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Belgien pp 12-29 | Cite as

Das Volk

  • Paul Ostwald
Part of the Aus Natur und Geisteswelt book series (NAG)

Zusammenfassung

Belgien ist nächst dem Königreich Sachsen der am dichtesten bevölkerte Staat Europas. Die letzte Volkszählung am 31. Dezemder 1910 ergab 7 423 784 Einwohner, so daß auf 1 qkm 252 Einwohner kamen. Inzwischen hat die Bevölkerung sich weiter vermehrt. Für Ende 1912 wurde sie in dem letzten erschienenen „Annuaire de la Statistique“ auf 7571387 oder 257 Einwohner auf den Quadratkilometer geschätzt; während des Kriegs 1914 gab man anlaßlich der Versorgung der belgischen Bevölkerung mit amerikanischem Getreide 7 638 700 Köpfe an oder 259 auf 1 qkm.

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Literatur

  1. 1).
    Ich gebe eine Karte dieses Grenzgebietes, da die im Literatur-verzeichnis angegebenen Werke deutscher Sprache bei dem aus französischen Staatsboden verlaufenden Teile der vlämischen Sprachgrenze die einzelnen Gemeinden nicht näher bezeichnen, und weil die Angaben von Kurtch und Meert durch die Entwicklung der letzten Jahre hier überholt sind.Google Scholar
  2. 1).
    Das Wort vlämisch ist ebenso wie der Name Flandern nicht mit voller Sicherheit zu erklären. Die beste Deutung scheint Kern (Revue celtique II, S. 174) gegeben zu haben, ergänzt durch J. Dercouillie (L’Etymologie de Vlaming et de Viaanderen. Bullet. de l’Acad. Roy. Belg., Classe Lettres, 1903, S. 484–491). Nach ihnen ist Standern aus „Dlame“ und dem Patronymikon „der“ zusammengesetzt und bedeutet Blaming; der Ländername ist ein plural, der von den Bewohnern hergeleitet ist, wie der von Polen, Bayern u.a. Damit stimmt die Bezeichnung „comes Flandriarum“ im 9. u. 10. Jahrhundert überein, die vereinzelt auch noch im 12. Jahrhundert vorkommt, während damals schon der Singular an die Stelle des Plu-rals tritt, „cornes Flandriae“, die Volksbezeichnung also durch die Land-bezeichnung verdrängt wurde. Das Wort selbst ist eine friesische Zorm von „Dloome“, abgeleitet von dem Derbum „olieden“ und bedeutet: Slüchtling, Vertriebener, Ausgewanderter, Bedenkt man, daß die in die Umgegend von Brügge eingewanderten Zriesen die Hauptträger der Kultur in denbelgischen Nordprovinzen gewesen sind, so paßt die Erklärung der Worte Olame und Flandern sehr gut zu der Erscheinung, daß das gejamte germanische Sprachgebiet Belgiens mit diesem Namen einheitlich bezeichnet wurde und bezeichnet wird.Google Scholar
  3. 1).
    Mon. Germ. Hist. SS. 10, 213ff.Google Scholar
  4. 1).
    Diese Zahl erscheint auffällig hoch. Sie erklärt sich daraus, daß alle Kinder, die noch nicht sprechen konnten, unter diese Gruppe gezählt worden sind. Das war nicht bei jeder Zahlung üblich. 1890 wurden diese Kinder zu der Sprachgruppe gerechnet, die in dem Haushalte, wo sie lebten, am häufigsten gesprochen wurde.Google Scholar
  5. 2).
    Zür 1910 ergibt diese Art der Berechnung 54%, also einen Rückgang.Google Scholar
  6. 1).
    In französisch geschriebenen Büchern kann man oft andere Angaben über das Verhältnis der Bevölkerungsgruppen lesen und dabei auch amtliches statistisches Material als Quelle antreffen. Diese Zahlen kommen leicht einer Irreführung gleich. Deshalb sei hier besonders daraus hin-gewiesen. Die belgische Statistik verzeichnet nämlich in einer besonderen Rubrik die Sprachverhältnisse aller über 15 Jahre alten Einwohner. Der vlämische Anteil vermindert sich hier dadurch erheblich, daß die in vlämischen Zamilien viel zahlreichere Kinderschar nicht nntgezählt wird; dann aber gewinnt die Zahl der Doppelsprachigen im Dechältnis zu den Einsprachigen, da die viämischen Kinder, soweit sie die Schule besucht haben, französischen Unterricht genossen haben, also doppelsprachig sind; dies gilt in besonderem Maße von den Zöglingen der freien Schulen, die fast ausschließlich Zranzösisch als Unterrichtssprache auch in den viämischen Gegenden kennen; und das ist die überwiegende Mehrzahl aller Schulen (s. S. 115). Nach dieser Rubrik ergab sich im Jahre 1900 von den über 15 Jahre alten (Einwohnern folgende Entwicklung: Nur Vläm. Nur Zranz. Nur Dtsch. VI. u. Zr. VI. u. Dtsch. Zr. u. Dtsch. Allez Spr. Keine Spr. 1874722 1896003 18385 673554 6251 57279 39870 4981 41,01% 41,48% 0,40% 14,73% 0,14% 1,25% 0,87% 0,11% Berechnet man hiernach, wie groß der Anteil jeder Sprache ist, so erhält man das Ergebnis, daß 58,33 % Zranzösisch, 56,75% Dlämisch und 2,66 % Deutsch können. Welch anderes Bild erhält man also durch Weglassen der 2122503 Kinder unter 15 Jahren. Unter Erziehung dieser Kinder waim die entsprechenden Prozentzahlen 52,07% franzosisch, 54,88% vlämisch und 2,16% deutsch. Die belgische Statistik ist tatsächlich sehr vorsichtig zu benutzen.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1915

Authors and Affiliations

  • Paul Ostwald
    • 1
  1. 1.Historischen InstitutUniversität LeipzigDeutschland

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