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Zusammenfassung

Wir haben seit 1930 verschiedene Teilfragen des zwangsläufig geregelten Arbeitsablaufes untersucht. Der Prototyp eines geregelten Arbeitsablaufes ist die arbeitstaktgebundene Fließarbeit. Das Grundproblem dabei läßt sich auf die Formel bringen: Mensch und Maschine sind bei dieser Arbeitsweise umso mehr zwangsläufig miteinander gekoppelt, je strenger die durch den Arbeitstakt vorgeschriebene Zeitbindung ist, im Grenzfall bei der Zeitbindung für jedes einzelne Arbeitsstück. Diese Bedingungen stellen bestimmte, gradweise verschiedene Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit des arbeitenden Menschen, die unter Umständen unphysiologischer Natur sind. Dieser Fall ist insofern sogar zu erwarten, als die physiologische Leistungsbereitschaft des Menschen im Laufe eines Arbeitstages keineswegs gleich ist, sondern gewissen mit unabänderlichen biologischen Rhythmen zusammenhängenden typischen Schwankungen unterliegt. Das Band dagegen kennt nicht nur keine solchen Schwankungen, sondern ist aus seinen technischen Gegebenheiten geradezu auf gleichmäßige Geschwindigkeiten eingestellt, es arbeitet unter dieser Bedingung optimal. So treffen hier menschliche und maschinelle Eigengesetzlichkeiten aufeinander und erzwingen eine Lösung nach der einen oder anderen Seite: Entweder paßt sich der Mensch dem Gesetz der Maschine an, was er dank seiner außerordentlich großen Anpassungsfähigkeit innerhalb weiter Grenzen kann, oder die Maschine wird so konstruiert oder gesteuert, daß sie sich den optimalen Bedingungen menschlicher Arbeitsleistung anpaßt. Die Anpassungsfähigkeit des Menschen allzu sehr zu beanspruchen, bedeutet aber, abgesehen von der gesundheitlichen Bedrohung, in den meisten Fällen eine Verminderung des Wirkungsgrades seiner Arbeit, da er ständig einen Teil seines Energieaufwandes zur Kompensation der ihm nicht gemäßen Arbeitsbedingungen verbrauchen muß, der damit der eigentlich produktiven Arbeit verloren geht. Diese Erkenntnisse wurden seinerzeit in Laboratoriumsversuchen an einer Experimentier-Fließbandanlage gewonnen und erhärtet, weiterhin auch in der Praxis bestätigt. Sie führten zu inzwischen auch technisch verwirklichten Lösungsvorschlägen in Form von automatisch steuerbaren Antriebsaggregaten fir Fließbandanlagen, wobei man sich bei der Konstruktion auch auf die Vertiefung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über Wesen und Umfang der Schwankungen in der menschlichen Leistungsbereitschaft stützen konnte. Es ist einleuchtend, daß man Untersuchungen dieser Art nicht von vornherein in der Betriebspraxis durchführen kann, sondern daß dazu zweckmäßig eine praxisnahe, aber doch in weitem Umfang veränderliche Versuchsanlage als Übergangsstadium zwischengeschaltet wird.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1954

Authors and Affiliations

  • O. Graf
    • 1
  1. 1.Max-Planck-Institut für ArbeitsphysiologieDortmundDeutschland

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