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Wirtschaftsrecht — eine juristische Disziplin im Spannungsfeld von Sein und Sollen

  • Karl Wenger

Zusammenfassung

Nach wie vor liegt eines der zentralen rechtsphilosophischen Probleme in der Frage1, in welchem Verhältnis die in unserer Welt vorgefundenen Fakten, kurz das Sein, und die an die Menschen als Ideen und Werte herangetragenen Verhaltensanforderungen, kurz das Sollen, zueinander stehen. Gerade für die österreichische Rechtswissenschaft hat die damit angesprochene Problematik zufolge ihrer nachhaltigen Beeinflussung durch Hans Kelsens Reine Rechtslehre, zu deren Basisthesen die absolute Trennung von Sein und Sollen gehört, bis heute auch Auswirkungen auf die praktische Jurisprudenz gehabt. Dies zeigt sich insbesondere in jener Art von Rechtsbetrachtung, die bis vor kurzem vor allem in der Lehre vom öffentlichen Recht weitgehend dominierte und von Adamovich — Funk treffend als “formaler Reduktionismus” bezeichnet wird2. Die davon ausgehenden Fehlentwicklungen in ihren Ursachen offenzulegen, ohne deshalb die nicht zu leugnenden Verdienste der “Wiener Schule” um eine methodische Präzisierung juristischer Analysen zu verkennen, war und ist eines der wissenschaftlichen Hauptanliegen des Jubilars. Dies zeichnete sich bereits in seiner 1956 erschienenen Habilitationsschrift “Der Bescheid — Ein Beitrag zur Lehre vom Verwaltungsakt”3 in Umrissen ab. In seiner “Wertbetrachtung im Recht” aus dem Jahre 1969 prazisierte er die einschlägigen Fragestellungen4. In seinem 1979 in der Zeitschrift “Rechtstheorie” erschienenen Aufsatz “Sein und Sollen” erfuhren diese Fragen ihre vorerst letzte Beantwortung. Nicht nur in diesem letzten Beitrag, dessen Untertitel dies expressis verbis zum Ausdruck bringt, sondern mehr oder weniger in fast alien seinen Publikationen geht es dem Jubilar um grundsatzliche “Orientierungen für eine kritische und gegenstandsbezogene Theorie vom positiven Recht”5.

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Notes

  1. 17.
    Schmidt-Rimpler, Wirtschaftsrecht, HdSW 12 (1965) 686 ff.Google Scholar
  2. 41.
    Schmidt-Rimpler, Grundfragen einer Erneuerung des Vertragsrechts, AcP 147 (1941) 130 ff. Unter “Richtigkeit” wird dabei verstanden, dalß einerseits der Gerechtigkeit und andererseits der von der Rechtsgemeinschaft her zu beurteilenden Zweckmäßigkeit Rechnung getragen ist. Dazu insb Bydlinski, Privatautonomie und objektive Grundlagen des verpflichtenden Rechtsgeschäftes (1967) 62 ff.Google Scholar
  3. 42.
    Schmidt-Rimpler, AcP 147 (1941) 157 ff; Bydlinski, Privatautonomie 62 f.Google Scholar
  4. 91.
    Schmidt-Rimpler, HdSW 12 (1965) 690; Tettinger, Rechtsanwendung 119 f.Google Scholar
  5. 92.
    Schmidt-Rimpler, HdSW 12 (1965) 693.Google Scholar
  6. 93.
    Schmidt-Rimpler, HdSW 12 (1965) 694. Im selben Sinne auch Mayer-Maly, Rechtswissenschaft2 (1981) 137, und Bydlinski, Arbeitsrechtskodifikation und allgemeines Zivilrecht (1969) 12.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag/Wien 1989

Authors and Affiliations

  • Karl Wenger

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