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Gründe für die Atomistik, entnommen aus dem Gebiete der Erscheinungen von Licht undWärme

  • Gustav Theodor Fechner
Part of the Kleine Bibliothek für das 21. Jahrhundert book series (BIBLIOTHEK, volume 1)

Zusammenfassung

Die Brechung des Lichts in den Körpern läßt sich dem Hauptphänomen nach durch die dynamische und atomistische Ansicht gleich gut erklären. Nicht nur daß die Brechung erfolgt, sondern auch daß bei einfacher Brechung ein konstantes Verhältnis zwischen Einfalls- und Brechungssinus statt hat, ja selbst die allgemeinen Phänomene der Doppelbrechung treten gleichmäßig unter beide Ansichten. Es führt aber die Haupterscheinung der Brechung als feinere Bestimmung den Umstand mit sich, daß der gebrochene weiße Strahl sich in einen schmalen Farbenfächer ausbreitet, indem die Brechbarkeit der verschiedenen Farbstrahlen etwas voneinander abweicht. Von jeher haben die gründlichsten Mathematiker und Physiker anerkannt, daß diese Farbenzerstreuung gänzlich unvereinbar sei mit der Undulationstheorie des Lichts, sodaß hierin lange der einzige Grund gelegen hat, weshalb man die in jeder Beziehung so viel unwahrscheinlichere und neuerdings aus durchschlagenden Gründen gänzlich aufgegebene Emissionstheorie der Undulationstheorie vorzog. Nun aber haben die neueren Untersuchungen von Cauchy gezeigt, daß diese Unvereinbarkeit doch bloß insofern bestehe, als man annimmt, daß die Lichtwelle sich durch den Äther wie durch ein Kontinuum fortpflanzt, daß dagegen die Gesetze der Farbenzerstreuung mit denen der Brechung in einer Konsequenz aus der Grundansicht der Undulationstheorie hervorgehen, wenn man die Teilchen des Äthers diskret setzt, ja daß die Farbenzerstreuung bei der Brechung dann ebenso notwendig als die Brechung selbst gefordert ist. Also die Frage, ob Atomismus oder nicht, ist eine Lebensfrage für die Undulationstheorie, wie die Frage, ob Undulationstheorie oder nicht, eine Lebensfrage für die Physik ist.

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Anmerkungen Teil 1

  1. 1.
    Poisson (1823), Bd. 22, S. 254Google Scholar
  2. 2.
    Fresnel (1824)Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Poisson (1833), Bd. 1, S. 174 fGoogle Scholar
  4. 4.
    Fresnel (1824)Google Scholar
  5. 5.
    Fourier (1822)Google Scholar
  6. 6.
    Wilhelmy (1851), S. 47Google Scholar
  7. 7.
    Langberg (1845), S. 10Google Scholar
  8. 8.
    Wiedemann (1858), (1859)Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Pouillet-Müller (1843), Bd. 2, S. 306Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1995

Authors and Affiliations

  • Gustav Theodor Fechner

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