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Zusammenfassung

Wenn wir die Soziologie als die Lehre vom Zusammensein und Zusammenwirken der Menschen definieren, so wird in dem Wort Zusammen der ganze verwickelte Gegenstand unserer Wissenschaft in knappster Formulierung ausgedrückt. Dabei darf man freilich in das Wort Zusammensein nicht bloß das Zueinander der Menschen einschließen, sondern muß auch das Komplement des Zueinander, also das Auseinander mit umfassen. Aus Zueinander ersteht Verbundenheit und Geselltheit; aus dem Auseinander ergibt sich Isoliertheit und Einsamkeit. Es gibt eine einseitige und deshalb unvollkommene Erfassung des zwischenmenschlichen Bereichs unseres Daseins, die die Verbundenheit als einen positiven Wert, die Isoliertheit als einen negativen Wert, einen Unwert betrachtet. Zur Bezeichnung dieses positiven Ziels der Verbindung unter Menschen benutzt man dann gern auch den in der Regel durchaus günstig eingeschätzten Begriff Gemeinschaft; meint man eine ihr gemäße Gesinnung, so kann man von Gemeinschaftlichkeit sprechen. Die Soziologie erscheint dann als die Lehre von der Herbeiführung der Gemeinschaften. Aber Verbundenheit ist auch Abhängigkeit — ein Wort, das man meist mit einem negativen Vorzeichen versieht. So stehen sich die Vorstellungen von Gemeinschaft und Abhängigkeit polar gegenüber, eben als positiver und negativer Pol desselben Vorgangs.

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Referenzen

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    Inzwischen sind auch die jüngsten Mitarbeiter nicht mehr Studenten.Google Scholar
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    In einem Falle schien es mir notwendig, den Beitrag wieder aus dem Werke herauszunehmen und dem Verfasser eine selbständige Veröffentlichung in der Kölner Zeitschrift für Soziologie vorzuschlagen. Es handelte sich um das Kapitel „Abhängigkeit und Selbständigkeit unter zivilisierten Völkern”, das der Untersuchung über die „Naturvölker” folgen sollte. In einer — für sich betrachtet — recht instruktiven und fesselnden Darlegung war dem Verfasser dieser Beitrag ausgewachsen zu einer Übersicht über die Geschichte seines Volkes, der Letten, schlechtweg,Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1951

Authors and Affiliations

  • Leopold v. Wiese

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