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Der Sinn der Relativität von Raum und Zeit

  • Josef Winternitz
Part of the Wissenschaft und Hypothese book series (WH, volume 23)

Zusammenfassung

Was in diesem Kapitel entwickelt wird, gilt den einen als Binsenwahrheit, den anderen als Absurdität. Die ausführliche Darstellung und Begründung wird also weder dem einen, noch dem anderen Teile recht sein. Ich halte es aber für unerläßlich, erst über die Grundfragen Klarheit zu schaffen, ehe man das weniger Triviale erörtert. Ich bin überzeugt, daß, wer den Sinn der Relativität und die Unmöglichkeit, Absolutes von dem seinem Wesen nach Relativen auszusagen, an diesem einfachsten Fall vollkommen begriffen hat, auch die Grundgedanken der Relativitätstheorie leicht erfassen wird, wie auch, daß beinahe alle sogenannten philosophischen Einwände gegen diese Theorie in dem Unverständnis gegenüber diesen primitivsten, von den Physikern meist als Selbstverständlichkeit vorausgesetzten Tatsachen wurzelt.

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Referenzen

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    Die psychologische Unklarheit der Kantischen Raum-Zeit-Lehre kommt meines Erachtens eben daher, daß Kant hier nicht zwischen dem Anschaulichen und Begrifflichen die richtige Scheidelinie zieht, sondern aus beiden den Zwitter „reine Anschauung“ macht.Google Scholar
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    An dieser Art der Ortsbestimmung auf der Erdoberfläche kann sich übrigens auch, wer niemals analytische Geometrie getrieben hat, den Begriff des Koordinatensystems klar machen. Die Lage des Äquators und des Nullmeridians und die Einteilung des Quadranten gerade in 90 ° ist ganz willkürlich gewählt. Dadurch ist aber schon jedem Punkte in eindeutig bestimmter Weise ein Zahlenpaar zugeordnet.Google Scholar
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    Daß dieser Sachverhalt in E. Machs „Mechanik“ schon mit aller Klarheit auseinandergesetzt ist, konnte mich nicht hindern, das hier noch einmal zu tun, da noch immer fast täglich eine Abhandlung erscheint, die keine Spur von Verständnis für diese einfachen Verhältnisse verrät.Google Scholar
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    Zu einer Diskussion, in der O. Kraus die Brentanosche Auffassung gegen den von Ph. Frank erhobenen Einwand des logischen Zirkels zu verteidigen suchte (abgedruckt in der Zeitschrift „Lotos“, Prag 1919/20, S. 146ff.), sei noch bemerkt: Es handelt sich natürlich nicht darum, ob der Begriff der relativen Bewegung, sondern, ob der des bloß relativ, nicht absolut bewegten Körpers unbestimmt, allgemein und daher die Annahme seiner Existenz widersprechend ist. Das folgt eben nur, wenn man die zu beweisende Behauptung, daß der Ort eines Körpers sich nicht in Beziehungen erschöpft, sondern absolute Bestimmungen beinhaltet, voraussetzt. Indem man diesen Zirkel nachweist, begeht man natürlich nicht den entsprechenden Fehlschluß, die Relativität der Bewegung zu ihrem Erweise zu benützen. Denn die Widerlegung eines falschen Beweises will bekanntlich gar nicht Beweis des Gegenteils sein.Google Scholar
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    Die prinzipielle Bedeutung dieser Bemerkung wird später noch klarer werden, wenn wir von der Koinzidenz der Weltpunkte sprechen werden.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1923

Authors and Affiliations

  • Josef Winternitz
    • 1
  1. 1.PragTschechische Republik

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