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Zeitordnung und Kausalzusammenhang

  • Josef Winternitz
Part of the Wissenschaft und Hypothese book series (WH, volume 23)

Zusammenfassung

Wir sagten oben, eine apriorische Widerlegung der Relativität der Gleichzeitigkeit wäre nur so möglich, daß man ihre Unverträglichkeit mit den allgemeinsten Prinzipien, die Naturerkenntnis erst möglich machen, nachweist. Ein solcher Widerspruch scheint nun tatsächüch zum Kausalgesetz zu bestehen, sofern die ursächliche Beziehung ein bestimmtes Zeitverhältnis verlangt. Die Relativitätstheorie läßt die Möglichkeit zu, daß in dem einen System A auf B, in einem anderen B auf A folgt, und daß eine dieser Behauptungen so berechtigt ist wie die andere.

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Referenzen

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    Vgl. die oben zitierte Abhandlung Kantstudien XXV, 4.Google Scholar
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    A. a. O. Chap. III. Hier spielt, glaube ich, das Fehlen einer scharfen Unterscheidung zwischen dem Erleben der unmittelbaren Wahrnehmung und dem indirekten Denken eines physikalischen Tatbestandes mit. Wenn mit der Möglichkeit einer vollkommenen Vorausbestimmung auch die eines vollkommenen Wahrnehmungserlebens verknüpft wäre, dann verschwände in der Tat der Unterschied zwischen Gegenwart und Zukunft. Solange der künftige Zustand aber immer nur gedacht werden kann, sei es auch noch so bestimmt, bleibt er von der erlebten Gegenwart vollkommen verschieden. Ich vermute diesen Irrtum bei Eddington, weil er an derselben Stelle die Möglichkeit einer Einwirkung der Zukunft auf die Vergangenheit behauptet und als Beispiel dafür anführt, daß er um der künftigen Sonnenfinsternis willen ausgezogen ist, um sie zu beobachten. Er meint, hier dürfe man nicht einwenden, daß es doch nur die Kenntnis dieser Sonnenfinsternis war, nicht die Sonnenfinsternis selbst, die diese Wirkung hatte; denn in dieser Weise sei ja alles Wirkliche außer dem hier und jetzt Wirklichen nur indirekt gedacht. Das ist gewiß richtig, hindert aber nicht, daß das Denken und das Gedachte in dem einen wie in dem anderen Fall grundverschieden sind.Google Scholar
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    Zwar ist nicht Kenntnis der Gleichzeitigkeit an verschiedenen Orten für die Bestimmung der Fernwirkung notwendig, sondern umgekehrt würde das Bestehen von Fernwirkung, das sich in der Unabhängigkeit der Zeit des Hin- und Hergangs eines Signales von der Entfernung der Empfangsstation mit Hilfe einer Uhr an einem Ort feststellen ließe, eine Definition der Gleichzeitigkeit ermöglichen. Es käme aber auf das Gleiche hinaus, wenn diese Unabhängigkeit zwar nicht im strengen Sinne bestände, wenn jeder Hin- und Hergang eine gewisse durch die Verzögerung an den beiden Stationen seihst nicht erklärbare Zeit in Anspruch nähme, wenn sich aber diese Zeit infolge der Existenz von beliebig großen Geschwindigkeiten unter jede Grenze, also auch unter die Grenze der jeweils möglichen Beobachtungsgenauigkeit herabdrücken ließe.Google Scholar
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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1923

Authors and Affiliations

  • Josef Winternitz
    • 1
  1. 1.PragTschechische Republik

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