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Schlußbetrachtungen

  • Peter Wessely

Zusammenfassung

Neuropathische Schmerzen können mit einer Reihe von Erkrankungen des peripheren und/oder zentralen Nervensystems vergesellschaftet sein, sind aber bei keinem dieser Krankheitsbilder obligat, sondern nur jeweils mit geringer bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit anzutreffen. Wer in einer Patientengruppe tatsächlich neuropathische Schmerzen in Zusammenhang mit seiner Grundkrankheit erleben wird, kann nur sehr ungenau abgeschätzt werden (z.B. geringe Wahrscheinlichkeit nach einem cerebralen Insult, aber relativ hohe nach einem Herpes zoster-Befall). Es ist auch das zu erwartende Schmerzphänomen wenig voraussagbar und da sich bei chronischen neuropathischen Schmerzen die Schmerzqualität ändert, sind meist auch herkömmliche Therapieverfahren wirkungslos. Es zeigt sich aber, daβ sich bestimmte - meist primär gar nicht als Analgetika anzusprechende - Medikamente wie z. B. Antidepressiva (hier eher die alten Trizyklika als die modernen selektiven Serotonin-ReuptakehemmerL manche Antiepileptika (mit Ausnahme von Carbamazepin sind es eher die neu entwickelten Pharmaka der jüngeren ZeitL aber auch Opioide, zur Standardtherapie gehören. Bei einzelnen Krankheitsbildern sind auch Antiarrythmika (wie Lidocain) oder NMDA-Rezeptoren-Antagonisten im Einsatz; eine groβe Vielfalt von sonstigen Pharmaka bzw. Therapieverfahren wird empfohlen, ohne aber, daβ sie einer evidence based Überprüfung standhalten würden. Bedauerlicherweise ist aber auch bei den etablierten Substanzen der Wirkquotient nicht sehr hoch, wie sich z.B. nach den Kriterien der NNT-Berechnungen ergibt. Die Metaanalysen zeigen auf, daβ vielfach moderne Medikamentenstudien fehlen, und für ältere Präparate Untersuchungen nach heutigen Prüfprinzipien nicht zur Verfügung stehen (insbesondere sind die verwertbaren Fallzahlen sehr niedrig) bzw. keine Reevaluierung durchgeführt worden ist. Zusätzliche, meist invasive Verfahren (z.B. intrathekale Gaben von Opioiden, Anästhetika etc.) und insbesondere die innovativen neuromodulativen Techniken, letztere bei entsprechender Indikation mit hoher Effizienz, kommen in jüngerer Zeit zunehmend zum Einsatz.

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 2001

Authors and Affiliations

  • Peter Wessely
    • 1
  1. 1.Universitätsklinik für NeurologieAKH Wien

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