Advertisement

Bauplan und Baustil der Gebirge

  • Alfred Hettner
Chapter
  • 21 Downloads

Zusammenfassung

Für die naive Auffassung sind die Kämme und Berge, überhaupt die Vollformen das unmittelbar Gegebene, die Täler und überhaupt die Hohlräume keine selbständigen Gebilde, sondern die zwischen jenen übrig bleibenden Lücken. Auch die Wissenschaft hat diese Auffassung zunächst übernommen. Als sie der Entstehung der Gebirge näher trat, faßte sie sie mehr oder weniger so, wie sie uns in der Natur entgegentreten, als tektonische Gebilde auf, die ihre Entstehung hauptsächlich einer Hebung verdankten; die Täler waren bei der Hebung gebildete klaffende Spalten. Diese Auffassung war ein notwendiger Durchgangszustand, und man sollte darum nicht hochmütig auf sie herabsehen. Der erste Schritt der Erkenntnis mußte sein, daß man die Abhängigkeit der Oberflächenformen vom inneren Bau feststellte; erst danach konnte man die Abweichungen erkennen. Diese haben sich im Fortschritte der Untersuchung in der Tat als immer größer erwiesen; immer mehr hat man die große Bedeutung der Erosion und überhaupt der Abtragung würdigen gelernt, immer mehr hat sich der Unterschied des Gebirges, wie es wirklich ist, von dem Gebirge, wie es ohne oberflächliche Abtragung wäre, oder, anders ausgedrückt, der Unterschied der wirklichen von der tektonischen Oberfläche herausgestellt. Fast nur ganz junge Vulkane haben noch das Antlitz, das sie durch den Vulkanismus bekommen. haben, durch Regenrisse nur wenig verändert. In manchen Kettengebirgen sind die einzelnen Faltengewölbe und in manchen Schollengebirgen die einzelnen Horste Kämme, denen Mulden und Gräben als ‘I’alungen gegenüberstehen; aber solche Fälle sind kaum die Regel, sondern eher Ausnahmen. Nicht nur die Täler sind von Flüssen eingeschnitten, sondern auch die breiten Rücken zwischen den Tälern sind durch Abtragung entstan den, und oft oder vielmehr meist müssen wir uns das Gebirge in seiner tektonischen Form, d. h. wie es ohne Abtragung sein würde, hoch über alle heutigen Kämme und Gipfel aufragend und der Zerstörung zum Opfer gefallen denken. Ich brauche nur etwa an Heims Untersuchung der Tödi-Windgällengruppe oder Neumayrs Betrachtungen über die süddeutsche Stufenlandschaft und die Insel Kos zu erinnern. An der Erkenntnis der ungeheuren Bedeutung der Zerstörung und Abtragung ist ja die Morphologie erst zu einer besonderen, der Tektonik gegenüberstehenden wissenschaftlichen Disziplin herangewachsen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Notes

Literatur

  1. 1).
    Geogr. Zeitschrift 1913 S. 185 ff.Google Scholar
  2. 1).
    Vergl. Eduard Richters „Morphologie der Alpen“ und meine „Sächsische Schweiz”, bes. S. 96.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1921

Authors and Affiliations

  • Alfred Hettner
    • 1
  1. 1.HeidelbergDeutschland

Personalised recommendations