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Die Sichtbarkeit politischer Einstellungen im alltäglichen Verhalten

  • Erwin K. Scheuch
Chapter

Zusammenfassung

In einem politischen System, in dem keine offiziellen Sanktionen dem Ausdruck politischer Präferenzen entgegenstehen, könnte man erwarten, daß die Menschen ihre politischen Einstellungen und Verhaltensweisen nicht verbergen1. Indem wir erklären können, warum die einzelnen dann doch im Alltag mit ihren wirklichen Einstellungen zu politischen Institutionen und Prozessen zurückhalten, gewinnen wir einen Zugang, die Bedeutung der Politik für den „einfachen“ Bürger aus dessen eigener Perspektive zu sehen. Insbesondere wird auf diese Weise die Bedeutung der Politik im Verhältnis zu anderen Bereichen menschlichen Verhaltens deutlich. In der politisch-wissenschaftlichen und (zu einem geringeren Grade) in der soziologischen Literatur ist es üblich, das politische Verhalten der einzelnen Bürger aus der Perspektive derer zu sehen, die Politik zu ihrem Beruf machen. Demgegenüber soll hier aus der Perspektive des Handelnden selber seine Zurückhaltung im Ausdruck politischer Einstellungen als eine Form der „Selbstzensur“ erklärt werden. Diese Selbstzensur soll dann wiederum verstanden werden als nicht-bewußte (im Sinne des Selbstverständnisses) Lebensstrategie im Alltag, deren Funktion (latent sowohl wie manifest) eine Minimalisierung von antizipierten Spannungen ist2.

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Anmerkungen

  1. 1.
    In Lehrbüchern der politischen Wissenschaft wird durchweg eine freie und offene Diskussion als Voraussetzung für das Funktionieren eines demokratischen Systems behandelt. Empirische Untersuchungen des Verhaltens in Gesprächen über Politik fehlen jedoch fast ganz. Eine der wenigen Erhebungen, in denen das Verhalten in politischen Gesprächen berücksichtigt wurde, ist der „International Citizenship Survey“ vgl. Gabriel Almond und Sidney Verba, The Civic Culture, Princeton 1963, Seite 120 und passim.Google Scholar
  2. 2.
    Der hier gewählte Ansatz zum Verständnis politischen Verhaltens wurde stark beeinflußt durch Robert E. Lane, Political Life, Glencoe, Ill., 1959, insbesondere Kapitel 12. Erst im Anschluß an die Wahlstudie wurde uns bekannt: Robert E. Lane, Political Ideology, Glencoe, Ill, 1962. Dieses Buch demonstriert in exemplarischer Weise den hier versuchten Ansatz.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. den Aufsatz von Werner Zohlnhöfer in diesem Band.Google Scholar
  4. 4.
    Diese Umfrage wurde durch das EMNID-Institut durchgeführt.Google Scholar
  5. 5.
    Eine Beschreibung dieses Instruments findet sich bei Erwin K. Scheuch, Sozialprestige und soziale Schichtung, in: David V. Glass und René König, Hrsg., Soziale Schichtung und soziale Mobilität, Köln und Opladen 1961, Sonderheft 5 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, S. 65-103. Die Logik dieses Ansatzes ist besonders deutlich herausgearbeitet in Erwin K. Scheuch und Dietrich Rüschemeyer, Scaling Social Status in Western Germany, in: British Journal of Sociology, Band XI (1960), Seite 151-168.Google Scholar
  6. 6.
    Die Verwandtschaft dieser Konzeption zu George H. Meads generalized other ist offensichtlich. Hier ist jedoch nicht der Ort, die im einzelnen bestehenden Unterschiede herauszuarbeiten.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. Erwin K. Scheuch, An Instrument to Measure Social Stratification in Western Germany, in: Transactions of the Third World Congress of Sociology, London 1957, Band 8, S. 185 und passim.Google Scholar
  8. 8.
    Dieser Teil des Berichts beruht weitgehend auf einer Analyse der abhängigen Variablen C und B.Google Scholar
  9. 9.
    Diese Aussage gilt vor allem für Befragungen vor dem jeweiligen Wahltag. Werden demgegenüber im Anschluß an Wahlen die Befragten aufgefordert, über ihr vergangenes Wahlverhalten zu berichten, so steigt die Zahl derjenigen, die fälschlicherweise behaupten, zur Wahl gegangen zu sein; zugleich sinkt die Zahl derjenigen, die sich zur Wahl einer Oppositionspartei bekennen — vor allem, wenn es sich um eine Oppositionspartei der Linken handelt. Siehe auch den Vergleich der Verweigerungsraten in Deutschland mit denen in anderen europäischen Ländern bei Gabriel Almond und Sidney Verba, a. a. O., Seite 117, Tabelle 7.Google Scholar
  10. 10.
    33 Prozent aller männlichen Befragten und 29 Prozent aller Frauen behaupteten, daß sie ihr Wahlverhalten mit niemandem besprachen. Falls Wahlverhalten überhaupt mitgeteilt wurden, so waren die Ehegatten ungefähr dreieinhalb mal so häufig die Empfänger dieser Mitteilungen als Freunde und Bekannte. Vgl. EMNID-Institute, Der Prozeß der Meinungsbildung, Bielefeld 1962, Seite 72, Tabelle 35. Die dort berichteten Ergebnisse beruhen auf einer Quota-Befragung im Bundesgebiet während des Oktobers 1960.Google Scholar
  11. 11.
    Die spätere Verallgemeinerung dieser Ergebnisse in Behauptung 1 wurde mittels acht anderer sogenannter „Hintergrundfaktoren“ überprüft und bewährte sich in fast allen dieser Prüfungen. Im Text dieses Berichtes kann nur auf einen Bruchteil der insgesamt vorgenommenen Aufgliederungen eingegangen waren. Praktisch alle die in diesem Abschnitt aufgeführten Behauptungen konnten durch Material, das in diesem Bericht nicht angeführt ist, zusätzlich abgesichert werden.Google Scholar
  12. 12.
    Diese Beobachtungen sind vereinbar mit denen bei Gabriel Almond und Sidney Verba, a. a. O., Seite 118, Tabelle 7. Ein direkter Vergleich für alle die in unseren Umfragen unterschiedenen Berufsgruppen ist jedoch nicht möglich, da im International Citizenship Survey eine gröbere Kategorisierung der Berufe benutzt wurde. Insbesondere ist eine Unterteilung der umfangreicheren Berufskategorien nach dem relativen Qualifikationsgrad nur unvollkommen vorgenommen worden.Google Scholar
  13. 13.
    Es wurde die Fassung des Instruments benutzt, die in Erwin K. Scheuch, Sozialprestige und soziale Schichtung, a. a. O., Annex 1, dargestellt ist.Google Scholar
  14. 14.
    Ebenda, Seite 72 und passim.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. Robert K. Merton, The Role-Set: Problems in Sociological Theory, in: British Journal of Sociology, Band VIII (1957), Seite 106-120. Eine weitere Verfeinerung dieser Konzeption bringt Alex Weinstock, Role Elements: The Link between Acculturation and Occupational Status, in: British Journal of Sociology, Band XIV (1963), Seite 144-149.Google Scholar
  16. 16.
    Es handelt sich hierbei insbesondere um die Projekte: Ein Interview über das Interview; Familie und Freizeit; Zeitung und Gemeinde. Die hierbei gewonnenen Eindrücke werden bestätigt und ergänzt in einer Vorstudie zum Projekt „Zeitbilanzen“.Google Scholar
  17. 17.
    „Gruppe“ ist eine der am unspezifischsten verwandten Termini der Soziologie. Indem Gruppe im Sinne von Quasi-Gruppen benutzt wird, und für diese Arten von Gruppen dann einfach auch die Sätze der Kleingruppentheorie als gültig unterstellt werden, kommt es häufig zu logischen Erschleichungen. Ein Beispiel für die hierdurch verursachte Verwirrung scheint uns die Argumentation von Ralf Dahrendorf in dem Aufsatz: Über den Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen, Tübingen 1961, zu sein. Zunächst erörtert Dahrendorf die Entstehung sozialer Ungleichheit als Konsequenz funktionaler Differenzierung. Wie Dahrendorf zu Recht erwähnt (in Fußnote 15), wird hierdurch zwar soziale Differenzierung erklärt, nicht aber die unterschiedliche Bewertung der so differenzierten Positionen. Nun läßt sich unterschiedliche Bewertung der Mitglieder einer Kleingruppe auf Grund empirischer Forschungen aus unterschiedlicher Normenerfüllung ableiten. Indem nun Gruppe im Sinne der Kleingruppentheorie und Gruppe im Sinne von Berufsgruppe beide in gleicher Weise als „Gruppe“ behandelt werden, wird von Dahrendorf die unterschiedliche Bewertung von Berufsgruppen analog mit unterschiedlicher Bedeutung für die zentralen Normen der Gesamtgesellschaft begründet. — Über den Begriff der Gruppe im Sinne von Kleingruppe siehe Paul A. Hare, Hsrg., Handbook of Small Group Research, New York 1962.Google Scholar
  18. 18.
    Die Konzeption des „System Interchange“ ist in den letzten Jahren von Talcott Parsons entwickelt worden, um die Beziehungen zwischen den vier Hauptbereichen eines sozialen Systems erklären zu können. Insbesondere ist Talcott Parsons daran interessiert, die Existenz und das Wirken allgemeiner Austauschmedien — sogenannter „Generalized Media of Exchange“ — nachzuweisen. Solche generalized media sollen Geld, Macht und Zuneigung sein. Der Akt der Wahl gilt als Musterbeispiel eines solchen Austauschprozesses, in dem die Wähler einem bestimmten Politiker ihre Stimmen in der Erwartung eines Tauschs für Vorteile entweder geben oder vorenthalten. Vgl. hierzu u. a. Talcott Parsons und Neil J. Smelser, Economy and Society, London 1956.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. William Kornhauser, The Politics of Mass Society, Glencoe, Ill., 1959.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. Wolfgang Hartenstein und Klaus Liepelt, Party Members and Party Voters in West Germany, in: Acta Sociologica, Band VI (1962), Seite 44, Tabelle 1; Richard Rose, Politics in England, Boston 1964, Seite 89. Diese Konzeption der Partizipation als Zentralthema einer auf die Erklärung des Systems ausgerichteten empirischen politischen Wissenschaft unterliegt der gesamten Arbeit des einflußreichen Committee on Comparative Government, dessen wichtigste Arbeit bisher der International Citizenship Survey war; vgl. Gabriel Almond und Sidney Verba, a. a. O. Die empirische Untersuchung des Ausmaßes und des Stils politischer Teilnahme ist gegenwärtig auch ein Schwerpunktprogramm der sozialwissenschaftlichen Abteilung der UNESCO. Siehe hierzu Stein Rokkan, Hrsg., Approaches to the Study of Political Participation, Bergen 1962.Google Scholar
  21. 21.
    Als Beispiel für die verschiedenen Untersuchungen, bei denen in Fortführung der Konzeption von Kornhauser die Korrelate der Mitgliedschaft in freiwilligen Vereinigungen überprüft werden, vgl. Roy E. Carter jun. und Peter Clarke, Public Affairs Opinion Leadership among Educational TV Viewers, in: American Sociological Review, Band XXVII (1962), S. 791-798.Google Scholar
  22. 22.
    Beispiele für diese Definition latenter Grundorientierungen durch eine Rangordnung der drei Parteien CDU, SPD, FDP sind: CDU vor FDP vor SPD = konservativ in einer Bedeutung dieses Wortes, die im 19. Jahrhundert vorherrschte; FDP vor CDU vor SPD = bürgerlichliberal; SPD vor FDP vor CDU = liberal im amerikanischen Verständnis dieses Terminus; CDU vor SPD vor FDP — gemäßigt-konservativ bzw. konservativ im Sinne der Kleinstädte.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. hierzu Seymour M. Lipset, America, the First New Nation, New York 1963.Google Scholar
  24. 24.
    Zur Ergänzung der Umfragen wurden in sechs Wahlkreisen oder Orten systematisch Beobachtungen durchgeführt. Die Wahlkreise waren: Oldenburg i. H., Arnsberg-Soest, Marburg, Heilbronn, München-Land und die Stadt Dortmund. Die Beobachtungen fanden statt jeweils an Stätten, wo Gespräche mit politischen Themen in Reaktion auf die Wahrnehmung politischer Stimuli erwartet werden konnten. Für jede dieser Beobachtungen wurde zuerst ein Verlaufsprotokoll angefertigt und anschließend über solche Aspekte des beobachteten Vorgangs berichtet, die in Merkblättern definiert waren; ferner wurden die beobachteten Personen nach ihren sichtbaren Merkmalen beschrieben. Dieses Beobachtungsprogramm ergab sehr viel reichhaltigere Informationen, als ursprünglich von uns erwartet. Wahrscheinlich ist hierfür die erregte Reaktion der Bevölkerung auf den Bau der Mauer in Berlin verantwortlich. Das Beobachtungsprogramm wurde vom 10. August 1961 bis zum Wahltag des 19. September 1961 durchgeführt.Google Scholar
  25. 25.
    Almond und Verba, a. a. 0., S. 116, berichten geringere Häufigkeiten von politischen Gesprächen in Deutschland als in den Vereinigten Staaten oder in Großbritannien; die Häufigkeit solcher Gespräche ist in der Bundesrepublik jedoch sehr viel höher als in Italien oder in Mexiko. Niemals über Politik zu sprechen, berichteten in dieser Untersuchung: USA 24 Prozent; Großbritannien 29 Prozent; Bundesrepublik Deutschland 39 Prozent; Mexiko 61 Prozent; Italien 66 Prozent. Allerdings wurden die Umfragen, auf denen diese Zahlen beruhen, während des Jahres 1959 durchgeführt. Für Deutschland war dieses Jahr die Halbzeit zwischen zwei Bundestagswahlen; in England standen Parlamentswahlen soeben bevor; und in den Vereinigten Staaten hatte der spätere Präsident Kennedy bereits mit seiner eigenen Wahlkampagne begonnen. Die unterschiedlichen Zahlen sind mithin teilweise auf die nur begrenzt vergleichbaren Zeitpunkte der Befragung zurückzuführen.Google Scholar
  26. 26.
    Diese Ergebnisse stimmen überein mit Antworten, die wir auf die Frage erhielten, welche Art von Vorgängen von den Befragten als politisch betrachtet werden. Eine Listenfrage (in der 24 solcher Vorgänge aufgeführt wurden) zeigte deutlich, daß die Befragten als politisch lediglich die Handlungen von Politikern und Vorgänge, die man früher als „Kabinettspolitik“ bezeichnete, ansahen. Ordnet man die Antworten zu allen diesen Vorgaben, so ergibt sich, daß nach den Vorstellungen der Befragten Politik ein Etwas ist, was die Beziehungen des eigenen Staates zur Außenwelt betrifft, oder innenpolitische Entscheidungen, die als Ergebnis von Kompromissen oder von Machtanwendung getroffen werden. Demgegenüber erscheinen Handlungen, die das alltägliche Wohlergehen berühren, weitgehend als „Administration“, bei der allein auf Grund von Sachverstand entschieden werden sollte.Google Scholar
  27. 27.
    Der hier prototypisch dargestellte Verlauf von Unterhaltungen mit politischen Themen unterscheidet sich nicht grundsätzlich von Unterhaltungen in der Öffentlichkeit über andere Themen. Die wesentlichsten Ausnahmen sind Gespräche, in denen Bewertungen selbst der Gegenstand der Unterhaltung sind. Ferner ist ein fortwährender Wechsel zwischen politischen Themen und nicht-politischen Themen für die Alltagsgespräche sehr viel charakteristischer als die hier fortlaufend dargestellte Erörterung von Politik. Die Struktur von Gesprächen, und insbesondere die Bedeutung des Themenwechsels in diesen, wurde zuerst in Vorstudien zu anderen Themen im Forschungsinstitut für Soziologie der Universität zu Köln erarbeitet.Google Scholar
  28. 28.
    Insoweit die in dieser Tabelle aufgeführten Relationen zwischen verschiedenen Verhaltensweisen in Gesprächen verzerrt sind, dann sind sie es in Richtung auf eine Verminderung des Ausmaßes an Zurückhaltung. Die hier berichteten Zahlen weichen erheblich ab von denen, die Almond und Verba, a. a. O., S. 120 (insbesondere Tabelle 10), ermittelten. Allerdings wurde im International Citizenship Survey auch eine andere Fragestellung benutzt: Der Befragte war aufgefordert, sein Verhalten in einer hypothetischen Situation anzugeben, während er in der Bundestagswahlstudie über das eigene Verhalten in der Vergangenheit berichtete. Im International Citizenship Survey wurde gefragt, wie frei der Befragte sich fühlen würde (!), falls er sich über Politik unterhielte, während in der Bundestagswahlstudie direkt nach einem eventuellen Zurückhalten mit der eigenen Meinung gefragt wurde.Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. hierzu den Beitrag von Peter Putzer.Google Scholar
  30. 30.
    Dies ist selbstverständlich nur einer der Indikatoren, die zu dieser Feststellung veran-laßten. Auch in unseren Umfragen zeigte sich, daß sich eine Mehrheit der Deutschen zu der Ansicht bekennt, anderen Menschen könne man im allgemeinen nicht trauen. Der Zweifel an der Wahrhaftigkeit des Gesprächspartners bei Unterhaltungen über Politik ist somit nur eine Ausdrucksform eines allgemein geringen Glaubens an die Offenheit anderer Personen.Google Scholar
  31. 31.
    Diesen Zusammenhang zwischen „Entfremdung“ und dem Charakter der Politik einerseits, sowie der sozialen Lage des Wählers andererseits, ist besonders gut herausgearbeitet in Murray B. Levin, The Alienated Voter, New York 1960; vgl. auch vom gleichen Autor: The Complete Politician, Indianapolis 1962, speziell Kapitel 3.Google Scholar
  32. 32.
    Gewöhnlich sind die Indikatoren der F-Skala so formuliert, daß eine Bejahung zugleich Übereinstimmung mit einer autoritären Aussage bedeutet. Wie verschiedentlich empirisch nachgewiesen wurde, mißt damit die F-Skala zugleich autoritäre Einstellung und allgemeine Acquieszenz. Generell gilt es bei der Konstruktion verbaler Skalen als gefährlich, die einzelnen Indikatoren in gleichgerichteter Weise zu formulieren, da die Gefahr besteht, unabhängig von den Ansichten der befragten Personen, deren Antwort-Stil — den sogenannten response set — zu messen. Siehe hierzu die Kritik von Richard Christie und Marie Jahoda, Hrsg., Studies in the Scope and Method of the Authoritarian Personality, Glencoe, Ill., 1954; ferner L. J. Chapman und W. D. Campbell, The Effect of Acquiescence Response-Set upon Relationships among the F-Scale, Ethnocentrism and Intelligence, in: Sociometry, Band XXII (1959), S. 153-161.Google Scholar
  33. 33.
    Gabriel Almond und Sidney Verba, a. a. O., S. 136.Google Scholar
  34. 34.
    Ebenda, S. 137.Google Scholar
  35. 35.
    Insbesondere auf Grund der Umfrage Nr. 323, September 1961; es handelt sich um eine Repräsentativbefragung im gesamten Bundesgebiet.Google Scholar
  36. 36.
    Die am Ehepartner des eigenen Kindes erwünschten und unerwünschten Eigenschaften wurden in systematischer Weise in der ersten Untersuchung des vormaligen UNESCO-Instituts für Sozialforschung 1952 erfaßt. Siehe hierzu Gerhard Wurzbacher, Das Dorf im Spannungsfeld der industriellen Gesellschaft, Stuttgart 1954.Google Scholar
  37. 37.
    Hier besteht ein wesentlicher Unterschied zu angeblich verbreiteten Praktiken in der „demokratischen“ Weimarer Republik. Dort war es recht häufig, daß Arbeitgeber ihre Angestellten zur Mitgliedschaft in sogenannten patriotischen Vereinigungen aufforderten und gegen Mitglieder der Gewerkschaften und der SPD bei Anstellungen diskriminierten.Google Scholar
  38. 38.
    Diese Beziehungen zwischen Grad an Personalisierung und Instabilität von Parteipräferenz ist auch den politischen Parteien selbst bekannt; zumindest verhalten sie sich in ihrer Werbung entsprechend. Insbesondere die CDU versuchte — mit geringem Erfolg —, die damalige Popularität des ehemaligen Wirtschaftsministers Prof. Erhard umzuwandeln in eine Zustimmung zur CDU als Partei, da man Zustimmung zu Spitzenkandidaten als eine zu instabile Motivation ansah.Google Scholar
  39. 39.
    Die unter diesen Bedingungen vorherrschenden Einstellungen zu politischem Geschehen werden in anschaulicher Weise dargestellt und analysiert von Robert E. Lane, Political Ideology, New York 1962, S. 470 und passim. Hiernach besteht tatsächlich heute eine weitgehend übereinstimmende Orientierung zum öffentlichen Geschehen in den Vereinigten Staaten und in Deutschland.Google Scholar
  40. 40.
    Der Grad, zu dem der Inhalt politischer Orientierung teilweise unabhängig ist von den Präferenzen für eine bestimmte Partei, kann aus einer Vielzahl von Umfragen in den USA, England und der Bundesrepublik abgelesen werden. Speziell in Deutschland stimmen inzwischen Anhänger der SPD und der CDU weitgehend über die jeweils für ihre Partei charakteristischen Eigenschaften überein. Ein weiteres Beispiel: Das EMNID-Institut fragte einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung: „Wäre es Ihrer Meinung nach besser, wenn die Grundstoffindustrien vom Staat betrieben würden, oder halten Sie es für besser, wenn diese Industrien Privateigentum sind?“ Für Gemeineigentum an Grundstoffindustrien sprachen sich aus: SPD-Anhänger 45%; FDP-Anhänger 37%; CDU-Anhänger 31%. Diese Unterschiede zwischen Anhängern der verschiedenen Parteien sind zwar signifikant, aber sie bleiben doch nur Unterschiede des Grades. Während sich die Parteien in dieser Frage damals noch auf gegensätzliche Positionen festgelegt hatten, bestanden mithin zwischen ihren Anhängern nur noch graduelle Unterschiede. Vgl. hierzu EMNID-Institut, Kleiner Almanach der Marktforschung, Bielefeld 1965, S. 44-45 und passim.Google Scholar
  41. 41.
    Auf polemische Weise ist diese unterschiedliche Bedeutung von Bevölkerungsgruppen immer wieder Gegenstand von Monographien, denen es jedoch an empirischen Belegen — statt Illustrationen — ermangelt. Ein empirischer Nachweis der unterschiedlichen Bedeutung von Personen und Gruppen im Entscheidungsprozeß ist jedoch jetzt in zahlreichen Untersuchungen zum Thema „community power structure“ erfolgt.Google Scholar
  42. 42.
    Diese Behauptungen sind abgeleitet aus Ergebnissen zweier international vergleichender Erhebungen über Eliten in westlichen Industriegesellschaften, über die bisher noch keine zusammenfassende Publikation vorgelegt wurde. Es handelt sich um eine von Karl Deutsch geleitete Untersuchung und eine Panelbefragung von Eliten unter der Leitung von Daniel Lerner.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1965

Authors and Affiliations

  • Erwin K. Scheuch
    • 1
  1. 1.KölnDeutschland

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