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Ätiologie der Geschwülste

  • Carl Sternberg

Zusammenfassung

Im Vordergrunde des Geschwulstproblems stand seit jeher und steht auch heute noch die Frage nach der Ursache und nach der Entstehung der Tumoren. Wenngleich diese Frage derzeit noch keine vollkommen befriedigende Lösung gefunden hat, so ist es anderseits doch unzweifelhaft, daß unsere Erkenntnis auch auf diesem Gebiet wesentliche Fortschritte gemacht hat. Mit Recht konnte Hansemann bereits vor mehreren Jahren sagen: „Man hat sich so sehr daran gewöhnt, immer zu wiederholen, ‚über die Entstehung der Geschwülste und speziell der Karzinome wissen wir nichts,’ daß dieser Nihilismus fast zum Dogma geworden ist und es an der Mehrzahl der Ärzte spurlos vorübergegangen ist, daß wir doch allmählich ziemlich viel über die Entstehung der Geschwülste wissen.“

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Literatur

  1. 1).
    So berichtet z. B. Bommer über eine Patientin, welche von einem Kalb gegen die linke Brust gestoßen worden war. Vier Wochen später trat in der linken Brust an der Stelle, an welcher der Stoß eingewirkt hatte, ein Knoten auf, der nach weiteren acht Wochen an Größe deutlich zunahm. Ganz analoge Beobachtungen liegen in größerer Zahl vor. Richer gehören z. B. auch die von Neuburger mitgeteilten Fälle, in welchen in der Umgebung einer Hirnwunde nach einer Kriegsverletzung oder in einer durch Gegenstoß geschädigten Hirnpartie Gliome entstanden waren.Google Scholar
  2. 1).
    Einen eigenartigen Erklärungsversuch für die formale Genese einer Anzahl von Geschwülsten gibt in neuerer Zeit Mathias. Er vertritt die Anschauung, daß vielfach die Annahme versprengter Gewebskeime nicht zutreffe, daß man vielmehr in manchen Fällen phylogenetische Rückschläge als Grundlage von Geschwülsten annehmen müsse, indem „gelegentlich von einem Organ in seinem phylogenetischen Ausbreitungsgebiet ein Rest atavistisch auftritt, und zwar an Stellen, wo in der normalen fötalen Entwicklung dieses Organ nicht vorhanden ist“. Er schlägt für die sporadisch atavistisch auftretenden Gewebsreste im alten Ausbreitungsgebiet des Organes die Bezeichnung Progonome, für die sich hieraus ableitenden Geschwülste den Namen Progonoblastome vor und rechnet hieher die Chordome, Hypophysengangtumoren, die Speicheldrüsentumoren, die Cylindrome der Orbita, Neubildungen, die vom Ductus omphalomesentericus, Urachus usw. ausgehen. (Vgl. hiezu auch Rohkamm.) Der Begriff des Choristoms deckt sich nach Mathia s teilweise mit jenem des Progonoms. Das Choristom stellt einen aus dem Zusammenhang gerissenen, organoiden Gewebskomplex dar, welcher in blastotnatöse Wucherung geraten kann (Choristoblastom). Das Progonoblastom ist ein organoider, in geschwulstmäßiges Wachstum geratener Gewebsteil, der aber nicht durch fötale Abreißung und Versprengung, sondern gesetzmäßig durch Rückschlag im phylogenetischen Ausbreitungsbezirk eines Organes an einer bestimmten Körperstelle auftreten kann. Das Choristoblastom ist also bedingt durch Abschnürung im fötalen Leben und durch mangelnde Rückbildung des Restes, während das Progonoblastom autochthon durch phylogenetischen Rückschlag entsteht.Google Scholar
  3. 1).
    Diese Auffassung erinnert in mancher Beziehung an die früher angeführte Meinung R h o d a Erdmanns, der zufolge die Krebszelle bei künstlicher Kultur das krebserregende Agens verliere.Google Scholar
  4. 1).
    Über die Beziehungen von Nematoden, Cestoden, Milben usw. zu echten Geschwülsten vgl. später.Google Scholar
  5. 1).
    Pentimalli anerkennt (in einer aus dem Aschoffschen Institut hervorgegangenen Arbeit), daß die Hypothese Boveris für manche Tatsachen der Geschwulstlehre zutreffe, hält es aber für zweifelhaft, ob eine größere Anzahl von Chromosomen ein Geschwulstwachstum begünstige. Er verweist diesbezüglich auf das Verhalten einer Crustacee aus der Art Artemisia, die in den Kernen der Körperzellen 168 Chromosomen, in den Kernen der reifen Geschlechtszellen 84 Chromosomen hat, während Geschwülste bisher bei dieser Crustacee nicht beobachtet wurden.Google Scholar
  6. 1).
    Analoge Vorstellungen entwickelte Lauterborn, indem er an das Verhalten beim Perrückenbock anknüpfte. Hier kommt es bei Wegfall der Keimdrüsen zu einer hemmungslosen Wucherung der Geweihanlage. Man könnte daher annehmen, daß senile Involution des Sexualapparates zu einer gesteigerten Disposition für Karzinom und Sarkom führt, beziehungsweise daß Ausfall eines wachstumhemmenden Hormons gestörte Regulationsfähigkeit des Zellwachstums zur Folge hat.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1926

Authors and Affiliations

  • Carl Sternberg

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