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Autorität und Moralische Entwicklung bei Deutschen und Amerikanischen Kindern

Eine interkulturelle Leitstudie
  • Edward C. Devereux
Chapter
Part of the Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie book series (KZSS)

Zusammenfassung

Im Frühjahr 1960 führte der Autor der vorliegenden Untersuchung in Zusammenarbeit mit Urie Bronfenbrenner und George Suci eine vergleichende Studie über Formen der Kindererziehung in Westdeutschland und den USA durch2. Damals ergaben sich in der Art und Weise, wie deutsche und amerikanische Eltern ihre Kinder erzogen, einige interessante und bedeutsame Unterschiede. Unsere Spekulationen über die Tragweite jener Ergebnisse mündeten in die Formulierung einer Reihe spezifischer Hypothesen, deren Gegenstand die Unterschiedlichkeit deutscher und amerikanischer Kinder auf Grund ihrer Erfahrungen in Elternhaus und Schule war. Eine kleinere experimentelle Voruntersuchung, die einige unserer Hypothesen über deutsche Kinder testen sollte, wurde 1964 unter der Leitung des Autors in Westdeutschland unternommen. Mit einer Stichprobe amerikanischer Kinder wurde das gleiche Experiment 1969 wiederholt. Der vorliegende Artikel befaßt sich mit einem Vergleich der Resultate jener beiden Untersuchungen und einer Diskussion ihrer Tragweite.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Die vorliegende Studie ist Teil eines größeren Forschlingsprojekts unter dem Titel „Cross-Cultural Studies in Socialization“, das von der amerikanischen National Science Foundation unterstützt wird und in dessen Rahmen der Autor mit Urie Bronfenbrenner und Robert R. Rodgers zusammenarbeitete. Die zahlreichen Beiträge beider Kollegen zur Planung und Analyse der vorliegenden Untersuchung werden hier dankbar gewürdigt. Besonderer Dank gebührt Florian Gehrke, der bei der Übersetzung unserer Testinstrumente ins Deutsche half und der sämtliche Teste in den deutschen Schulen durchführte; ebenso Cecilia Castillo, die die amerikanische Wiederholungs-Untersuchung plante und durchführte, sowie den Schulbehörden, Lehrern und Schülern beider Länder, die an dem Projekt mit uns zusammenarbeiten.Google Scholar
  2. 2.
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    Eine ausgezeichnete Übersicht solcher Kommentare liefert Seymour M. Lipset, A Changing American Character?, in: S. M. Lipset und L. Lowenthal, Hrsg., Culture and Social Character, New York 1961.Google Scholar
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  18. 16.
    Eine genauere Beschreibung des Dilemma-Tests und der anderen Testinstrumente, die in dieser Untersuchung verwendet wurden, findet der Leser bei Urie Bronfenbrenner, Edward C. Devereux, George Suci und Robert R. Rodgers, Adults and Peers as Sources of Conformity and Autonomy, unveröffentlichtes Arbeitspapier für die Conference on Socialization for Competence, Social Science Research Council, Puerto Rico 1965.Google Scholar
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  21. 19.
    Wegen der besonderen Bedeutung, die Untersuchungen zur deutschen Familie der väterlichen Autorität beimessen, haben wir uns in der vorangegangenen Analyse auf die Rolle des Vaters konzentriert. Der Genauigkeit halber weisen wir darauf hin, daß wir für die Verbundenheit mit der Mutter sehr ähnliche Ergebnisse fanden. Kinder, die häufigen Kontakt mit der Mutter berichteten, wiesen auch ein größeres Schuldbewußtsein und stärkere Konformität mit Erwachsenen auf und variierten in ihren Antworten bei An-und Abwesenheit des Lehrers weniger. Zusätzlich berichteten die meisten Kinder, die eine enge Verbundenheit mit dem Vater angaben, auch von einer engen Verbundenheit mit der Mutter. Dies deutet darauf hin, daß wir es hier in der Tat mit der deutschen Version der warmen, demokratischen Familie zu tun haben, die somit dem häufigsten Typus in den Vereinigten Staaten entspricht.Google Scholar
  22. 20.
    Eine genauere Darstellung unserer Ergebnisse zum Einfluß der Gruppe Gleichaltriger liefert Edward C. Devereux, The Role of Peer Group Experience in Moral Development, in: John Hill, Hrsg., Fourth Minnesota Symposium on Child Psychology, Minneapolis (in Vorbereitung).Google Scholar
  23. 21.
    Tatsächlich bot das amerikanische Experiment Gelegenheit, dieselben Kinder nochmals unter der Alternativ-Bedingung zu testen. Die Resultate, die noch nicht vollständig vorliegen, werden in einem späteren Aufsatz berichtet werden. Für die vorliegende Arbeit benutzen wir lediglich die Daten aus der ersten Phase des amerikanischen Experiments, da nur diese eine exakte Wiederholung der Ergebnisse der deutschen Stichprobe darstellen.Google Scholar
  24. 22.
    Zur Externalisierung kindlichen Gewissens in Anwesenheit von Erwachsenen vergleiche die weiteren Untersuchungen von Harry Levin und Valerie F. Turgen, The Influence of the Mother’s Presence on Children’s Doll Play Aggression, in: The Journal of Abnormal and Social Psychology 55 (1957), S. 304–308; und.CrossRefGoogle Scholar
  25. Alberta E. Siegel und Lynette G. Kohn, Permissiveness, Permission and Aggression: The Effect of Adult Presence or Absence on Aggression in Children’s Play, in: Child Development 30 (1959), S. 131–141.CrossRefGoogle Scholar
  26. 28.
    Eine ausführlichere Darstellung dieser These findet der Leser bei Edward C. Devereux, Socialization in Cross-Cultural Perspective: A Comparative Study of England, Germany and the United States, in: Reuben Hill und René König, Hrsg., Families in East and West, Paris-Den Haag 1970, S. 72-106.Google Scholar
  27. 24.
    Diese Vorhersage wird näher begründet bei Edward Devereux, Urie Bronfenbrenner und Robert R. Rodgers, Child-Rearing in England..., a.a.O.Google Scholar
  28. 25.
    Diese Hypothese war zuerst von Edward Devereux in dem unter Anmerkung 22 aufgeführten Aufsatz begründet worden. Tatsächlich war die amerikanische Wiederholungsstudie in der Absicht entworfen worden, vier zusätzliche Klassen aus Kloster-Schulen miteinzubeziehen, um diese Hypothese zu testen. Es stellte sich jedoch unglücklicherweise heraus, daß zwei dieser Klassen von Laien-Lehrern anstelle von Nonnen unterrichtet wurden, so daß unter diesen Umständen die Versuchsanordnung (An-oder Abwesenheit des Lehrers) keine Unterschiede erzeugte. Um feststellen zu können, ob eine solche Art von Autoritätssymbol die Antworten amerikanischer Kinder beeinflußt, muß die Studie mit einer anderen Stichprobe wiederholt werden, wo alle Lehrer Nonnen sind.Google Scholar
  29. 26.
    Indizien dafür diskutieren Devereux, Bronfenbrenner und Suci in dem unter Anmerkung 1 zitierten und Devereux in dem unter Anmerkung 19 angeführten Arbeitspapier.Google Scholar
  30. 27.
    Diese These wird ausführlicher entwickelt bei Edward C. Devereux, Permissiveness versus Control: A False Dilemma, in: Pre-Adolescents — Why is Each One Different?, Ithaca, N. Y., 1964; vgl. auch das in Anmerkung 19 angeführte Arbeitspapier.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1970

Authors and Affiliations

  • Edward C. Devereux
    • 1
  1. 1.IthacaUSA

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