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Zusammenfassung

Neben Rundfunk und Film ist die Presse heute eine Institution mit fast unbegrenzten Wirkungsmöglichkeiten, denen sich ein ebenso unbegrenzter Wirkungsraum darbietet. Auch der legte Bereich menschlichen Lebens hat sich den Aussagen der Presse „erschlossen“; kulturelles und geistiges Leben ist wie das wirtschaftliche und politische kaum noch ohne ihre Mitwirkung denkbar. Der Grad ihrer Verknüpftheit mit dem Zeitgeschehen, die Vielfalt ihrer Stellungnahmen findet eindrucksvollen Niederschlag und Ausdruck in der (freilich nicht in Zahlen erfaßbaren) Fülle von Beziehungen und Beziehungsbündeln geistiger Art, die in ihrer Gesamtheit einen großen Teil des „geistigen Daseins“ der Gegenwart ausmachen.

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Referenzen

  1. 1.
    Lorbeer, J., Grenzlinien der Rede- und Preßfreiheit. Erlangen 1851, S. 3. Die „Aktionsgruppe Heidelberg“ gab vor einiger Zeit „Leitsätze für ein Pressegesetz“ heraus, denen hier einige entnommen und angeführt seien: I. 2. Eine Zensur des Inhaltes einer Druckschrift, einerlei in welcher Form und durch welche Stelle, ist verboten. II. 1. Jedermann ist berechtigt, an der Verfassung und an dem verfassungsmäßigen Zustande Kritik zu üben. Auf das Recht der freien Meinungsäußerung in der Presse kann sich jedoch nicht berufen, wer fortlaufend anstrebt, die Grundprinzipien der Demokratie in bezug auf die freiheitliche Gestaltung des öffentlichen Lebens außer Kraft zu setzen. II. 2. Bei Verletzung schutzwürdiger Interessen von Privatpersonen finden die allgemeinen Strafgesetze Anwendung. II. 3. Die verantwortlichen Personen einer periodischen Druckschrift sind zu wahrhafter Darstellung verpflichtet. Sie müssen zu Tatsachen, die in der Druckschrift veröffentlicht wurden, auf Verlangen einer unmittelbar betroffenen Person oder Stelle deren auf Tatsachen beschränkte Entgegnung, Berichtigung oder Ergänzung unverzüglich und unverändert aufnehmen. (Die Nummern sind die des Originals.)Google Scholar
  2. 2.
    Ergänzend sei auch noch erwähnt, daß sich Maßnahmen des Staates eine Sicherung der Unab hängigkeit der Presse angelegen sein lassen können, wie beispielsweise der Schutz vor wirtschaft licher Korruption und ähnliches.Google Scholar
  3. 3.
    Es sei hier an Ibsens Schauspiel „Der Volksfeind“ erinnert, in dem der Kampf zwischen den geistigen und wirtschaftlichen Grundlagen der Presse eine glänzende Darstellung findet.Google Scholar
  4. 4.
    Es hieße oft Gesagtes wiederholen, wollten wir hier auf die Praktiken des Kampfes der Massenpresse um den Leser zu sprechen kommen. Wie sehr auch bei uns die oft recht zweifel haften Methoden solcher „Werbefeldzüge“ in Übung gekommen sind, geht aus den Stellung nahmen verschiedener Stellen in der letzten Zeit deutlich hervor.Google Scholar
  5. 5.
    Hier, mehr als anderswo, zeigt sich im Pressewesen manch krasse Verschiedenheit von Land zu Land. Ein Beispiel: Für die Massenpresse charakteristisch ist das Pressewesen der Vereinigten Staaten. Sie sind das Land der Zeitungen und Zeitschriften mit Riesenauflagen, die durch eine weitgehende Uniformität des Publikumsgeschmackes ermöglicht werden. Dadurch bietet sich aber auch der Presse die Gelegenheit, durch geschickt angebrachte Meinungsweckung und füh-rung eine gewisse Suggestivkraft auszuüben.Google Scholar
  6. 6.
    Die verallgemeinernde Art, in der hier argumentiert wird, darf und soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Lage in einer Reihe von Staaten eine andere ist; auch haben sich viele eindringliche Stimmen erhoben, die, getragen von dem Bestreben, eine endgültige Lösung des Problems zu erreichen, auf die „Krisis der Presse“ hinweisen, die durch den gegenwärtigen Zustand zu einer dauernden zu werden droht.Google Scholar
  7. 7.
    Wir Westeuropäer sind allzu leicht geneigt, das Pressewesen mancher anderer Staaten durch eine allzu großzügige und optimistische Brille zu sehen. Vor allem erscheint uns die Presse der Vereinigten Staaten als freie Presse kat’ exochen. Mit ungläubiger Bewunderung lesen wir ihre Berichte und Artikel, die uns von unfaßbarer „Offenheit“ erscheinen. Zwar hören wir manchmal von der gewaltigen Macht der Pressekonzerne und trusts; ist es uns aber hinreichend bekannt, daß gerade die amerikanische Presse so stark von den wirtschaftlichen Gegebenheiten und den Wünschen des lesenden Publikums abhängig ist, daß von ihrer Freiheit zu sprechen zum mindesten gewagt ist? Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß das Maß der Meinungs führung, wie sie durch diese Presse ausgeübt wird, größer ist als das unsrige. Daß die ameri kanische Presse — um ein Beispiel nur zu bringen — das Privatleben bekannter Persönlich keiten bis zur Takt- und Geschmacklosigkeit in die Öffentlichkeit zerrt, ist nicht eigene Intention, sondern entspricht lediglich dem Sensationsbedürfnis ihrer Leserschaft.Google Scholar
  8. 8.
    Ein praktisches Beispiel. Es sind „Enthüllungen“ möglich, die dem einzelnen Organ nicht nur gestatten, Druck auf den eigenen Herrn auszuüben, sondern auch zu Mitteln der Annäherung an daran interessierte Kreise werden können.Google Scholar
  9. 9.
    Eine zu großer Bedeutung gelangte „Einbruchsstelle“ in dieses Monopol ist die Werbung, Propaganda und Reklame. Man denke an den Film und Funk, die beide hier einen Teil der Funk tion übernommen haben, der von Jahr zu Jahr größer wird.Google Scholar
  10. 10.
    Innerhalb der Presse hat — so will uns scheinen — eine Verschiebung stattgefunden und zwar dergestalt, daß die Funktion des „Ideenträgers“ (oder schlichter gesagt: das Wirken als geistiges Verbindungsmittel zwischen sozialen Gruppen) sich verlagert hat von der Zeitung auf die Zeitschrift, also ein Periodicum mit mehr als achttägigen Erscheinungsintervallen. Es ist heute sehr üblich von „Kreisen“ um gewisse Zeitschriften zu sprechen, was besagen will, daß hier eine Leserschaft durch ein Periodicum zu einer Vereinigung geistiger Art geformt wird. Gerne verwendet man auch hier den Begriff der „Gemeinde“.Google Scholar
  11. 11.
    Wieder bietet sich ein Vergleich mit den nordamerikanischen Verhältnissen an. In den Vereinigten Staaten verfügen die meisten größeren Blätter über sogenannte „Leserstäbe“, denen jedes bedeutsame Manuskript vor der Veröffentlichung zur Begutachtung vorgelegt wird. Rundfragen von Zeitungen wie auch von eigens zu diesem Zwecke eingerichteten Instituten sind an der Tagesordnung.Google Scholar
  12. 12.
    Man fühlt sich nicht zu Unrecht immer veranlaßt, in Gedanken bei einer solchen Feststellung ein „noch“ hinzuzufügen. Denn daß die Stellung der „Weltmacht“ Presse von allen Seiten ständigen Angriffen ausgesetzt ist, kann nicht übersehen werden.Google Scholar
  13. 13.
    Zur Frage der Presse als Bildungsmittel siehe den Aufsatz Leopold von Wieses „Die Presse“ in dem Sammelwerke „Soziologie des Volksbildungswesens“. (München und Leipzig 1921, S. 428 ff.)Google Scholar
  14. 14.
    Durch die Mitarbeit bekannter Persönlichkeiten versucht die Presse ein Höchstmaß an Autorität und Prestige zu erreichen. So sehen wir, daß heute — nach einem Rückschlag dieser Entwicklung — vor allem die Tageszeitungen wieder mehr und mehr „die Spalten ihrer ersten Seiten Politikern und Gelehrten öffnen“. — Oder eine andere Entwicklung: In den Vereinigten Staaten arbeiten heute sogenannte „columnists“, „Verfertiger von Leitartikeln“, die sich hohen Ansehens erfreuen und oft mehr Widerhall finden als hohe Beamte und Politiker. (Diese Colum nists halten in der Regel große Büros, die personal- und leistungsmäßig mit den Redaktionen der mittleren Zeitungen Deutschlands jeden Vergleich aushalten.)Google Scholar
  15. 15.
    Es bahnt sich auch in Deutschland, so scheint es, langsam die Entwicklung an, daß die Journalisten auf den pluralis majestatis verzichten. Dadurch könnte hier vieles gebessert werden.Google Scholar
  16. 16.
    Hier lassen sich interessante Gegenüberstellungen in der Wirkung von gedrucktem Wort und gesprochenem Wort erreichen. Der geistig weniger Geschulte wird eher der Faszination des gesprochenen Wortes unterliegen als ein Intellektueller. Auf diesen wird das geschriebene Wort stärkeren Einfluß ausüben.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1951

Authors and Affiliations

  • K. G. Specht

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