Advertisement

Eingang

  • Gustav Theodor Fechner
Part of the Kleine Bibliothek für das 21. Jahrhundert book series (BIBLIOTHEK, volume 1)

Zusammenfassung

Die allgemeinsten Grundbegriffe, Prinzipien und Methoden der Mathematik und Naturwissenschaften fallen unstreitig mit in das Gebiet der Philosophie, wenn auch an eine andere Stelle und mit anderem Gewicht dort als hier, indem das Höchste und Letzte für jene nur etwas Untergeordnetes und Abgeleitetes für diese ist. Falls nun die Philosophie eine Ableitung dieser Fundamente der exakten Wissenschaften auf regressivem Wege aus diesen selbst verschmäht, vielmehr es zu ihren Aufgaben rechnet, aus allgemeinem Gesichtspunkte Fundamente von oben dafür zu legen oder die gerade herrschenden zu kontrollieren und zu meistern, werden die exakten Wissenschaften beanspruchen dürfen, daß ihnen diese Fundamente, wenn nicht schon in fruchtbarer Anwendung, aber mit der Möglichkeit dazu von der Philosophie übergeben, mindestens gelassen werden und die Methoden der letzteren, das Wahre zu finden, nicht in Widerspruch treten noch zusammenhanglos bleiben mit denen, welche ihnen gestatten, das Wirkliche zu finden. Jede Erweiterung oder Verbesserung oder Erleichterung oder Vertiefung oder auch nur höhere Anknüpfung oder Begründung von Methoden aber, die diesen Sinn haben, wird mit Dank von ihnen anzunehmen sein. Umgekehrt darf die Philosophie fordern, daß die Methoden und Schlüsse der exakten Wissenschaft nicht höheren ideellen und praktischen Interessen widerstreiten. Über diese allgemeinen Grundsätze dürfte an sich kein ernsthafter Streit bestehen, sondern nur über ihre Anwendung.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen Teil 1

  1. 1.
    Eine Abhandlung von Immanuel Hermann Fichte gegen die Atomistik (Fichte (1854), S. 24), die ich erst erhielt, nachdem diese ganze Schrift mit Einschluß des Vorworts schon geschrieben war, gibt mir Anlaß, dem obigen noch einige bekräftigende Worte hinzuzufügen. Die oben geforderte Trennung beider Fragen wird auch in dieser Abhandlung vermißt; und was vom Verfasser. gegen die Versuche mancher Physiker, teils die letzte Konstitution der Atome zu ergründen, teils die Tatsache der Atome begrifflich zu fassen, zu beziehen und zu deuten, nicht untriftig gesagt worden ist, erscheint doch sogleich untriftig, wenn es gegen die Atomistik überhaupt gelten soll. Nach Maßgabe als der Physiker über die Grenzen der ersten Fragestellung hinaus in das Gebiet der Philosophie hinübergreift, und die Aufforderung dazu bestreite ich nicht, da ich ihr selbst nachgebe, fällt er auch fast notwendig dem Schicksal anheim, das alle philosophischen Versuche, das Letzte zu ergründen und Grundbegriffe aufeinander zu beziehen, bisher gehabt haben, d. i., ins Schwankende, Streitige zu geraten, wobei das meiste in der Regel Wortstreit ist. Aber eben deshalb muß man das, worüber alle Atomistiker einig und aus physikalischem Gesichtspunkte klar sind, von dem trennen, worüber sie uneins und philosophisch unklar sind. Indem Fichte eins mit dem anderen verwirft, schüttet er das Kind mit dem Bade aus, das allein wegzuschütten war. Hierzu bringen wir selbst einen Topf herbei; das Kind aber wollen wir retten. Die physikalische Atomistik, wie sie von mir im 13. Kapitel des ersten Teils dargelegt ist, kann überhaupt weder philosophisch (aus Begriffen heraus) begründet noch widerlegt werden; sie kann aber selbst unter den Grundlagen einer Philosophie zählen, welche ihre Begriffe auf Sachverhältnisse stützen will. Die philosophische Atomistik, wie sie von mir im zweiten Teile dargelegt ist, steht natürlich auch philosophischen Einwürfen offen. Eine ausführlichere Replik gegen Fichte habe ich geliefert. Fechner (1854c) Fechner (1851), S. 351, 373Google Scholar
  2. 3.
    Dieses Kapitel ist in der jetzigen Auflage durch ein anderes von allgemeinerer Tendenz vertreten. Teil 2, Kapitel 10Google Scholar
  3. 4.
    Fechner (1853), S. 70–102 Vorwort zur zweiten AuflageGoogle Scholar
  4. 1.
    Fechner (1854c), S. 25 Fechner (1857), S. 61, 165 Fechner (1858a), S. 161Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1995

Authors and Affiliations

  • Gustav Theodor Fechner

There are no affiliations available

Personalised recommendations