Advertisement

Die Antiken und die Germanischen Grundlagen

  • Carl Brinkmann

Zusammenfassung

Am Anfang der politischen Geschichte Deutschlands steht ein Staat, der zur Zeit seiner höchsten Machtentfaltung von den heute deutschen Gebieten nur die westliche Hälfte umfaßte und. seinen Schwerpunkt fast ganz außerhalb ihrer, auf provinzialrömischem Boden in Gallien und am Rhein hatte. Es ist das Fränkische Reich, wie es gleich nach dem Untergang des Weströmischen Reichs um die Wende des 5. und 6. Jahrh. Chlodwig begründet hatte, wie es sich dann die ersten Beamten seiner Dynastie, die Hausmeier aus der Pippinidenfamilie, zuerst tatsächlich und nach dem Staatsstreich von 754 auch rechtlich aneigneten und wie es endlich Karl der Große, der Sohn des Usurpators Pippin, nach Eroberung Sachsens, Bayerns und Italiens durch die Kaiserkrönung vom Weihnachtstag 800 zu einem neuen Reich ausgestaltete. Man sieht, die erste Grundlage und die allgemeinsten politischen Formen dieser Staatsbildunggehörten dem Lebenskreis an, den man im Gegensatz zum germanischen den romanischen nennt; die römische Papstkirche hat mit ihrem geistigen Ansehen Chlodwigs Königtum, Pippins Usurpation und Karls Kaisertum gerade deshalb entschieden, weil sie dadurch mehr noch als von Byzanz von den germanischen Eroberern Italiens, den Goten und den Langobarden, entlastet wurde und schließlich sogar einen weltlichen Machtbereich, den Kirchenstaat, für sich begründen konnte. Daß kirchlich Goten und Langobarden das vom Papsttum verketzerte arianische Christentum bekannten, das Frankenreich aber von vornherein rechtgläubig und seit der Mission des Bonifatius vollends dem Papsttum untertan war, ist nur ein anderer Ausdruck für denselben Sachverhalt. Die „Renaissance“ Karls des Großen vereinigte Künstler und Gelehrte aller Germanenstämme unter dem Ideal der lateinischen Bildung. Der Name des Frankenreichs ist nicht an Deutschland, sondern an seiner Hauptgegnerin, der führenden unter den romanischen Nationen, haften geblieben.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1922

Authors and Affiliations

  • Carl Brinkmann

There are no affiliations available

Personalised recommendations