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In der lutherischen Landeskirche

  • Otto Kaemmel
Part of the Geschichte des Geistigen Lebens in Leipzig book series (SKSKG)

Zusammenfassung

Die lutherische Reformation im albertinischen Sachsen ging nicht aus einer starken Volksbewegung hervor, sondern sie wurde in dem Lande von oben her als eine fertige, von Kursachsen übernommene Form eingeführt. Sie entsprach auch hier unzweifelhaft den Anschauungen der großen Mehrheit, aber in den leitenden Schichten, im Adel wie in dem höheren Bürgerstande, dem städtischen Patriziat, traf sie zunächst eher auf Abneigung als auf Zustimmung.1) Indem sie hier wie überall im protestantischen Deutschland die Macht des Landesherrn und der Stände, also des Adels und der Stadtgemeinden, durch die Einziehung der Kirchengüter und die Erwerbung des Patronats verstärkte, machte sie auch die öffentlichen Schulen zu dienenden Gliedern der weltlich-geistlichen Oligarchie des ständisch-territorialen Staats. Mit dem freien Humanismus, der eine selbständige geistige Macht gewesen war, ging es damit zu Ende, zu Ende auch mit der regen, befruchtenden, den Blick weitenden Geistesgemeinschaft zwischen Deutschland und Italien, das sich mehr und mehr den nordischen Ketzern verschloß. Hatten sich die Lehrer der Schulen bisher, weil sie als halbe Geistliche galten, als Glieder einer weltumspannenden Organisation, und soweit sie Humanisten waren, auch als Streiter in einem für die neue, freie Bildung kämpfenden großen Heere Gleichgesinnter fühlen dürfen, so verkümmerten sie jetzt zu schlecht bezahlten, wenig geachteten, demütigen Dienern einer Stadtgemeinde oder eines kleinen Territoriums.

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Hinweise

  1. 1).
    Über diesen Neubau s. S(achse), das alte Schulgebäude der Thomana in Leipzig, Wissenschaftl. Beilage der Leipziger Zeitung 1902 Nr. 47 und im Festprogramm von 1877 S. 17. L. Fr. Richter, Das Innere der alten Thomasschule, in den Schriften des Vereins für die Geschichte Leipzigs 7. Band (1904) 32. Das treuste Bild des Hauses von 1553 gibt offenbar das Titelbild der Schulordnung von 1723 bei Gr. Wustmann, Leipzig durch drei Jahrhunderte (1891), vgl. S. 3, 14, und Sachse, Festprogramm 1877. Das ebendort auf der zweiten Tafel reproduzierte Bildchen weicht davon insofern ab, als es nur ein Stockwerk zeigt, aber daß es die Thomasschule vor 1553 darstellt, bestreitet Wustmann a. a. O. S. 3 A., weil der Stich erst von 1702 stammt; der Stecher hat wohl eine ältere Abbildung oder den eignen Augenschein in dem sehr kleinen Format nur ungenau wiedergegeben.Google Scholar
  2. 6).
    a. a. O. Bl. 9, vgl. Fürstenau in der A. D. B. 7, 8, der sein Amt in Leipzig nicht erwähnt; J. A. Müller, Versuch einer Gesch. der Fürstenschule zu Meißen II 251 f. (1789).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1909

Authors and Affiliations

  • Otto Kaemmel

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