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Olfaktorisches und gustatorisches System

  • Monika Pritzel
  • Matthias Brand
  • Hans J. Markowitsch

Neben dem Sehen, Hören und Fühlen gibt es zwei weitere wichtige Sinne: das Riechen und das Schmecken. In vielen psychologischen Lehrbüchern werden die beiden entsprechenden Systeme, das olfaktorische und das gustatorische System, allenfalls am Rande besprochen. Dies ist aus vielerlei Gründen äußerst schade, denn beide Systeme sind für uns wichtig. Wir denken zwar häufi g, dass uns in unserem Alltag zumeist die anderen Sinne vor eventuellen Gefahren warnen. (Wenn wir beispielsweise durch die Stadt gehen und sehen, dass eine Taube auf uns zufl iegt, ducken wir uns daraufhin, um nicht von ihr erwischt zu werden. In diesem Fall würden wir uns auch nicht auf unsere Nase verlassen und erst recht nicht auf unseren Geschmack.) Dennoch sind auch für uns Menschen diese beiden Sinne von großer Bedeutung. Denken Sie z. B. daran, dass Sie mit Hilfe Ihres Geruchssinns beim Kochen wahrnehmen, ob es „angebrannt“ riecht, oder dass Sie mit Ihrem Geschmackssinn wahrnehmen können, ob eine Speise bereits schlecht geworden ist und deshalb säuerlich schmeckt. Also auch diese beiden Sinne warnen uns vor Gefahren aus unserer Umwelt und helfen uns entsprechende Handlungen einzuleiten. Für Psychologen sind beide Systeme aber noch aus anderen Gründen interessant: Erstens gibt es starke Verbindungen zwischen dem olfaktorischen System und Emotionen, und nahezu kein Geruch erscheint uns neutral zu sein. Zweitens gibt es im Bereich des Geschmacks erstaunlich überdauernde Konditionierungsmechanismen, die dafür sorgen können, dass wir eine Speise, an der wir uns z. B. einmal den Magen verdorben haben, über viele Jahre hinweg nicht mehr essen können, ohne dass uns übel wird. Die solchen Phänomenen zugrunde liegenden physiologischen Mechanismen und assoziierten Hirnstrukturen sind Gegenstand dieses Kapitels. Wir werden beide Systeme in einem Kapitel zusammenfassen, da es wesentliche Gemeinsamkeiten der Geruchs- und Geschmackswahrnehmung gibt: Erstens werden beide Systeme häufi g als „chemische Sinne“ bezeichnet, weil die adäquaten Reize chemisch sind (Duft- bzw. Geschmacksmoleküle). Zweitens sind beide Systeme eng miteinander verbunden. (Denken Sie z. B. daran, dass sich ohne eine funktionierende Geruchswahrnehmung – beispielsweise im Rahmen einer Erkältung – auch der Geschmack von Speisen schwerer identifi zieren lässt.)

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Copyright information

© Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 2003

Authors and Affiliations

  • Monika Pritzel
    • 1
  • Matthias Brand
    • 2
  • Hans J. Markowitsch
    • 2
  1. 1.Fachberich 8 Psychologie Arbeitsbereich Kognitive Neurowissenschaft, Klinische Psychologie und InterventionUniversität Koblenz-LandauLandau
  2. 2.Physiologische PsychologieUniversität BielefeldBielefeld

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