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Das „Historische“ in den Sozialwissenschaften

  • Felix Kaufmann

Zusammenfassung

Wir haben in den Grundüberlegungen des ersten Teiles dieser Arbeit großen Nachdruck auf die Feststellung gelegt, daß schon in den vorwissenschaftlichen Begriffen von Tatsachen, und umsomehr in den wissenschaftlichen Begriffen von Tatsachen nicht pure rezeptive Befunde niedergelegt erscheinen, sondern daß in ihnen auch Annahmen über generelle Verknüpfungen eingeschlossen sind. Weiters haben wir dargetan, wie unter Berücksichtigung dieses Umstandes die Abgrenzung zwischen „Tatsache“ und „Gesetz“ zu formulieren ist. Auf diese Ergebnisse ist nun bei Bestimmung des Begriffs der histori­schen Tatsache — als des Themas der Geschichtswissenschaften — sorgfältig Bedacht zu nehmen. Die gründlichsten und für die geschichtstheoretischen Forschungen innerhalb des letzten Menschen­alters maßgebenden Untersuchungen zu dieser Problematik wurden von Rickert1 im Anschluß an Gedanken Windelbands2 durchgeführt. Er bestimmt den logischen Ort der Geschichtswissenschaften im engeren Sinne — d. h. der Wissenschaften von der Menschengeschichte — mit Hilfe der Klassifikation nach den beiden Gegensatzpaaren: „generalisierende (nomothetische) Wissenschaften“ — „individualisierende (idiographische) Wissenschaften“ und „wertfreie Wissenschaften“ — „werthezogene Wissenschaften“.

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Anmerkungen

  1. 1.
  2. 2.
    Vgl. Anm. 6 und 7 des 1. Kapitels. Eine interessante Analyse der RICKERTschen Theorie enthält Fritz Kaufmanns „Geschichtsphilosophie der Gegenwart“, Philosophische Forschungsbriefe, Heft 10, Berlin 1931.Google Scholar
  3. 3.
    Zur Dogmengeschichte des Historismus, vgl. Tröltsch, „Der Historismus und seine Probleme“, Tübingen, 1922.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. etwa „Die Vernunft in der Geschichte“, Einleitung in die Philosophie der Weltgeschichte, herausg. von Georg Lasson, Leipzig 1920.Google Scholar
  5. 5.
    Hauptwerk: „Cours de philosophie positive“.Google Scholar
  6. 6.
    Hauptwerk: „System of synthetic philosophy“.Google Scholar
  7. 7.
    Über Marxens Historischen Materialismus vgl. unten S. 244 ff.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. „Prinzipielles zur Kultursoziologie“, Arch. f. Sozialw., Bd. 47, S. 1 ff. und „Ideen zur Staats- und Kultursoziologie“, Karlsruhe 1927.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. seine „Wissensfornien“, insbes. S. 64 ff.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. auch unten S.282 f.Google Scholar
  11. 11.
    Eine vorzügliche Zusammenfassung enthält Ernst Grünwald, „Das Problem der Soziologie des Wissens“, Wien 1934.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. vor allem „Die Wissensformen und die Gesellschaft“.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. u. a. „Historismus“, Arch. f. Sozialw., Bd. 52, „Das Problem einer Soziologie des Wissens“ ibd. Bd. 53. „Ideologie und Utopie“, 1929, Art. Wissenssoziologie in Handwörterbuch d. Soziologie, 1932.Google Scholar
  14. 14.
    „Wissensformen“, S. 59.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. etwa seine „Einleitung in die Geisteswissenschaften“, Ges. Werke, Bd. 1, 1922.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. oben S. 110 ff.Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Vienna 1936

Authors and Affiliations

  • Felix Kaufmann
    • 1
  1. 1.Universität WienÖsterreich

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