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Job-Center und Fallmanagement

Herzstücke der Arbeitsmarktreformen
Chapter

Auszug

Die weit reichenden Arbeitsmarkt- und Sozialreformen haben zu einem grundlegenden Paradigmenwechsel geführt, der komplexe rechtliche, organisatorische und fachliche Veränderungen in der Arbeitsförderung und Sozialpolitik mit sich gebracht hat.

Nach anfänglichem Chaos bei der Reformumsetzung, die zum Einstieg von politischideologischen Auseinandersetzungen, organisatorischen, personalwirtschaftlichen und IT-technischen Umsetzungsfragen, ungeklärten juristischen Detailregelungen und Kompetenzstreitigkeiten zwischen der Bundes- und der lokalen Ebene geprägt war, ist nach der Implementation der neuen Aufbau- und Ablaufstrukturen des SGB II eine gewisse Ruhe eingetreten. Der Aufbauphase folgt jetzt eine Konsolidierungs- und Professionalisierungsphase, bei denen es gilt, eine Reihe nach wie vor bestehender struktureller Probleme im weiteren Umsetzungsprozess zu lösen.

Job-Center, Fallmanagement und Eingliederungsvereinbarungen sind die drei Schlüsselbegriffe, die das Kernstück der Arbeitsmarktreform nach dem ab Januar 2005 in Kraft tretenden SGB II „Grundsicherung für Arbeitsuchende“ beschreiben, und die bisherige Aufbau- und Ablaufstruktur in „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ verwandeln, wie es die Hartz-Kommission programmatisch beschrieben hat. Die vom Gesetzgeber gewollte Kooperation zwischen den Agenturen für Arbeit und Kommunen soll sich im Regelfall in den „ARGEn“ vollziehen; daneben haben „Optionskommunen“ die Möglichkeit zur eigenständigen Umsetzung des SGB II. Aufgrund der Klage mehrere Landkreise wird das Bundesverfassungsgericht im Herbst 2007 über die Verfassungsmäßigkeit des ARGE-Modells entscheiden.

Der Beitrag macht aus Sicht langjähriger Praxis deutlich, wie Job-Center als „Zentren für Arbeit und Einkommen“ ihre Arbeit wirkungsvoll organisieren können, besonders auch für junge Menschen. Eine zentrale Rolle nimmt die Ausgestaltung des Fallmanagement als Mix aus Einzelfallsteuerung und Systemsteuerung in Netzwerken ein mit dem Generalziel nachhaltiger beruflicher und sozialer Integration durch Mobilisierung aller verfügbaren Ressourcen. Für diesen Steuerungsprozess sind Sozialplanung, Arbeitsmarktmonitoring, Controlling und Evaluation unverzichtbare Steuerungsinstrumente. Bei der Umsetzung dieser Arbeitsmarktreform ist es aus Sicht der Autoren erforderlich, dass örtlichen Erfordernissen Rechnung getragen und auf gewachsenen und leistungsfähigen lokalen und regionalen Infrastrukturen aufgebaut wird — partnerschaftlich, auf gleicher Augenhöhe, pragmatisch und in einem offenen gemeinsamen Lernprozess.

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© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  1. 1.Fachbereichs Soziale Sicherung, Arbeitshilfen und SeniorenStadt MannheimMannheim

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