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Rechtsschutz durch den OGH

  • Lamiss Khakzadeh-Leiler
Part of the Forschungen aus Staat und Recht book series (STAAT, volume 161)

Zusammenfassung

Der Oberste Gerichtshof ist das älteste der drei österreichischen Höchstgerichte. Dass sich der Gedanke einer Höchstgerichtsbarkeit zunächst im Zivil- und Strafrecht durchsetzen konnte, ist wenig verwunderlich. Gerade in diesen Rechtsbereichen hat sich bereits früh die Überzeugung durchgesetzt, dass die Pflichten der Bürger und das Vorgehen der Behörden genau zu regeln sind.2 Das Verhältnis zwischen Bürger und Monarchen hielt man hingegen — ganz iS der absolutistischen Machtauffassung — für einer Reglung nicht zugänglich.3 Freilich waren auch die „Gerichte“, die zur Vollziehung der zivil- und strafrechtlichen Angelegenheiten eingerichtet worden waren, zunächst nicht unabhängig, sondern unterlagen den Machtbefugnissen des Monarchen. Erst im Rahmen der Aufklärung begann sich der Gedanke einer unabhängigen Justiz durchzusetzen, der von Montesquieus Idee der Gewaltentrennung4 maßgeblich beeinflusst wurde.5

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Literatur

  1. 2.
    Ausdruck dessen sind auch die zivil-und strafrechtlichen Kodifikationen: ABGB (1811), allgemeine Gerichtsordnung (1781), Strafgesetzbuch (1803).Google Scholar
  2. 3.
    Vgl dazu etwa Walter, RZ 1999, 58.Google Scholar
  3. 4.
    Montesquieu, L’Esprit, Livre XI, Chapitre VI: „II n’y a point encore de liberté si la puissance de juger n’est pas séparée de la puissance législative et de l’exécutrice.“Google Scholar
  4. 5.
    Olechowski, RZ 2000, 132 (133); Walter, RZ 1999, 58 f.Google Scholar
  5. 6.
    Vgl dazu auch Leonhard, FS-OGH 163 f.Google Scholar
  6. 7.
    Schauer, Justizministerium, in: Mischler/ Ulbrich (Hrsg), Staatswörterbuch2 640. Vgl auch Dinghofer, Gerichtshof 5.Google Scholar
  7. 8.
    Dazu etwa Baltl/ Kocher, Rechtsgeschichte11 167; Dinghofer, Gerichtshof 5.Google Scholar
  8. 9.
    Leonhard, FS-OGH 163 (164 f); Maasburg, Geschichte 51 f.Google Scholar
  9. 10.
    Die Bezeichnung Cassationshof rührt daher, dass mit der StPO 1850 das französische System der Kassation übernommen wurde: St Korinek, in: Korinek/ Holoubek (Hrsg), Bundesverfassungsrecht, An 92 B-VG, Rz 2 (mwN); Leonhard, FS-OGH 163 (167).Google Scholar
  10. 11.
    Justiz-Ministerial-Erlass vom 21. August 1848, JGS 1848, Nr 1176, 652. Vgl § 3 leg cit: „Die oberste Justizstelle hat von nun an nur mehr als Gerichtsbehörde ihr Amt zu handeln, sie erhält daher die Benennung ‚Oberster Gerichtshof‘, sowie ihre Räthe und Secretäre in ihren ämtlichen Functionen den Titel: ‚Räthe und Secretäre des obersten Gerichtshofes ‘zu führen haben. — Auch in den an den obersten Gerichtshof gelangenden Eingaben hat die bisherige Aufschrift ‚Eure Majestät ‘in jene ‚oberster Gerichtshof ‘überzugehen.“Google Scholar
  11. 12.
    RGBl 1849/150.Google Scholar
  12. 13.
    RGB1 1849/278, Kaiserliche Entschließung vom 14. Juni 1849, womit die Grundzüge der neuen Gerichtsverfassung genehmigt werden.Google Scholar
  13. 14.
    So der damalige Justizminister Schmerling: „Der große Gedanke, die Staatseinheit aller Länder und Stämme der Monarchie herzustellen, muß, wenn er in das Leben des Volkes übergehen soll, auch in Bezug auf die Rechtspflege seinen entsprechenden Ausdruck in der Schaffung eines Obersten Gerichtshofes für alle Kronländer des Reiches erhalten. Das in der Reichsverfassung vom 4. März 1849 angedeutete hohe Ziel der Rechtseinheit zwischen allen Teilen des Kaiserstaates kann nur dann erreicht werden, wenn im Zentrum des Staates am Sitze aller hohen Staatsgewalten auch ein oberster Gerichtshof zur Wahrung und Heranbildung eines einheitlichen Rechtes für alle Kronländer besteht.“ (Zitiert bei Dinghofer, Gerichtshof 9.)Google Scholar
  14. 15.
    RGBl 1850/258.Google Scholar
  15. 17.
    RGBl 1850/325.Google Scholar
  16. 18.
    Die königlich ungarische Septemviraltafel war zuvor bereits aufgehoben worden. Steininger, RZ 1998, 262 f.Google Scholar
  17. 25.
    RGB1 1853/81. Dazu auch Leonhard, FS-OGH 175; Steininger, RZ 1998, 262 (263).Google Scholar
  18. 26.
    RGBl 1867/144, Art 12: „Für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder besteht der oberste Gerichts-und Cassationshof in Wien.“Google Scholar
  19. 28.
    Grundgesetz vom 22. November 1918 über die richterliche Gewalt, StGBl 1918/ 38; vgl §15.Google Scholar
  20. 29.
    StGBl 1919/41.Google Scholar
  21. 32.
    BGBl 1920/1.Google Scholar
  22. 33.
    BGBl 1929/392.Google Scholar
  23. 35.
    Verordnung vom 28. Februar 1939, DRGBl I S 358.Google Scholar
  24. 36.
    Felzmann/ Danzi/ Hopf, Oberster Gerichtshof 21.Google Scholar
  25. 37.
    Gesetz über die Wiederherstellung der österreichischen Gerichtsorganisation (GOG), StGBl 1945/47.Google Scholar
  26. 38.
    Vgl § 3 GOG.Google Scholar
  27. 39.
    BGBl 1968/328.Google Scholar
  28. 40.
    Felzmann/ Danzl/ Hopf, Oberster Gerichtshof 40. Bedenklich war etwa das Sistierungsrecht des Präsidenten des OGH oder die Bindung der Senate an die in das Judikatenbuch eingetragenen Entscheidungen.Google Scholar
  29. 41.
    Zweifel darüber, ob diese Bestimmung tatsächlich „nur“ eine Bestandsgarantie normiert, entstanden ua deswegen, weil im Gegensatz zu den Bestimmungen der Monarchie, wonach der OGH zu „bestehen“ hat, in der Verfassungsbestimmung der Republik nunmehr der OGH oberste Instanz „ist“. Es war aber offenbar nie beabsichtigt, die Rechtslage zu ändern. Es handelt sich also nur um eine sprachliche Anpassung, die keine sachlichen Auswirkungen hat. Vgl zu dieser Frage ausführlicher Walter, Verfassung 171 f. AA Hellbling, JBl 1956, 301, 332 (333).Google Scholar
  30. 42.
    MwN St Korinek, in: Korinek/ Holoubek (Hrsg), Bundesverfassungsrecht, Art 92 B-VG, Rz 14. Walter, Gerichtsbarkeit, in: Schambeck (Hrsg), Bundes-Verfassungsgesetz 443 (459).Google Scholar
  31. 43.
    MwN St Korinek, in: Korinek/ Holoubek (Hrsg), Bundesverfassungsrecht, Art 92 B-VG, Rz 16.Google Scholar
  32. 44.
    Felzmann, JRP 2001, 2; Mayer, B-VG4 Art 92 B-VG I; Öhlinger, Verfassungsrecht8 Rz 619; Walter, Gerichtsbarkeit, in: Schambeck (Hrsg), Bundes-Verfassungsgesetz 443 (460); Walter/Mayer/Kucsko-Stadlmayer, Grundriss10 Rz 766. Vgl auch und mwN OGH 23.4.1996, 1 Ob 502/96.Google Scholar
  33. 45.
    VfSlg 14 709/1996. Eine solche begründete Ausnahme, die diese Frage auch erstmalig aufgeworfen hatte, ist § 54 Abs 2 und 4 ASGG. Normiert wird ein kontradiktorisch ausgestaltetes Feststellungsverfahren für bestimmte arbeitsrechtliche Streitigkeiten, für das der OGH in erster und letzter Instanz zuständig ist. Die damit verfolgten Ziele — Verfahrenskonzentration und-beschleunigung, verstärkte Rechtssicherheit, Sicherung des Arbeitsfriedens ua vermochten den VfGH von der spezifischen Rechtfertigung dieser Bestimmungen zu überzeugen. Vgl dazu auch Felzmann, JRP 2001, 1 (2); Rill, RdW 1995, 345.Google Scholar
  34. 46.
    Bundesgesetz über den Obersten Gerichtshof, BGBl 1968/328 idF BGBl I 2001/ 95. OGHG ist keine gesetzliche aber eine gebräuchliche Abkürzung. So mwN Felzmann/Danzl/Hopf, Oberster Gerichtshof 53.Google Scholar
  35. 53.
    Vgl §§ 111 Z 5 und 90 Z 2 RDG.Google Scholar
  36. 60.
    RV 470 BlgNR 11. GP 8.Google Scholar
  37. 62.
    Die Zusammensetzung der Begutachtungssenate wurde mit BGBl I 2001/95 neu geregelt. Bis dahin bestanden die Senate aus 15 Mitgliedern, womit sich die Senate aber fur die Praxis als zu groß, weil zu unbeweglich erwiesen. Vgl auch Felzmann/Danzl/ Hopf, Oberster Gerichtshof 79.Google Scholar
  38. 64.
    Felzmann/ Danzl/ Hopf, Oberster Gerichtshof 55; St Korinek, in: Korinek/Holoubek (Hrsg), Bundesverfassungsrecht, Art 92 B-V, Rz 16 ff. Vgl zur Diskussion bei den Gerichtshöfen des öffentlichen Rechts etwa Heller, ÖJZ 1987, 577; Jabloner, ÖJZ 1994, 329 (333); Ders, ÖJZ 1998,161 (162); Loebenstein, ÖJZ 1986,161, 199 (203 ff).Google Scholar
  39. 65.
    MwN St Korinek, in: Korinek/ Holoubek (Hrsg), Bundesverfassungsrecht, Art 92 B-VG, Rz 5. Allgemein zur Funktion der Höchstgerichtsbarkeit Khakzadeh-Leiler, JRP 2007, 298 (299).Google Scholar
  40. 66.
    Wie Jabloner, ÖJZ 1994, 329 (333) pointiert formuliert, kann der VwGH „nicht zugleich juristische Basis-und Spitzenversorgung leisten“.Google Scholar
  41. 67.
    Allgemein dazu Heller, ÖJZ 1987, 577 (578). Allgemein zur Problematik, Khakzadeh-Leiler, JRP 2007, 298 (299).Google Scholar
  42. 68.
    Näher dazu Rechberger/ Simotta, Zivilprozessrecht8 Rz 1037 ff.Google Scholar
  43. 73.
    S dazu FN 45.Google Scholar
  44. 76.
    Rill, RdW 1995, 345 (346). Näher dazu im dritten Teil, zweiter Abschnitt B.II.2. b.aa.(f).Google Scholar
  45. 77.
    Fabrizy, StPO10 § 23 Rz 1.Google Scholar
  46. 78.
    AB 852 BlgNR 18. GP 2.Google Scholar
  47. 79.
    Bei der Beurteilung der Präjudizialität, also der Frage, ob die Norm im Verfahren anzuwenden ist, ist der VfGH großzügig. Er verneint dies, wenn sie „ganz offenbar“ fehlt oder wenn ihre Anwendung „denkunmöglich“ ist. Vgl für viele VfSlg 9906/1983 und mwN 10 066/1984. S auch Hiesel, ÖJZ 1997, 841 (845); Mayer, B-VG4 Art 89 B-VG II.2.a.Google Scholar
  48. 81.
    Hiesel, ÖJZ 1997, 841 (842).Google Scholar
  49. 82.
    Mayer, B-VG4 Art 89 B-VG III.2.Google Scholar
  50. 84.
    Gesetz vom 22. October 1875, betreffend die Errichtung eines Verwaltungsgerichtshofes, RGBl 1867/36.Google Scholar
  51. 85.
    StGG vom 21. December 1867, über die Einsetzung eines Reichsgerichtes, RGB1 1867/143.Google Scholar
  52. 87.
    Ausführlich zur historischen Entwicklung etwa Walter, RZ 1999, 58.Google Scholar
  53. 91.
    Vgl auch Walter, RZ 1999, 58 (60).Google Scholar
  54. 92.
    Vgl dazu auch Bydlinski, RZ 1965, 4 (5): „Jeder Rechtsschutz gegenüber Grundrechtsverletzungen kann nur darauf hinausgehen, daß eine Instanz angerufen werden kann, die zumindest von direkten Einflüssen der Machtträger im Staate auf die Entscheidung des Einzelfalles unabhängig ist. Mehr läßt sich nicht erreichen. Diese Unabhängigkeit aber besitzt jedes Gericht; in dieser Beziehung ist es ebenso sehr Garant des Rechtes wie ein Verfassungsgericht.“ Auch Argumente der Spezialisierung lässt Bydlinski zu Recht nicht gelten: Grundrechtsfragen sind „meist untrennbar in solche des Zivilrechts und Prozeßrechts eingebettet, so daß sich das Argument der fachlichen Nähe selbst aufheben wird.“Google Scholar
  55. 93.
    Dieses komplexe Gefüge verdeutlicht im Übrigen auch die Diskussion, die es bei der Einführung der Grundrechtsbeschwerde gab. Strittig war nämlich, ob der VfGH oder der OGH zuständig zu machen sei. Während die eine Seite für eine Zuständigkeit des VfGH plädierte, weil es sich in der Sache um grund-und damit verfassungsrechtliche Entscheidungen handle, befürwortete die andere Seite eine Zuständigkeit des OGH. Nur sie sei systemkonform, weil es sich dabei eben um einen strafrechtlichen und damit dem OGH zugewiesenen Beschwerdegegenstand handle. Zur Diskussion Adamovich, ÖJZ 1993, 272; Ermacora, ÖJZ 1993, 73; Graff, ÖJZ 1993, 273. S auch St KOrinek, in: Korinek/Holoubek (Hrsg), Bundesverfassungsrecht, Art 92 B-VG, Rz 27 f. Näher dazu im vierten Teil, zweiter Abschnitt F.I.Google Scholar
  56. 94.
    Wie Walter, RZ 1999, 58 (62) darlegt, gab es in der historischen Entwicklung keine Notwendigkeit, gerichtliche Akte auf Grundrechtsverletzungen zu prüfen: Gerichtliche Akte wurde nicht als Bedrohung der verfassungsrechtlichen Position des Einzelnen gesehen, da hier im Gegensatz zur Verwaltung nicht zentrale politische Organe entscheiden.Google Scholar
  57. 95.
    Dazu etwa Ballon, ÖJZ 1983, 225.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag/Wien 2011

Authors and Affiliations

  • Lamiss Khakzadeh-Leiler
    • 1
  1. 1.Institut für Öffentliches RechtStaats- und Verwaltungslehre Universität InnsbruckInnsbruckAustria

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