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Über die Qualität und Kräfte der einfachen Atome

  • Gustav Theodor Fechner
Part of the Kleine Bibliothek für das 21. Jahrhundert book series (BIBLIOTHEK, volume 1)

Zusammenfassung

Ob man die einfachen Wesen als quantitativ und qualitativ gleichartig oder gleichzeitig zu halten habe, kann noch zweifelhaft erscheinen. Wenn man, wie ich mit Herbart, wenn schon in anderem Sinne, tue, das Gegebene als Ausgang und Anhalt nimmt, so muß man sich eben auch nach den Forderungen des Gegebenen richten, darf aber doch, solange diese Forderungen nicht entschieden sind, immer das Einfachstmögliche im Auge behalten. Und das sind einfache Wesen, die gar keinen Anhaltspunkt zum Vergleich in sich schließen. Jede Ungleichheit würde mindestens noch eine Zerlegung nach zufälliger Ansicht in Herbarts Sinne gestatten, die wir vielleicht entbehren können. Und so sage ich, die Erfahrung zwingt wenigstens bis jetzt noch nicht, diese einfachste Vorstellung als unmöglich zu verwerfen. Für jedes Atom von verschiedener Größe, Masse, Gestalt, chemischer oder dynamischer Beschaffenheit, was der Physiker, Chemiker, Kristallograph jetzt der Erklärung der Erscheinungen zuliebe supponiert, läßt sich immer ein Molekül, eine Gruppe von verschiedener Ausdehnung, Gedrängtheit, Anordnung, relativer Bewegung unserer einfachen Wesen substituiert denken; und wenn man sich erinnert einerseits, daß die Erscheinungen der Chemie ohnehin zur Annahme zusammengesetzter Moleküle nötigen, andererseits daß schon so auffallende und mannigfache qualitative Verschiedenheiten, wie zwischen den einzelnen Farben, den einzelnen Tönen bestehen, auf Verschiedenheiten von Schwingungsverhältnissen haben zurückgeführt werden können, die nur abhängig sind von einer verschiedenen (die Spannung bedingenden) Anordnung ohne Rücksicht auf eine verschiedene Grundqualität der schwingenden Materie, so liegt bei unserer Unbekanntschaft mit den letzten Grundgesetzen des Molekularen auch allgemein gesprochen noch die Möglichkeit vor, daß alle sekundären Qualitäten, die uns die Körperwelt darbietet, aus verschiedenen Anordnungen und davon abhängigen Bewegungen einfacher Wesen von an sich gleichgültiger Qualität nach dafür bestehenden Gesetzen ableitbar sind. Aber die Aussichtslosigkeit, dies mit unseren jetzigen Kenntnissen zu bewirken, ist anzuerkennen, und es liegt hierin überhaupt keine Lebensfrage für den Bestand, sondern nur für die einfachstmögliche Gestaltungsweise der atomistischen Grundansicht.

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© Springer-Verlag Wien 1995

Authors and Affiliations

  • Gustav Theodor Fechner

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