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Einleitung: Die Ästhetik des Widerstands — ein literarisches Modell in der Krise des Marxismus

  • Jost Müller
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Zusammenfassung

Anfang der siebziger Jahre entwirft der marxistische Schriftsteller Peter Weiss ein literarisches Modell, in dem ästhetische und politische Reflexionen sich aufeinander beziehen, sich miteinander verbinden und ineinander übergehen sollen. Das literarische Unternehmen nimmt schließlich nahezu zehn Jahre in Anspruch, und das Ergebnis dieser langjährigen Arbeit legt er in der Romantrilogie Die Ästhetik des Widerstands vor, deren einzelne Bände 1975, 1978 und 1981 erscheinen. Der Roman präsentiert eine politische Ästhetik, welche die beiden grundlegenden Projekte des 20. Jahrhunderts, das der künstlerischen Avantgarde und das des Marxismus, die Rückführung der Kunst in Lebenspraxis und die Beseitigung der Klassengesellschaft, überwölbt. Im Medium der Kunst greift die Darstellung des Widerstandes allerdings weit über die politische Geschichte und die Formen der sozialistischen Politik im 20. Jahrhundert hinaus. Sie etabliert eine universalgeschichtliche Perspektive, um in der bildenden Kunst, Architektur und Literatur aus unterschiedlichen historischen Epochen — von der asiatischen und antiken Mythologie bis zur avantgardistischen Moderne — die Spuren von Leiden und Widerstehen zu entziffern. Dieses uferlose Unterfangen gleicht dem Versuch, die Geschichte der Menschheit nach ästhetischen Kriterien umzuschreiben. Seine politische Dimension bleibt auf den engeren Rahmen des Marxismus bezogen.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

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  • Jost Müller

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