Google Scholar
  13. 94.
    Vereinfachend werden Individuen als kleinste Untersuchungseinheit aufgefasst und nicht, wie beispielsweise in Teilen der Psychologie, Medizin oder Genetik, Subebenen von Individuen betrachtet. Vgl. Frey, B.S./ Benz (2001), S. 7.Google Scholar
  14. 95.
    Popper grenzt explizit Individualismus von Egoismus sowie Kollektivismus von Altruismus ab. Platon dagegen unterscheidet nicht zwischen den beiden erstgenannten und den beiden letztgenannten Begriffen. Vgl. auch nachfolgend Popper (1945b|2005), S. 329f..Google Scholar
  15. 96.
    Vgl. Frey, B.S./ Benz (2001), S. 7. Beispielsweise betrachten die Rechtswissenschaften den Staat und nicht Individuen (Richter, Polizisten) als handelnde Entitäten.Google Scholar
  16. 97.
    Beispielsweise geht Platon davon aus, dass sich das Individuum einer übergeordneten Institution, beispielsweise einem Staat, gänzlich unterordnet: „Du bist um des Ganzen willen geschaffen, nicht aber das Ganze um deinetwillen.“ Vgl. Popper (1945b|2005), S. 329 mit Verweis auf Platon (o.J.), X. Buch, Kapitel 18, 903c. Dies impliziert laut Popper, dass der Kollektivismus „eine vollständige Umformung der Gesellschaft [für] möglich und notwendig“ erachtet, wenn dies für das Kollektiv, beispielsweise die Gesellschaft, nützlich sei. Dies wiederum bedingt konsequenterweise eine Planung und Veränderung sowie dadurch auch eine Planbarkeit und Veränderbarkeit sämtlicher Strukturen, Prozesse, Elemente, Eigenschaften und Relationen auf kollektiver, aber auch auf allen darunter liegenden Ebenen inklusive der dem Kollektiv zugeordneten Individuen. Vgl. Popper (1944|2005), S. 300.Google Scholar
  17. 98.
    Der Begriff wurde von Schumpeter (1908) geprägt.Google Scholar
  18. 99.
    Popper (1945a:2000), S. 348. Vgl. auch Hayek (1943|1949), S. 60. Der Begriff „sozial“ bezieht sich auf das (geregelte) Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft. Vgl. Drosdowski et al. (2003), Schlagwort „sozial“.Google Scholar
  19. 100.
    Frey, B.S./ Benz (2001), S. 7.Google Scholar
  20. 101.
    Vgl. Zintl (1989), S. 56.Google Scholar
  21. 102.
    Vgl. Popper (1944|2005), S. 298–301, 306f.; Popper (1945b|2005), S. 329f.; Prim/Tilmann (2000), S. 10.; Frey, B.S./Benz (2001), S. 7.Google Scholar
  22. 103.
    Popper (1944|2005), S. 298.Google Scholar
  23. 104.
    Vgl. Prim/ Tilmann (2000), S. 10. Daher hält Popper den Kollektivismus für unvereinbar mit einer „wahrhaft wissenschaftlichen Haltung“ Popper (1944|2005), S. 301. Weitere Kritik Poppers am Holismus (er verwendet den Begriff synonym mit Kollektivismus) richtet sich auf die seiner Meinung nach unmögliche, vollständige Zentralisierung von Wissen: „Der holistische Planer übersieht, dass es zwar leicht ist, die Macht zu zentralisieren, aber unmöglich, all das Wissen zu zentralisieren, welches auf viele Individuen verteilt ist und dessen Zentralisierung zur weisen Ausübung der zentralisierenden Macht erforderlich wäre. [...] Da der holistische Planer nicht imstande ist festzustellen, was in so vielen Menschen vorgeht, muss er versuchen, durch Eliminierung individueller Unterschiede seine Probleme zu vereinfachen. [...] Doch dieser Versuch [...] zerstört zwangsläufig die letzte Möglichkeit festzustellen, was die Leute wirklich denken [...] Letzten Endes muss ein solcher Versuch die Erkenntnis und das Wissen vernichten, und je größer der Gewinn an Macht ist, desto größer wird der Verlust an Wissen sein.“ Popper (1944|2005), S. 306f..Google Scholar
  24. 106.
    Krafft (2002), S. 21.Google Scholar
  25. 108.
    Laut Chmielewicz fällt das Forschungsproblem damit grundsätzlich dem Zuständigkeitsbereich der Betriebswirtschaftslehre zu. Vgl. Chmielewicz (1994), S. 23. Vgl. auch Kapitel I.1.2 dieser Arbeit.Google Scholar
  26. 109.
    Staehle (1999), S. 518.Google Scholar
  27. 110.
    Vgl. Gutenberg (1983), S. 38; Staehle (1999), S. 519.Google Scholar
  28. 112.
    Vgl. Chmielewicz (1994), S. 12–14.Google Scholar
  29. 113.
    Vgl. H. E. Schnell (1999), S. 8.Google Scholar
  30. 115.
    Vgl. Schnell/ Hill/ Esser (1999), S. 8.Google Scholar

Copyright information

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  • Markus Müller-Martini

There are no affiliations available

Personalised recommendations