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Die Begriffsform im Mythischen Denken

  • I. Cassirer
Chapter
Part of the Studien der Bibliothek Warburg book series (SBW)

Zusammenfassung

Die Logik ist zum Bewußtsein ihrer eigentlichen philosophischen Aufgabe und zum Bewußtsein ihrer systematischen Form erst dadurch gelangt, daß sich ihre eigene Entwicklung gleichzeitig mit der Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens vollzog und sich beständig an dieser letzteren orientierte. An den besonderen Problemen, die die Methodik der Einzelwissenschaften stellte, erfaßte sie erst ihr allgemeines und umfassendes Probleim. Seit der Grundlegung der wissenschaftlichen Philosophie in der Ideenlehre Piatons besteht diese wechselseitige Beziehung. In der Platonischen Dialektik ist das, was wir heute als „Logik“ bezeichnen, als notwendiger und integrierender Bestandteil enthalten. — aber wie es hier noch keinen eigenen selbständigen Namen trägt, so steht es auch nach seinem sachlichen Gehalt mit der Methodenlehre der einzelnen Wissenschaften noch im engsten Zusammenhang. Die begriffliche „Rechenschafts-ablegung“, das λόγον διδόναι, auf das alle Philosophie hinzielt, und worin sich ihr Begriff erfüllt, betrifft ebensowohl den Inhalt des Wissens wie seine reine Form.

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Notes

Referenzen

  1. 1).
    Vgl. besonders Polîtikos 285 A, 286 A.Google Scholar
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    Solche Übergangserscheinungen zwischen der Klasseneinteilung der Bantusprachen und der Einteilung nach dem grammatischen Geschlecht, die in den semitisch-hamitischen und den indogermanischen Sprachen herrscht, hat Meinhof in den Hamitensprachen, insbesondere im Ful, nachgewiesen. Im Ful breitet sich über die alte Klasseneinteilung der Nomina eine neue mit nur 4 Rubriken aus (Personen, Sachen, große und kleine Dinge), die sich sodann, indem die großen Dinge in die Personenklasse, die kleinen in die Sachklasse einrücken, zu einem zweigliedrigen Schema (entsprechend der Einteilung in Maskulina und Feminina) gestaltet. Näheres bei Meinhof, Die Sprachen der Hamiten, Hamburg 1912, S. 22 ff., 42 ff. und „Das Ful in seiner Bedeutung für die Sprache der Hamiten“ ZDMG. Bd. 65, S. 201 ff.Google Scholar
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    Für alles Nähere vgl. Meinhof, Grundzüge einer vergleichenden Grammatik der Bantusprachen, Berlin 1906, s. auch Rochl, Versuch einer systematischen Grammatik der Schambalasprache, Hamburg 1911, S. 33 ff.Google Scholar
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    Vgl. hierzu besonders den charakteristischen Bericht von Muirhead, den Howitt (On some Australian Beliefs, Journ. of the Anthrop. Instit. of Great Britain XIII, S. 191, Anm. 1) zitiert (vgl. Beilage I), s. auch Howitt, Further Notes on the Australian Class System, Journ. of the Anthrop. Inst. XVIII, S. 61. (Beilage II.)Google Scholar
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    Zum Ganzen s. Dr. P. Wirz, Die Marind-anim von Holländisch Süd-Neu-Guinea II. Teil: Die religiösen Vorstellungen und Mythen der Marind-anim und die Herausbildung der totemistisch-sozialen Gruppierungen. — Die Schrift von “Wirz, die im Herbst 1922 in den Abhandlungen der Hamburgischen Universität erscheinen wird, ist mir erst während des Drucks dieses Aufsatzes zugänglich geworden; für den Hinweis auf sie bin ich meinen Kollegen Prof. Carl Meinhof und Prof. Otto Dempwolff zu Dank verpflichtet. Zur totemistisch-mythologischen Klasseneinteilung der Marind-anim s. a. Beilage III.Google Scholar
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    Howitt, Further Notes on the Australian Class Systems, a. a. O. XVIII, S. 61 ff. (s. Beilage II). Matthews, a. a. O. S. 293, vgl. hierzu u. zum folgenden Durkheim, a. a. O. S. 15ff., 200 ff. und Durkheim et Mauss, De quelques formes primitives de classification, Année Sociologique VI (1901/02). Eine ganz ähnliche Auffassung und Bezeichnung der totemistischen Klasseneinteilung scheint vorzuliegen, wenn nach dem Bericht von Wirz bei den Marind-anim die Eingeborenen die Verwandtschaftsverhältnisse der einzelnen Clans dadurch zu verdeutlichen suchten, daß sie ein Kanu in den Sand zeichneten und erklärten, daß alles, was innerhalb eines Boan liegt, mit ein und demselben Kanu von Osten hergekommen sei, in dem jedes dem Boan angehörige Ding seine bestimmte Stelle gehabt habe.Google Scholar
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    Vgl. Stevenson, The Zuñi Indians, a. a. O. S. 350. „These primitive agriculturists have observed the greatest care in developing colour in corns and beans to harmonize with the six regions — yellow for the North, blue for the West, red for the South, white for the East, variegated for the Zenith and black for the Nadir.“ Vgl. besonders Cushing, Zuni Breadstuff, S. 176ff. Zum Ganzen s. Beilage 4.Google Scholar
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    Näheres bei Eduard Seier, Der Charakter der aztekischen und der Maya-Hand-scbriften und Zur. mexikanischen Chronologie s. Ges. Abh. zur amerikanischen Sprach- und Altertumskunde, Berlin 1902, I, S. 411, 527 f.Google Scholar
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    In folgendem ist kurz zusammengefaßt, was an anderer Stelle ausführlicher dargelegt worden ist, s. besonders meinen Aufsatz „Goethe und die mathematische Physik“ (Idee und Gestalt, Berlin 1921, S. 29 ff.) und den Aufsatz über „Goethe und Platon“ (Sokrates 1922, S. 1 ff.).Google Scholar
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    Näheres über dieses Klassifikationssystem des Südandamanischen s. bei E. H. Man, On the aboriginal inhabitants of the Andaman Islands, London o. J., S. 51 ff., 199 f.; vgl. den Bericht von Ellis über die Andamanensprache (Transact. of the Philological Society, London 1882–84, bes. S. 53 ff.) und M. V. Portman, Notes on the languages of the South Andaman Group of Tribes, Calcutta 1898, Cap. IV.Google Scholar
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  49. I) Vgl. z. B. Edvard Lehmann, Die Anfänge der Religion und die Religion der primitiven Völker (Kultur der Gegenwart, T. I, III, 1, S. 11). „Meine Warze oder mein Geschwür kann ich dem Toten durch bloßes Berühren ins Grab mitgeben: wenn die Leiche verwest, wird auch das Geschwür oder die Warze verschwinden; kommt aber nur ein Faden meiner Kleidung ins Leichentuch hinein, muß ich bald dem Toten folgen.“Google Scholar
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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1922

Authors and Affiliations

  • I. Cassirer

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