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Traditionelle und Moderne Lebensstile in Afrika

  • Remí Clignet
  • Joyce Sween
Chapter
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Part of the Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie book series (KZSS)

Zusammenfassung

Oft wurde in der Familiensoziologie behauptet, Urbanisierung und Industrialisierung führten zu einer Nuklearisierung der Familie1. In diesem Zusammenhang nimmt man an, daß städtische Haushalte identisch sind mit Kernfamilien, also solchen Sozialsystemen, die sich ausschließlich aus den folgenden drei Positionen konstituieren: Ehemann-Vater, Ehefrau-Mutter und Nachkommenschaft-Geschwister, wobei letztere unverheiratete Minderjährige sind2.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Zur Diskussion dieser Behauptung vgl. Wilbert Moore, The Social Framework of Economic Development, in: Ralph Braibanti und Joseph J. Spengler, Hrsg., Traditional Values and Socio-Economic Development, Durham, N. C, 1961; vgl. auch William J. Goode, Industrialization and Family Change, in: Bert F. Hoselitz und Wilbert Moore, Hrsg., Industrialization and Society, Paris 1963; sowie William J. Goode, World Revolution and Family Patterns, New York 1963. Vgl. ferner Robert Winch und Rae Lesser Blumberg, Societal Complexity and Familial Organization, in: Robert Winch und Rae Lesser Blumberg, Hrsg., Selected Studies in Marriage and the Family, New York 1968.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Robert Winch und Rae L. Blumberg, a.a.O., S. 74/75. Die beiden Autoren betonen die Notwendigkeit einer Unterscheidung zwischen Haushalt und Kernfamilie.Google Scholar
  3. 3.
    Als Beispiel für eine Überprüfung der Vielfalt von Wohnsitzregeln, ihren Determinanten und Implikationen vgl. Paul J. Bohannan, Social Anthropology, New York 1963, Kapitel 6 und 7. Wir möchten hier die Tatsache hervorheben, daß wir die erweiterte Familie enger fassen, als sonst üblich ist, und daß dieser Terminus sich nur auf die Tatsache bezieht, daß eine Wohnung geteilt wird.Google Scholar
  4. 4.
    Siehe Remi Clignet und Joyce Sween, Social Change and Type of Marriage, in: American Journal of Sociology 75 (1969/70), S. 123–145.CrossRefGoogle Scholar
  5. 5.
    Das von Monica und Godfrey Wilson geprägte Konzept der „scale of societies“ wird verwendet von Scott Greer, The Emerging City, New York 1963. Die „skalare Position“ meint das Ausmaß der gesellschaftlichen Komplexität zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt. Die „skalare Steigung“ dagegen meint die Rate des Wandels in der gesellschaftlichen Komplexität zwischen zwei Zeitpunkten. Zur Diskussion dieser Unterscheidung vgl. ]Remi Clignet und Joyce Sween, Accra and Abidjan. A Comparative Examination of the Notion of Increase in Scale, in: Urban Affairs Quarterly 4 (1969), S. 297–324.CrossRefGoogle Scholar
  6. 6.
    Im Jahre 1964 gab es 130 000 Erwerbstätige im Kamerun; vgl. dazu: SEDES, Les problèmes d’emploi de Formation, Paris 1966.Google Scholar
  7. 7.
    Als statistischer Überblick über die Gesellschaft des Kamerun sei genannt: Robert C. Mitchell u. a., Black Africa. A Handbook for Comparative Analysis, New York 1970.Google Scholar
  8. 8.
    Als Darstellung des Wachstums von Douala siehe V. Levine, The Camerouns. From Mandate to Independence, Los Angeles 1964; sowie André Franqueville, Le paysage urbain de Jaoundé, in: Cahiers d’Outre-Mer 21 (1968), S. 113–154.Google Scholar
  9. 9.
    Diese Resultate stammen aus einer Faktorenanalyse der ökologischen Korrelationen zwischen 42 Variablen, die auf verschiedenen territorialen Ebenen von Remi Clignet und F. Jordan gesammelt wurden; vgl. dies., Social Differentiation of the New African Cities: The Case Study of Douala and Younde, in Vorbereitung. Die Haussa und Fulbe leben in ganz anderen Gebieten, und sie neigen viel stärker dazu, die traditionellen Werte zu erhalten als die anderen ethnischen Gruppen.Google Scholar
  10. 10.
    Wir danken den Herren M. M. Ngueguan, Chef du Service de la Mécanographie du Gouvernement Camerounais, und seinen Referenten Chaumont und Sicherman dafür, daß sie uns Zugang zu den Magnetbändern, auf die die Daten gelesen waren, verschafft haben. Wir danken ebenfalls für die Unterstützung bei der Interpretation der Daten.Google Scholar
  11. 11.
    Dies geschah unter Verwendung der relevanten Daten, die in der „Enquête sur le Niveau de vie à Yaounde“ (Paris, SEDES, Rapport Provisoire 3, 195) enthalten waren. Wir sind uns natürlich der Tatsache bewußt, daß wir so die Variationen zwischen den Individuen verringern.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. als Diskussion der Determinanten der Heiratsformen und der der erweiterten Familie M. Osmond, Correlates of Types of Marriage, in: Social Forces 44 (1965), S. 8–16; vgl. ferner.CrossRefGoogle Scholar
  13. R. Levine und Jack Sawyer, Cultural Dimensions. A Factor Analysis of the World Ethnographic Sample, in: American Anthropologist 68 (1966), S. 708–731.CrossRefGoogle Scholar
  14. 13.
    Zur Diskussion der Konsequenzen, die mit der erweiterten Familienform verbunden sind, vgl. Meyer F. Nimkoff und Russell Middleton, Types of Family and Types of Economy, in: American Journal of Sociology 66 (1960), S. 215–225.CrossRefGoogle Scholar
  15. 14.
    Zur Auseinandersetzung über den Einfluß dieser Variablen auf den Familientyp vgl. Remi Clignet, Many Wives, Many Powers, Evanston 1970, Kapitel 3. Zur Diskussion ihres Einflusses auf die erweiterte Familie siehe Kathleen Gough, Variations in Residence, in: David Schneider und Kathleen Gough, Hrsg., Matrilineal Kinship, Berkeley, Cal., 1961.Google Scholar
  16. 15.
    Eine Beschreibung der traditionellen Organisation der Küstenstämme des Kamerun findet sich bei E. Ardener, The Coastal Bantu of the Coastal Cameroun, London 1956; siehe ferner M. Littlewood, The Bamoun, in: ders., Peoples of the Central Cameroun, London 1954.Google Scholar
  17. 16.
    So sind z. B. 25 Prozent der Haussa ungelernte Arbeiter in der Privatwirtschaft, und 62 Prozent von ihnen sind noch ganz in den verschiedenen traditionellen Berufen tätig.Google Scholar
  18. 17.
    Die Korrelation zwischen dem Alter und der Zeitdauer der Anwesenheit in Douala beträgt in unserem Sample 0,389.Google Scholar
  19. 18.
    Vgl. J. Chaumont, Remi Clignet und Philip J. Foster, Education and Industrialization in the Cameroun, in Vorbereitung.Google Scholar
  20. 19.
    In Douala arbeiten nicht weniger als 33 Prozent der Individuen im Alter von 55 Jahren und darüber in den untersten Berufskategorien des modernen privatwirtschaftlichen Sektors und des öffentlichen Dienstes, und 6 Prozent arbeiten in ganz marginalen Berufen des traditionellen Wirtschaftssektors.Google Scholar
  21. 20.
    Aus diesem Grunde findet man die wiederholte Betonung des Unterschiedes zwischen „soziologischer“ und „historischer Zeit“.Google Scholar
  22. 21.
    Vgl. J. Chaumont, Remi Clignet und Philip J. Foster, Education and Industrialization..., a.a.O.Google Scholar
  23. 22.
    Obwohl wir keine direkten Informationen über diesen Punkt in Kamerun haben, haben wir doch eine enge Beziehung zwischen der Ausbildungshöhe und der Verwendung der verschiedenen Informationskanäle, um Zugang zum modernen Arbeitsmarkt zu erhalten, bei einem Sample von 732 Lohnarbeitern an der Elfenbeinküste gefunden. Nicht weniger als 23 Prozent der Personen mit nichtmanuellen Berufsfertigkeiten verwendeten formale Kanäle, um den Job zu erhalten, den sie zur Zeit der Untersuchung innehatten, verglichen mit nur 11 Prozent derjenigen mit manuellen Fertigkeiten.Google Scholar
  24. 23.
    J. Chaumont, R. Clignet und P. Foster, Education and Industrialization..., a.a.O.Google Scholar
  25. 24.
    Diese Stabilität der Beschäftigung wird von den Afrikanern besonders hoch bewertet; vgl. z. B. Remi Clignet und Philip J. Foster, The Fortunate Few, Evanston, Ill., 1966, Kapitel 6.Google Scholar
  26. 25.
    Für Ghana, die Elfenbeinküste sowie Nigeria, für die Daten vorliegen, ergibt sich ein ganz konsistentes Resultat in diesem Punkt, nämlich daß die Studenten den Bauern und Händlern ein geringeres Prestige, aber ein höheres Einkommen zuschreiben als den Personen, die in den untersten Kategorien der modernen Berufshierarchie arbeiten. Vgl. z. B. Philip J. Foster, Social Change and Education in Ghana, Chicago 1965; sowie ferner Remi Clignet und Philip J. Foster, The Fortunate Few..., a.a.O.Google Scholar
  27. 26.
    Die Tatsache, daß Aufwärtsmobilität in einem modernen Kontext mit drei sich gegenseitig ausschließenden Alternativen in bezug auf den Lebensstil (Familismus, Konsumtion und Reinvestition) verknüpft ist, wird von Eshref Shevky und Wendell Bell betont; vgl. dies., Social Area Analysis, Stanford, Cal., 1955.Google Scholar
  28. 27.
    Mehr als Dreiviertel der Haushalte mit alphabetisiertem Vorstand im Alter von über 45 Jahren sind sowohl polygyn als auch einer erweiterten Familienform zugehörig. Die entsprechende Zahl für die entsprechende monogame Gruppe liegt bei 67 Prozent. Bei den analphabetischen Haushaltsvorständen im Alter von mehr als 45 Jahren liegen die Zahlen für die polygyne Gruppe bei 62 und für die monogame Gruppe bei 51 Prozent.Google Scholar
  29. 28.
    Eine Analyse der relevanten Daten für die manuell und die nichtmanuell tätigen Populationen ergibt, daß es keine signifikanten Unterschiede in der Höhe des Einkommens zwischen Personen mit mittlerem Alter und höherer Schulbildung auf der einen und Personen älteren Jahrgangs mit mittlerer Schulbildung auf der anderen Seite gibt. Die hohe Bewertung der formalen Schulbildung hat etwas abgenommen, seitdem die Zahl der besser Ausgebildeten ständig zunimmt. Vgl. Chaumont, Clignet und Foster, Education and Industrialization..., a.a.O.Google Scholar
  30. 29.
    Die Verteilung der älteren analphabetischen manuell Tätigen nach dem Niveau der beruflichen Fertigkeiten ist bimodal; vgl. J. Chaumont, Remi Clinget und Philip Foster, Education and Industrialization..., a.a.O.Google Scholar
  31. 30.
    Wir haben behauptet, daß junge Individuen mit einer langen städtischen Erfahrung weniger geneigt seien, die Polygynie und die erweiterte Familienform beizubehalten als die älteren Individuen, die gerade erst in die Stadt zugezogen sind. Unsere Daten ergeben keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Beide Gruppen zeigen die beiden hier untersuchten traditionellen Institutionen nur recht selten. Es scheint aber möglich, dahingehend zu argumentieren, daß das seltene Vorkommen dieser Institutionen bei der erstgenannten Teilpopulation die Ausbildung neuer Ziele reflektiert, während es sich bei der zweiten Teilpopulation mehr oder weniger um Knappheit an Ressourcen handelt.Google Scholar
  32. 31.
    60 Prozent der polygynen Haushalte mit einem Vorstand, der direkt aus seinem Heimatdorf zugewandert war, sind Haushalte mit erweiterter Familienform, verglichen mit nur 48 Prozent bei den vergleichbaren monogamen Haushalten. Die Zahlen für Haushalte mit Haushaltsvorständen, die aus Städten stammen — gleichgültig ob mit oder ohne Mobilitätserfahrung —, zeigen niedrigere Werte. Ferner gilt für letztere, daß keine Unterschiede in der Häufigkeit der erweiterten Familienform bei polygynen und monogamen Haushalten vorkommen.Google Scholar
  33. 32.
    Diese Zahlen stammen aus dem Gesamtzensus von Douala aus dem Jahre 1964; vgl. dazu Remi Clignet und Joyce Sween, Urban Life Styles in Modern Africa, in Vorbereitung.Google Scholar
  34. 33.
    Auch diese Zahlen stammen aus der Volkszählung. Wir hätten eine bessere Messung des Ausmaßes, in dem städtische Familien Kontakte mit ihren Herkunftsorten aufrechterhalten, gewinnen können, wenn wir die Merkmale der abwesenden Population analysiert hätten. Hier nehmen wir an, daß es sich bei den Personen, die in einem Haushalt mit einer Anzahl von Frauen, die unterhalb der Zahl liegt, die man nach dem ehelichen Stand der Haushaltsvorstände erwarten dürfte, fehlen, um die Frauen des Haushaltsvorstandes handelt. So nehmen wir z. B. an, daß das Verhältnis zwischen den monogamen Haushalten, in denen zur Zeit der Zählung keine Frau anwesend war, zu den monogamen Haushalten mit einer anwesenden Hausfrau uns einen Hinweis auf die Zahl der Ehegatten gibt, die zur Zeit nicht in ihrer städtischen Wohnung sind. Dies ist natürlich eine sehr vorsichtige Schätzung, da die eine zur Zeit in einem monogamen Haushalt anwesende Frau nicht notwendigerweise die Ehefrau ist.Google Scholar
  35. 34.
    Diese Information stammt ebenfalls aus der Volkszählung.Google Scholar
  36. 35.
    Gehen wir von der Tatsache aus, daß ein polygyner Mann ja zumindest zwei Frauen hat, dann scheint es keinen Unterschied in der Berufstätigkeit der Frauen mit unterschiedlichem Familienstand zu geben. Da die Analyse aber nur von der Perspektive des Mannes ausgeht, kann nicht gesagt werden, daß die Vielehe im städtischen Kontext eher ein Symbol denn eine Determinante der Position ist, die ein verheirateter männlicher Familienvorstand erreicht.Google Scholar
  37. 36.
    Dies könnte natürlich die unterschiedliche Fruchtbarkeit von Frauen, die mit Männern mit unterschiedlichen Berufsrollen verheiratet sind, widerspiegeln. Wir haben bereits gesehen, daß in der gegenwärtigen Generation die Eliten dahin tendieren, mehr Kinder als ihre weniger erfolgreichen Vergleichspersonen zu haben. Wenn dieser Trend auch für ihre elterliche Generation gegolten hätte, dann würde dies bedeuten, daß die gegenwärtigen Eliten schon mehr Geschwister hatten als die Individuen, die aus den unteren sozialen Schichten stammen.Google Scholar
  38. 37.
    Diese Information stammt aus einer Analyse der gesamten Volkszählung.Google Scholar
  39. 38.
    47 Prozent der monogamen erweiterten Haushalte umfassen ausschließlich enge Verwandte des Haushaltsvorstandes oder seiner Frau (Geschwister, Eltern, Kinder), verglichen mit nicht weniger als 58 Prozent ihrer polygynen Vergleichsgruppe.Google Scholar
  40. 39.
    Diese Information ist aus der Volkszählung gewonnen.Google Scholar
  41. 40.
    Während kaum Unterschiede in dem Vorkommen der erweiterten Familie bei den monogamen Haushalten auftraten, in denen beide Ehepartner Analphabeten sind oder in denen nur der Vorstand Analphabet ist (weniger als die Hälfte der entsprechenden Haushalte sind erweiterte Haushalte), nimmt die Häufigkeit beträchtlich bei den monogamen Haushalten zu, in denen beide Partner des Lesens und Schreibens kundig sind (mehr als 60 Prozent der entsprechenden Haushalte sind erweitert). Die Ergebnisse sind weniger klar bei den polygynen Haushalten, und das Bildungsniveau der Mit-bzw. Nebenfrauen hat keinen Einfluß auf die Zusammensetzung der Haushalte.Google Scholar
  42. 41.
    Dies konnte erwartet werden. Die Funktionalität und damit die häusliche Macht einzelner Ehegatten ist größer, da sie nicht in ihrer Ausübung ihrer häuslichen Verpflichtungen ersetzt werden können; vgl. Remi Clignet, Many Wives, Many Powers, a.a.O., Kapitel 3.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1970

Authors and Affiliations

  • Remí Clignet
    • 1
  • Joyce Sween
    • 1
  1. 1.EvanstonUSA

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