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Erklärung der Geschwulstentwicklung

  • Carl Sternberg

Zusammenfassung

Verfolgen wir den Ablauf der Gewebsveränderungen, welche durch die Teerpinselung beim Tier erzeugt werden, so finden wir zunächst geringfügige, oberflächliche Epithelläsionen (allenfalls auch durch das Kratzen und Scheuern der Tiere bedingte oberflächliche Exkoriationen), sodann häufig eine leichte Rötung und Schwellung des behandelten Hautbezirkes, Haarausfall, gleichzeitig aber andauernde Epithelregeneration. Nach einiger Zeit sieht man Hyperkeratosen sowie auch Atrophie der Haut, später entwickeln sich Papillome und Hauthörner und schließlich — nach mehreren Monaten — entstehen echte Karzinome. Diese Vorgänge spielen sich nach den nunmehr bereits in großer Zahl vorliegenden Erfahrungen stets in ganz konstanter, fast gesetziiläßiger Weise ab. Wir sehen also, daß durch den Teer andauernd geringfügige Gewebsläsionen erzeugt werden, welche der Organismus zu heilen bestrebt ist. Während nun die Regeneration zunächst lange Zeit hindurch in gewöhnlicher, regelmäßiger Weise verläuft, kommt es nach einiger Zeit zu beträchtlichen Überschußbildungen und allmählich (jedoch nicht immer) zu einem autonomen Wachstum, zu Blastomen. Da liegt wohl der Schluß nahe, daß durch die immer von neuem angeregte Regeneration die Wucherungsfähigkeit eines umschriebenen Zellbezirkes (vielleicht auch mehrerer solcher?) immer höher getrieben wird, bis sie einen weit über das physiologische Maß hinausgehenden Grad erreicht. Infolge der überstürzten Regeneration verharren die neugebildeten Zellen in einem niederen Reifungsgrad, gelangen nur zu einer mangelhaften, unter Umständen ganz fehlenden Differenzierung und weisen daher mannigfache Abweichungen gegenüber dem Muttergewebe auf. Die Entstehung von Blastomen nach andauernd wiederholter Teerpinselung, beziehungsweise nach Infektionen mit Spiropteren oder Zystizerken, nach Röntgenbestrahlung usw., läßt sich also unseres Erachtens ungezwungen durch die Annahme einer durch immer wiederholte, geringfügige Gewebsläsionen stets von neuem angeregten und dadurch exzessiv gesteigerten Zellregeneration erklären, durch welche schließlich unreife, in ihrem biologischen Verhalten abweichende Zellen mit abnorm starker Wachstums- und Vermehrungsfähigkeit herangezüchtet werden1).

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© Springer-Verlag Wien 1926

Authors and Affiliations

  • Carl Sternberg

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