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Zusammenfassung

Auf besondere Leistungen der Geschwulstzellen dürfte in manchen Fällen die häufig zu beobachtende Kachexie der Träger maligner Geschwülste zurückzuführen sein. Es ergeben sich in dieser Beziehung in den einzelnen Fällen sehr große Verschiedenheiten. So führen z. B. Karzinome im allgemeinen weit schneller zu Kachexie als Sarkome, aber auch bei manchen Karzinomen (z. B. des Uterus, der Mamma usw.) sieht man nicht selten lange Zeit hindurch einen guten Ernährungszustand des Körpers. Anderseits gibt es aber Karzinome, die schon frühzeitig zu einem rasch fortschreitenden, bisweilen exzessiven Kräfteverfall führen. Diese Kachexie hat in den verschiedenen Fällen eine verschiedene Ursache. In erster Linie kommt der Sitz der Geschwulst in Betracht. Es ist klar, daß Geschwülste, die durch ihren Sitz die Nahrungsaufnahme stark behindern oder gar unmöglich machen, wie stenosierende Tumoren des Osophagus, der Cardia, des Pylorus usw. bald zur Inanition und damit zur Kachexie führen werden. Das Gleiche gilt von Geschwülsten, durch welche Organe zerstört werden, deren Verlust zu schwerer Adynamie führt. Ebenso ist es klar, daß ausgedehnt zerfallende und verjauchende Geschwülste in gleicher Weise, wie auch sonst lang dauernde, schwere Eiterungen, zu einem starken Kräfteverf all führen müssen. Es gibt aber Fälle, in welchen die genannten Verhältnisse nicht bestehen und trotzdem schwere Kachexie auftritt. So sieht man nicht selten kleine, wenig oder gar nicht exulzerierte Karzinome, die, trotzdem sie weder ihrer Größe noch ihrem Sitz nach schwere Störungen hervorzurufen vermögen, doch mit beträchtlicher Kachexie einhergehen. In solchen Fällen muß wohl an eine schädliche Wirkung besonderer Stoffwechselprodukte, an „Tumorgifte“, gedacht werden, wenngleich solche bisher nicht nachgewiesen wurden.

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1926

Authors and Affiliations

  • Carl Sternberg

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