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Emotion

  • Monika Pritzel
  • Matthias Brand
  • Hans J. Markowitsch

Das Thema „Emotion“ steht im Schnittpunkt zwischen naturwissen schaftlichen und sozialwissenschaftlichen Ansätzen der Psychologie. Im Abschnitt über Sinnesphysiologie und im Kapitel über Motorik haben wir uns darauf beschränkt, jene Hirnvariablen darzulegen oder herauszuarbeiten, von denen man annimmt, dass sie mit einzelnen Sinneserfahrungen oder motori schen Planungsvorgängen in engem Zusammenhang stehen. Ein ganz wichtiger Aspekt, die Gefühle, die ein Mensch bei der Wahrnehmung und beim Handeln haben kann, blieb dabei weitestgehend unberücksichtigt. Die emotionale Komponente unseres Verhaltens ist sehr komplex, sie bezieht neben dem Zentralnervensystem auch das autonome Nervensystem mit ein und hat Rückwirkungen auf unser Immun- und Hormonsystem. Dieses vielschichtige Zusammen spiel ist ein Hauptgrund für die große Variabilität in der Beziehung von einem bestimmten Verhaltensausdruck und den erhobenen physiologischen Maßen. Empfindet z. B. eine Person beim Anblick eines Bildes oder beim Ausführen einer bestimmten Handlung Angst, Freude, Abscheu oder Trauer, so sind die unterschied lichen physiologischen Begleitvariablen (Zittern, Schweißausbruch, Blässe, Erröten) sowohl Ausdruck der Emotion als auch der raschen Anpassung des Individuums an neue Umweltbedingungen. Eine plötzliche Blässe, als Angst gedeutet, liefert Anzei chen dafür, dass vermehrt Blut vom Kopf in die Beine gelenkt und die Flucht einer Person dadurch erleichtert werden könnte. Wer vor Überraschung die Augenbrauen hebt, signalisiert damit nicht nur sein Erstaunen angesichts der Neuigkeit der Information, sondern vergrößert auch gleichzeitig sein Blickfeld und lässt mehr Licht auf den Augenhintergrund fallen. Dadurch kann die Person auf die unerwartet eingetre tene Situation auch rascher reagieren. Ein verächtliches Naserümpfen als Zeichen der Abscheu verengt gleichzeitig die Nasenlöcher und reduziert dadurch den Einfl uss von schädlichen Gerüchen. Manche Forscher glauben auch, dass die Trauer eines Menschen, die den Stoffwechsel verlangsamt und dadurch zu einem Energieverlust führt, eine wichtige Überlebensfunktion habe, denn die Menschen blieben so eher in der Nähe ihrer Behausung und verhielten sich somit angesichts ihrer geringeren Abwehrbereitschaft adaptiv.

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Copyright information

© Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 2003

Authors and Affiliations

  • Monika Pritzel
    • 1
  • Matthias Brand
    • 2
  • Hans J. Markowitsch
    • 2
  1. 1.Fachberich 8 Psychologie Arbeitsbereich Kognitive Neurowissenschaft, Klinische Psychologie und InterventionUniversität Koblenz-LandauLandau
  2. 2.Physiologische PsychologieUniversität BielefeldBielefeld

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