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Gedankengang

  • Karl Weidel
Chapter
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Part of the Philosophische Quellenhefte book series (PQ, volume 7)

Zusammenfassung

Die Veränderungen in der Natur Zeigen nur einen ewig sich wiederholenden Kreislauf. Auf geistigem Boden dagegen herrscht unzweifelhaft ein Vervollkommnungstrieb, eine Entwicklung zu einem bestimmten Endzweck hin. Eine solche findet sich zwar auch schon in der organischen Welt, aber hier ist es eine ruhige, naturgesetzmäßige Entfaltung der in dem organischen Keim vorhandenen Anlagen. Das geistige Leben dagegen, das auf triebhafter Naturgrundlage ruht, kann sich nur in beständigem Kampf mit dieser zu seinem eigenen Wesen entfalten. Sein Vorzug aber besteht darin, daß im Gegensatz zur Natur, wo die einzelnen Entwicklungsstufen, ohne voneinander zu wissen, einfach aufeinander folgen, im geistigen Leben nicht nur jede Veränderung überhaupt einen Fortschritt bedeutet (während die Gattungen in der Natur unverändert bleiben), sondern die höhere Stufe die niederen in sich umfaßt. Ist so die Natur die räumliche Entfaltung der Idee, so die Weltgeschichte ihre zeitliche. Sie erfolgt in einem (der Stufenfolge des Bewußtseins im Einzelmenschen parallelen) Stufengang, dessen Gehalt und Endzweck das Bewußtsein der Freiheit ist. Auf der ersten Stufe ist der Geist noch unfrei in die Natürlichkeit versenkt: es ist der Zustand der orientalischen Welt. Auf der zweiten beginnt er sich aus diesem Zustand zu lösen und zum Bewußtsein der Freiheit zu erwachen: griechisch-römische Welt. Auf der dritten endlich erhebt sich der Mensch als Mensch zum vollen, klaren Selbstbewußtsein seiner Geistigkeit und Freiheit: christlich-germanische Welt.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1927

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  • Karl Weidel

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