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Beweisgang

  • Gustav Theodor Fechner
Part of the Kleine Bibliothek für das 21. Jahrhundert book series (BIBLIOTHEK, volume 1)

Zusammenfassung

Vielleicht findet man, daß diese Schrift von vornherein zu sehr darauf ausgeht, die Ansicht, die sie vertritt, durch Einzelheiten zu stützen und die gegenteilige durch solche zu widerlegen, obwohl man doch zugleich finden wird, daß diese Einzelheiten nur Brüche einer Einheit sind, die unzerbrochen bleibt, wenn sie sich auch gebrochen darlegt, und daß nach den Einzelheiten auch dem Allgemeinen sein Recht geschieht. Nicht ohne Grund aber stelle ich spezielle Betrachtungen gleich in den Vordergrund. Heeren sagt einmal irgendwo: Eine Messerspitze. voll Pfeffer, gefunden in dem abgelegensten Dorfe, genüge zum Beweise eines Verkehrs mit Indien, weil Pfeffer nur von dort kommen könne. In der Tat, man könnte sich noch so lange mit allgemeinen Gründen streiten, ob ein Verkehr mit Indien stattgehabt habe, so würde die Messerspitze Pfeffer doch mehr beweisen als alle allgemeinen Gründe. Unsere Gegner werden freilich sagen, die Frage muß vielmehr aus dem Begriffe von Indien, vom Handel, vom Pfeffer entschieden werden. Ich meine aber doch, die Messerspitze Pfeffer beweist mehr. Und so galt es uns nun auch, solche Messerspitzen Pfeffer in bezug zu unserer Frage zu finden; wir werden aber nach allem viel mehr als Messerspitzen und zu den Körnern auch den Zusammenhang der Körner im ganzen Strauche finden.

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Anmerkungen Teil 1

  1. 1.
    Auch Herbart nämlich widerspricht bei strengster metaphysischer Scheidung der einfachen Wesen, aus deren Zusammen er die Körperwelt erklärt, ausdrücklich einer physikalisch-atomistischen Auffassung dieser Scheidung. Vergleiche das historische Kapitel (Kapitel 8).Google Scholar
  2. 2.
    So erklären sich Schelling (1799), S. 275, 341, und Hegel (1812), S. 202, bzw. Hegel (1820), S. 68, hinsichtlich der Auffassung dieses fundamentalen Verhältnisses gegen Kant; Schelling schilt den Begriff der Attraktions-und Repulsionskraft, wie er von Kant bestimmt wird, „einen bloß formellen durch die Reflexion erzeugten Begriff“, und Hegel spricht von „einer in der Kantschen Exposition herrschenden Verwirrung”. Weiter sagt Hegel, „daß spätere Naturphilosophen (der Schellingschen Schule) auch das flachste Raisonnement und schlechteste Gebräu einer willkürlichen Einbildungskraft und gedankenlosen Reflexion — eine Konstruktion genannt haben“. Wie Herbart sowohl von der Schellingschen als Hegelschen Konstruktion denkt, bedarf keines Beleges. „Kant hat unter andern auch das Verdienst, durch seinen Versuch einer sogenannten Konstruktion der Materie in seinen metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft, den Anfang zu einem Begriff der Materie gemacht und mit diesem Versuche den Begriff einer Naturphilosophie wieder erweckt zu haben. Er hat aber dabei die Reflexionsbestimmungen von Attraktivkraft und Repulsivkraft als gegeneinander feste angenommen, und, indem aus ihnen die Materie hervorgehen sollte, diese wieder als ein Fertiges vorausgesetzt; so daß es schon Materie ist, was attrahiert und repelliert werden soll. Ausführlicher habe ich die in dieser Kantischen Exposition herrschenden Verwirrung in meinem System der Logik dargestellt.”: Hegel (1820), S. 68Google Scholar
  3. 3.
    Manche eingehendere Erörterungen über die beim Beweisgange für die Atomistik in Betracht kommenden Prinzipien den herrschenden philosophischen gegenüber siehe: Fechner (1857), S. 66 ff., 83 ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1995

Authors and Affiliations

  • Gustav Theodor Fechner

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