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Theoretische Ansätze in der Untersuchung der Familie

  • Robert F. Winch
Chapter
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Part of the Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie book series (KZSS)

Zusammenfassung

Als ich vor 30 Jahren Graduate-Student an der Universität Chicago war, wies mein Mentor, Ernest W. Burgess, der sich unter der Vielzahl seiner Interessengebiete am meisten auf das Studium der Familie konzentrierte, immer wieder auf die Notwendigkeit der Behandlung der Familie aus der Sicht aller Sozialwissenschaften hin. Ob er daran dachte, daß eine bestimmte sozialwissenschaftliche Disziplin für die Erforschung der Familie am brauchbarsten sei, wurde aus seinen Äußerungen nicht deutlich, da er die Sozialwissenschaften einfach alphabetisch einordnete, wobei dann seine eigene Disziplin, die Soziologie, den letzten Platz erhielt. Zusätzlich zu den Sozialwissenschaften fügte er auch noch Psychiatrie und Psychoanalyse hinzu. Allerdings war es ziemlich klar, daß er diese Disziplinen eher als angewandte Aspekte der Sozialpsychologie ansah. Ich erinnere mich, daß ich als sein Student sehr gespannt war, wie er solch verschiedenartige Materialien überhaupt integrieren wollte, sollten seine Mahnungen zu dieser Art interdisziplinärer Forschung jemals befolgt werden. In seiner eigenen Arbeit war Burgess erheblich bescheidener (und m. E. realistischer), indem er hauptsächlich die Auffassungen der Soziologie und die der Sozialpsychologie nach William I. Thomas und George H. Mead in seinen Arbeiten benutzte.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Reuben Hill und Richard L. Simpson, Marriage and Family Sociology, in: Hans L. Zetterberg, Hrsg., Sociology in the United States of America, Paris 1956, S. 94.Google Scholar
  2. 2.
  3. 3.
    Die übrigen Kategorien wurden aus folgenden Gründen gestrichen: Der Haushalts-Ökonomie-Management-Ansatz wegen seines offenkundigen Mangels, einen vollausgebildeten konzeptionellen Bezugsrahmen zu entwickeln; der lern-entwicklungs-theoretische Ansatz und der situativ-psychologische Habitat-Ansatz, weil sie sich weiterhin mehr mit dem Individuum als mit der Familie befaßten; vgl. Reuben Hill und Donald A. Hansen, The Identification of Conceptual Frameworks Utilized in Family Study, in: Marriage and Family Living 22 (1960), S. 299–311.CrossRefGoogle Scholar
  4. 4.
    Ebd., S. 308 f.Google Scholar
  5. 5.
    Harold T. Christensen, Hrsg., Handbook of Marriage and the Family, Chicago 1964; Ivan F. Nye und Felix M. Berardo, Hrsg., Emerging Conceptual Frameworks in Family Analysis, New York 1966.Google Scholar
  6. 6.
    Robert F. Winch, The Modern Family, New York 1963, Kapitel 1.Google Scholar
  7. 7.
    William F. Ogburn, The Changing Family, in: Publications of the American Sociological Society 23 (1929), S. 124–133.Google Scholar
  8. 8.
    Carle C. Zimmerman, Family and Civilization, New York 1947.Google Scholar
  9. 9.
    Vielleicht sollte dies heute als „nahezu immer“ gelesen werden, da uneheliche Kinder und Mutter-Kind-Familien zunehmend akzeptiert zu werden scheinen; besonders in den skandinavischen Ländern.Google Scholar
  10. 10.
    Meyer F. Nimkoff und Russell Middleton, Types of Family and Types of Economy, in: American Journal of Sociology 66 (1960), S. 215–225.CrossRefGoogle Scholar
  11. 11.
    Vgl. Robert M. Marsh, Comparative Sociology: A Codification of Cross-Societal Analysis, New York 1967; Robert F. Winch und Rae L. Blumberg, Societal Complexity and Familial Organization, in: Robert F. Winch und Louis W. Goodman, Hrsg., Selected Studies in Marriage and the Family, New York 1968; Rae L. Blumberg, Societal Complexity and Familial Complexity: Inter-and Intrasocietal Correlates of Family Structure, Functionality and Influence, Dissertation der Northwestern University, Evanston, Illinois 1970.Google Scholar
  12. 12.
    Zur Klärung des Begriffs „Haushaltsfamilie“ siehe den folgenden Abschnitt über das „Kriterium des gemeinsamen Wohnsitzes“.Google Scholar
  13. 13.
    William F. Ogburn, The Changing Family, a.a.O.Google Scholar
  14. 14.
    Eine Studie über Großfamilien (Gegenwart der Interaktionen mit Haushalten von Verwandten) in einer Obere-Mittelschicht-Vorstadt erwies eine positive Korrelation zwischen Großfamilie und der Funktionalität der verwandtschaftlichen Interaktionen (Gamma ca. 0,5); vgl. Robert F. Winch, Scott Greer, Rae L. Blumberg und Joyce Sween, Further Observations on Ethnicity and Extended Familism in an Upper-Middle-Class Suburb, unv. Manuskript, San Francisco 1969; vgl. auch Robert F. Winch, Permanence and Change in the History of the American Family and Some Speculations as to Its Future, in: Journal of Marriage and the Family 32 (1970), S. 6–15.CrossRefGoogle Scholar
  15. 15.
    William J. Goode, World Revolution and Family Patterns, New York 1963, S. 370. Vielleicht sollte man noch anmerken, daß das Parkinsonsche „Gesetz“ eher das Prinzip zu stützen scheint, daß die Funktion der Struktur folgt. Weder Goodes Begriffe noch seine Konzeptualisierung sind mit meinen identisch. Er sieht die Familie überall auf der Welt in einem Konvergenzprozeß von einer Vielzahl traditioneller Formen zu einer Ausprägung, die er „Gattenfamilie“ nennt, die ich aber die in das Netzwerk weiterer Verwandtschaft eingebettete Haus-halts-Kernfamilie nennen würde. Darüber hinaus scheint es, daß das Wohnsitzkriterium (siehe unten) in seiner Definition von Familie mit eingeschlossen ist. Schließlich behauptet er, daß „die Gattenfamilie“ erheblich mehr verwandtschaftliche Bindungen aufweist und entsprechend stärkerer verwandtschaftlicher Kontrolle ausgesetzt ist, als zuweilen von westlichen Beobachtern und nichtwestlichen Forschern angenommen wird (William J. Goode, World Revolution and Family Patterns, a.a.O., S. 370 f.). Bis zu dem Grad, in dem solche Kontrolle tatsächlich ausgeübt wird, würde ich dieses familiale System für größer als eine Kernfamilie ansehen.Google Scholar
  16. 15a.
    Vgl. dafür viele Beispiele bei Reuben Hill und René König, Hrsg., Families in East and West. Socialization Process and Kinship Ties, Paris-Den Haag 1970.Google Scholar
  17. 16.
    Hope J. Leichter und William E. Mitchell, Kinship and Casework, New York 1967.Google Scholar
  18. 17.
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  19. 18.
    John W. Thibaut und Harold H. Kelley, The Social Psychology of Groups, New York 1959; George C. Homans, Social Behavior: Its Elementary Forms, New York 1961; Peter M. Blau, Exchange and Power in Social Life, New York 1964.Google Scholar
  20. 19.
    Robert F. Winch, Mate-Selection. A Study of Complementary Needs, New York 1958.Google Scholar
  21. 20.
    Daraus folgt, daß der Vater, um gegen den Fußballtrainer zu bestehen, seinem Sohn eine Position zu bieten haben muß, die der Sohn dann ebenso anstrebt wie einen Posten im Team, und daß er das Angebot von der Leistung des Sohnes abhängig machen muß.Google Scholar
  22. 21.
    Robert F. Winch, Identification and Its Familial Determinants, Indianapolis, Ind., 1962.Google Scholar
  23. 22.
    Der Untertitel des meistzitierten Werkes über die Theorie des Symbolischen Interaktionismus (George H. Mead, Mind, Self and Society; From the Standpoint of a Social Behaviorist, Chicago 1934) enthält den Begriff „behaviorist“ aber man achte darauf, daß die Arbeit erst posthum veröffentlicht wurde und der Untertitel nicht von Mead stammt. Der Begriff „Behaviorismu8“ wird in dem o. a. Buch nicht in dem üblichen Sinne gebraucht.Google Scholar
  24. 23.
    Robert R. Sears, Eleanor E. Maccoby und Harry Levin, Patterns of Child Rearing, Evanston, Ill., 1957; Robert R. Sears, Lucy Rau und Richard Alpert, Identification and Child Rearing, Stanford, Cal., 1965.Google Scholar
  25. 24.
    Robert F. Winch, Review of Sears et al.: Identification and Child Rearing, in: American Sociological Review 31 (1966), S. 747/748.CrossRefGoogle Scholar
  26. 25.
    Replazierend, wirtschaftlich, politisch, religiös und sozialisierend-erziehlich.Google Scholar
  27. 26.
    Elterlich (Aufzucht und soziale Kontrolle), Positionszuweisung und emotionale Befriedigung.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1970

Authors and Affiliations

  • Robert F. Winch
    • 1
  1. 1.EvanstonUSA

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