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Sozialgesetze und Idealtypen

  • Felix Kaufmann

Zusammenfassung

Durch die prinzipiellen Überlegungen, die wir im ersten Teile und in den vorangegangenen Kapiteln des zweiten Teils dieser Arbeit angestellt haben, wurden die wesentlichen Mißverständnisse im Methodenstreit hinsichtlich des Charakters der sozialwissenschaftlichen Gesetze aufgeklärt und damit insbesondere die Unzulänglichkeit der scharf antithetischen Formulierungen betreffend das Verhältnis von Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften dargetan. Wir wollen die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen kurz zusammenfassen:
  1. 1.

    Es besteht weder in den Naturwissenschaften noch in den Sozialwissenschaften ein übergangsloser Gegensatz zwischen exakten Gesetzen und bloßen Regeln oder Tendenzen. Was im besonderen die mathematische Methode anbelangt, so verbürgt ihre „interne Exaktheit“ nicht die „empirische Exaktheit“ der mathematisch formulierten Sätze innerhalb der Erfahrungswelt.

     
  2. 2.

    Die Gesetze der Sozialwissenschaften wie überhaupt der Geistes-wissenschaften unterscheiden sich dadurch von den Gesetzen der Naturwissenschaften, daß in ihnen innere Erfahrung thematisch wird. Die „Verstehensgesetze“ der Sozialwissenschaften sind aber, wie sich besonders deutlich bei der Analyse des zweckrationalen Verstehens zeigt, nicht unabhängig von den Gesetzen des außenweltlichen Geschehens.

     

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. Kaufmann, „Soziale Kollektiva“, S. 299.Google Scholar
  2. 2.
    „Die,Objektivität’ sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis“ in „Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre“, S. 146–214, S. 191.Google Scholar
  3. 3.
    „Wirtschaft und Gesellschaft“, a. a. O., S. 5.Google Scholar
  4. 4.
    ibd. S. 5.Google Scholar
  5. 5.
    ibd. S. 9 f.Google Scholar
  6. 6.
    ibd. S. 10.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. etwa Pfister, „Entwicklung zum Idealtypus“, Tübingen 1928.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. „Aufbau“, S. 202.Google Scholar
  9. 9.
    „Wirtschaft und Gesellschaft“, S. 10.Google Scholar
  10. 10.
    Es ist hinreichend, daß der Idealtypus eine Motivationskomponente des Handelns bestimmt, soferne hinreichende Anhaltspunkte für die Erkenntnis der anderen Komponenten und der Art der Verknüpfung sämtlicher relevanter Komponenten von anderen Überlegungen her gewonnen werden können. Vgl. oben S. 229 f.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. insbesondere seinen schon genannten Aufsatz, „Der Sinn der,Wertfreiheit’ der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. hiezu Morgenstern, „Vollkommene Voraussicht und wirtschaftliches Gleichgewicht“, Ztschr. f. Natök., Bd. VI., S. 337–357.Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Vienna 1936

Authors and Affiliations

  • Felix Kaufmann
    • 1
  1. 1.Universität WienÖsterreich

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