Advertisement

Psychotherapie — Wissenschaft vom Subjektiven

  • Alfred Pritz
  • Heinz Teufelhart
Chapter

Zusammenfassung

Die Psychotherapie, in ihrem Kern der Versuch einer „Heilung des Geistes“ (Stefan Zweig), ist eine menschheitsgeschichtlich uralte Umgangsform von Schamanen, Priestern, Ärzten, Pädagogen und anderen sozialen Berufen. Sinn der Psychotherapie ist es, einerseits Erleben und Verhalten, das krankhaft oder abweichend erlebt wird, mittels Wort und Beziehung zu beeinflussen und andererseits die Conditio Humana zu verstehen, die Leidensgeschichte des Menschen in einen Bezugsrahmen zu stellen, der individuell erfahrbar ist. Hat die Psychotherapie in ihren zahlreichen methodischen und schulischen Verästelungen zunächst ihre Heimat in der Theologie gehabt — wie im übrigen jede Wissenschaft in der Theologie ihren Ausgang nahm —, und hat sie in der Medizin lange Zeit eine zwar geringe, aber doch wahrnehmbare Rolle gespielt, so ist sie in diesem Jahrhundert zunehmend in die Rolle einer eigenständigen Disziplin hineingewachsen. Dies drückt sich beispielsweise im österreichischen Psychotherapiegesetz von 1990 so aus:

§ 1. (1) Die Ausübung der Psychotherapie im Sinne dieses Bundesgesetzes ist die nach einer allgemeinen und besonderen Ausbildung erlernte, umfassende, bewußte und geplante Behandlung von psychosozial oder auch psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen mit wissenschaftlich-psychotherapeutischen Methoden* in einer Interaktion zwischen einem oder mehreren Behandelten und einem oder mehreren Psychotherapeuten mit dem Ziel, bestehende Symptome zu mildern oder zu beseitigen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern und die Reifung, Entwicklung und Gesundheit des Behandelten zu fördern.

(2) Die selbständige Ausübung der Psychotherapie besteht in der eigenverantwortlichen Ausführung der im Abs. 1 umschriebenen Tätigkeiten, unabhängig davon, ob diese Tätigkeiten freiberuflich oder im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses ausgeübt werden (Kierein et al., 1991, S. 118).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Dilthey W (1900) Die Entstehung der Hermeneutik. In: Dilthey W (Hrsg) Gesammelte Schriften, Bd 5. Teubner, StuttgartGoogle Scholar
  2. Freud S (1952) Gesammelte Werke, Band 15. Imago, LondonGoogle Scholar
  3. Kierein M, Pritz A, Sonneck G (1991) Psychologengesetz, Psychotherapie-Gesetz, Kurzkommentar. Orac, WienGoogle Scholar
  4. Liebs D (1975) Römisches Recht. Ein Studienbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, GöttingenGoogle Scholar
  5. Mittelstrass J, (in Verbindung mit) Wolters G (1980) Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd 1. BI-Wissenschaftsverlag, MannheimGoogle Scholar
  6. Popper KR (1971) Logik der Forschung. JCB Mohr, TübingenGoogle Scholar
  7. Prinz W (1990) Wahrnehmung. In: Spada H (Hrsg) Allgemeine Psychologie. Huber, BernGoogle Scholar
  8. Schleiermacher FDE (1977) Hermeneutik und Kritik (hrsgg. v. Frank M). Suhrkamp, Frankfurt/MainGoogle Scholar
  9. Seiffert H (1992) Einführung in die Hermeneutik. Francke, TübingenGoogle Scholar
  10. Ströker E (1992) Einführung in die Wissenschaftstheorie. Wiss. Buchgesellschaft, DarmstadtGoogle Scholar
  11. Wallner F (1990) Acht Vorlesungen über den Konstruktiven Realismus. In: Wallner F, Peschl M (eds) Cognitive Science, Vol. 1. Universitätsverlag, WienGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1996

Authors and Affiliations

  • Alfred Pritz
  • Heinz Teufelhart

There are no affiliations available

Personalised recommendations