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Theorie und Praxis der Politik

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Part of the Klassiker der Politik book series (KP)

Zusammenfassung

… Es kann nicht meine Sache sein, ein unbefangenes und abschließendes Urtheil über das parlamentarische Ministerium des Reichsverwesers zu fällen. Aber darauf darf ich aufmerksam machen, daß es — obgleich es aus dem Stegreife und nach äußerlichen Rücksichten gebildet war; obgleich seine einzelnen Glieder sich früher nicht gekannt und sie keine gemeinschaftliche Schule in Staatsgeschäften und Parteikämpfen durchgemacht hatten; obgleich sein Rechts- und Geschäftskreis völlig unbestimmt und erst durch Besitzergreifung abzugrenzen war, ihm alle Untergeordneten und alle Mittel der Belohnung und der Strafe fehlten; obgleich es somit viele Keime der Schwäche und Fehler in sich trug — sich doch lange und in schwierigster Zeit nicht nur hielt, sondern für das einzig Mögliche erachtet war. Man wird wohl zugeben, daß die Lösung dieser schwierigen Aufgabe wenigstens zum Theile in der Persönlichkeit der Beteiligten gelegen haben müsse. Die Geschichte wird freilich, da keine großen Thaten und keine bleibenden Wirkungen von uns zu verzeichnen sind, leicht über uns weggehen; allein ich glaube, daß es nicht unbescheiden ist, wenn ich behaupte, daß wir unsres Teiles die uns zugefallene Aufgabe besser gelöst haben, als das Parlament die seinige. Ich sehe nicht mit Stolz auf diesen Abschnitt meiner öffentlichen Thätigkeit zurück, dazu ist keine genügende Veranlassung, wohl aber mit Freude, der Genosse solcher Männer gewesen zu sein.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1966

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