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Die Theorie des Symbolischen Interaktionismus: Eine Darstellung und Einige Vorschläge für die Vergleichende Familienforschung

  • Sheldon Stryker
Chapter
Part of the Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie book series (KZSS)

Zusammenfassung

Die Einladung, einen Aufsatz für dieses Sonderheft zu verfassen, war mit dem Vorschlag verknüpft, die Relevanz der Theorie des symbolischen Interaktionismus für die vergleichende Familienforschung darzulegen. Obwohl ich natürlich über die Möglichkeit erfreut war, die Forschung in dem genannten Bereich voranzutreiben1, dessen Fruchtbarkeit noch nicht vollständig oder auch nur ausreichend von amerikanischen Soziologen — geschweige denn von europäischen oder sonstigen Soziologen — genutzt worden ist, war meine erste Reaktion auf die vorgeschlagene Arbeitsrichtung doch negativ. Meine Reaktion reflektierte die unüberprüfte Voraussetzung, daß die Theorie des symbolischen Interaktionismus nur sehr begrenzt brauchbar für vergleichende Untersuchungen sein könne. Diese Voraussetzung wiederum reflektierte die Beobachtung, daß die Familiensoziologen, die die Theorie des symbolischen Interaktionismus verwenden, sich im allgemeinen auf die familialen Einheiten konzentriert hatten. Dabei sahen sie diese Einheiten als (relativ) geschlossene Systeme an und schlossen typischerweise von ihren Betrachtungen das Zusammenspiel von familialen und nichtfamilialen Rollen sowie das Einwirken der sozialen Systeme außerhalb der Familie auf die Familien als funktionierende Einheiten und Forschungen über die Familie, die diese vom Gesichtswinkel der institutionellen und kulturellen Muster angingen, aus2. Da die vergleichende Forschung in der Vergangenheit die Familie vor allem auf der gesellschaftlichen und institutionellen Ebene untersucht hatte, schien ganz offensichtlich daraus zu folgen, daß der symbolische Interaktionismus — wie er traditionell verstanden wurde — wenig Bedeutung für die Familiensoziologen haben müsse, die an vergleichender Forschung interessiert sind.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Als Beispiele für vorausgegangene Versuche vgl. die folgenden Arbeiten, die des öfteren für die Erarbeitung des vorliegenden Aufsatzes herangezogen wurden: Sheldon Stryker, Symbolic Interaction as an Approach to Family Research, in: Marriage and Family Living 21 (1959), S. 111–119; ders., The Interactional and Situational Approaches, in: Harold T. Christensen, Hrsg., Handbook of Marriage and the Family, Chicago 1964, S. 125-170; ders., Identity Salience and Role Performance: The Relevance of Symbolic Interaction Theory for Family Research, in: Journal of Marriage and the Family 30 (1968), S. 558-564.CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Reuben Hill und Donald Hansen, The Identification of Conceptual Frameworks Utilized in Family Study, in: Marriage and Family Living 22 (1960), S. 299–311.CrossRefGoogle Scholar
  3. 3.
    Viele Arbeiten der jüngeren vergleichenden Forschung sprengen den engen, traditionellen Horizont der vergleichenden Forschung.Google Scholar
  4. 4.
    Obwohl es offensichtlich ist, daß ich selbst die Implikationen meiner eigenen Argumente noch nicht ganz richtig eingeschätzt habe, ist doch die Ansicht, daß die Theorie des symbolischen Interaktionismus eine weitere Anwendung für die Familienforschung finden könnte, implizit in der früheren Darstellung im „Handbook of Marriage and the Family“, a.a.O., enthalten.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. z. B. die folgenden Arbeiten der nachfolgend genannten Wissenschaftler: Michael Ban-ton, Roles, New York 1965; Horst J. Helle, Soziologie und Symbol: Ein Beitrag zur Handlungstheorie und zur Theorie des Sozialen Wandels, Köln-Opladen 1969.Google Scholar
  6. 6.
    William James, Psychology, New York 1892; John Dewey, Human Nature and Conduct, New York 1930; George H. Mead, Mind, Self, and Society, Chicago 1934; Charles H. Cooley, Human Nature and the Social Order, New York 1902; William I. Thomas, in: Edmund H. Volkart, Hrsg., Social Behavior and Personality: Contributions of W. I. Thomas to Theory and Social Research, New York (Social Science Research Council) 1951.Google Scholar
  7. 6a.
    Wie der Autor so hat sich der Übersetzer nicht streng an die Unterscheidung von Person und Persönlichkeit gehalten, wenn es nicht unbedingt notwendig schien.Google Scholar
  8. 7.
    Da oft im folgenden Text die Ideen Meads verwendet wurden, ist die unmittelbare Berücksichtigung seiner Beiträge kürzer, als seine Bedeutsamkeit an sich erfordern würde.Google Scholar
  9. 8.
    Bis in jüngste Zeit gab es nur wenige Versuche, die Ideen Meads für die Forschung zu verwenden und so diese Überlegungen zu testen, die dann einmal nicht nur analytischen „Fingerübungen“ dienen würden. Daher gab es wenig Antriebe zu einer Entwicklung. Nun aber gibt es einen Fundus an Forschungen, die diese Ideen überprüft haben, und diese Forschung führt zu einer Umformulierung der Grundideen des symbolischen Interaktionismus; vgl. Fußnote 1.Google Scholar
  10. 9.
    Diese Diskussion war notwendigerweise vereinfacht. Personen werden typischerweise in vieler Hinsicht kategorisiert. Manchmal beinhalten die Kategorien, die auf eine Person angewendet werden, kontradiktorische Züge und erbringen so keine klare Bedeutung der Organisation ihres Verhaltens. Offensichtlich stammen viele Interaktionsprobleme aus dieser Tatsache.Google Scholar
  11. 10.
    Ralph H. Turner, Role-Taking: Process versus Conformity, in: Arnold M. Rose, Human Behavior and Social Processes, Boston 1962, S. 20-40.Google Scholar
  12. 11.
    Das folgende stammt aus meinen früheren Arbeiten; vgl. Sheldon Stryker, Identity Salience and Role Performance, a.a.O.; und Michael Schwartz und Sheldon Stryker, Deviance, Selves and Others, Publikation in Vorbereitung für die „American Sociological Association’s Arnold M. and Caroline Rose Monograph Series“, vgl. aber auch Jon Lofland, Deviance and Identity, Englewood Cliffs, N. J., 1969; George J. McCall and James L. Simmons, Identities and Interaction, New York 1966.Google Scholar
  13. 12.
    Albert K. Cohen, The Sociology of the Deviant Act: Anomie Theory and Beyond, in: American Sociological Review 30 (1965), S. 5–14.CrossRefGoogle Scholar
  14. 13.
    Sheldon Stryker, Identity Salience and Role Performance, a.a.O., S. 560.Google Scholar
  15. 14.
    Ernest W. Burgess, The Family as a Unity of Interacting Personalities, in: Family 7 (1926), S. 9.Google Scholar
  16. 15.
    Williard Waller, The Family: A Dynamic Interpretation, New York 1938.Google Scholar
  17. 16.
    Ebd., S. 544.Google Scholar
  18. 17.
    Willard Waller und Reuben Hill, The Family: A Dynamic Interpretation, New York 1951.Google Scholar
  19. 18.
    Hill und Hansen, a.a.O.Google Scholar
  20. 19.
    Vgl. mein „Identity Salience and Role Performance“, a.a.O.Google Scholar
  21. 20.
    So z. B. Sheldon Stryker, Role-taking Accuracy and Adjustment, in: Sociometry 20 (1957), S. 286–296.CrossRefGoogle Scholar
  22. 21.
    Waller, a.a.O. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Günter Albrecht.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1970

Authors and Affiliations

  • Sheldon Stryker
    • 1
  1. 1.BloomingtonUSA

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