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Die Relativitätstheorie im Streite der Schulen

  • Josef Winternitz
Part of the Wissenschaft und Hypothese book series (WH, volume 23)

Zusammenfassung

Nachdem wir die Grundgedanken der Theorie, ihre er kenntnistheoretischen Grundlagen und Ergebnisse, von dem eingangs entwickelten Gesichtspunkt aus dargelegt haben, erübrigt noch die Aufgabe einer kurzen kritischen Auseinandersetzung mit den bisher unternommenen Versuchen, den philosophischen Gehalt der in der Relativitätstheorie enthaltenen Ideen zu bestimmen bzw. sie einem philosophischen System einzugliedern. Wir beschränken uns dabei auf das Grundsätzliche, da ja die Diskussion von Einzelheiten dort in der Regel unfruchtbar ist, wo die Übereinstimmung in den Grundanschauungen fehlt.

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Referenzen

  1. 1.
    Natorp, „Logische Grundlagen“ im Schlußkapitel. E. Sellien, „Die erkenntnistheoretische Bedeutung der Relativitätstheorie“, Berh’n 1919 (Ergänzungsheft Nr. 48 der „Kantstudien“). I. Schneider, „Das Raum-Zeit-Problem bei Kant und Einstein“. Berlin 1921, Springer. E. Cassirer, „Zur Einsteinschen Relativitätstheorie*’. Berlin 1921, Cassirer.Google Scholar
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  3. 3.
    Vgl oben Kap. II, § 5.Google Scholar
  4. 4.
    „Raum“ bedeutet hier natürlich soviel wie Bezugssystem.Google Scholar
  5. 5.
    H. Weyl nennt darum das Koordinatensystem außerordentlich treffend „das letzte Residuum der Ich-Vernichtung“. Wir haben eingangs von der aufgegebenen Welt gefordert, daß sie von allen denkenden Subjekten als die gleiche gedacht wird. Bei den Naturgesetzen ist das durch ihre Kovarianz direkt durchgeführt. Aber es gilt auch für die Angaben, die sich auf ein bestimmtes Koordinatensystem beziehen, insofern es ja prinzipiell jedem Subjekt möglich ist, sich dieses System zu wählen, oder, wenn er die Beziehungen seines eigenen Systems zu diesem anderen kennt, das für sein System Gültige aus den Angaben in bezug auf das andere herzuleiten.Google Scholar
  6. 6.
    Für diese Auffassung hat sich bekanntlich auch Helmholtz erklärt, allerdings von ganz anderen Voraussetzungen aus.Google Scholar
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    „Allgemeine Erkenntnislehre“. Berlin 1918, Springer. S. 208 ff. „Kantstudien“, Bd. XXVI, Heft 1–2, S. 96ff.Google Scholar
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    Diese Aufzählung beansprucht natürlich nicht Vollständigkeit. Wahrscheinlich gehört auch der Erhaltungssatz hierher.Google Scholar
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    Zeitschr. für pos. Phil. II, 1914, S. 40.Google Scholar
  12. 13.
    Das Problem der Geschichtswissenschaft gehört natürlich nicht hierher. Ich will aber doch bemerken, daß ich in dieser Bezogenheit auf das Einzelne nicht den wesentlichen Charakter oder gar einen wesentlichen Vorzug der historischen Wissenschaften sehen kann, vielmehr glaube, daß auch sie bestrebt zu sein haben, auf dem Wege soziologischer Betrachtung zur Gesetzeserkenntnis vorzudringen.Google Scholar
  13. 14.
    Ich wähle die Formulierung absichtlich allgemeiner, als es der bloßen kausalen Abhängigkeit entsprechen würde. Denn wenn es auch für die Möglichkeit der Naturerkenntnis ausreichend wäre, wenn es nur Gesetze der kausalen Abfolge gäbe und wir daher nur das Bestehen solcher Gesetze a priori erwarten können, so ist die Welt doch höchstwahrscheinlich nicht so eingerichtet, daß für das Nebeneinander gar keine Gesetze bestehen. Was wir bis heute an derartigen Gesetzen kennen, ließe sich allerdings als Folge der kausalen Abhängigkeiten deuten, sofern diese Gleichgewichtszustände herbeiführen, die durch bestimmte Beziehungen gleichzeitiger Zustandsmerkmale gekennzeichnet sind, aber es müßte nicht allgemein so sein. Mit dem Hinweis auf die gleiche Beschaffenheit aller Elektronen sagte Einstein einmal, es sei eine seiner tiefsten wissenschaftlichen Überzeugungen, daß es auch solche Gesetze des Nebeneinander geben müßte.Google Scholar
  14. 15.
    Die von Raymund Schmidt in den Annalen der Philosophie II, 3 befolgte Methode, überall dort Fiktionen zu wittern, wo man die Partikel „als ob“ anwenden kann, ist doch etwas zu primitiv. Was soll man dazu sagen, wenn der fiktionalistische Charakter der allgemeinen Theorie durch die Formulierung begründet wird: „Die Naturgesetze verhalten sich, als ob sie allgemein kovariant wären“, wo doch dieses Verhalten eine so sichere mathematische Tatsache ist (natürlich die Einsteinschen Gesetze vorausgesetzt, aber andere verhalten sich nicht einmal so, „als ob“), wie daß sich 2 × 2 so verhält, „als ob“ das Produkt gleich 4 wäre.Google Scholar
  15. 16.
    Eine chaotische Welt, in der überhaupt keine Gesetze gelten würden, ist eine sinnlose Vorstellung, weil die Welt im Sinne der Physik nur so weit gedacht werden kann, als sie gesetzlich gedacht wird. Aber die Komplikation könnte so groß sein, daß keine Gesetze festzustellen wären. Dann gäbe es aber überhaupt keine Welt außer uns, und Organismen würden nicht existieren, da sie sich nicht anpassen könnten.Google Scholar
  16. 17.
    Reichenbach (a. a. O. S. 77) meint allerdings, daß auch das Kausalgesetz, nach meiner Auffassung der Kern der apriorischen Prinzipien der Physik, im weiteren Gang der Wissenschaft überwunden werden wird, ja er glaubt das schon in der Weylschen Elektrizitätstheorie geschehen, weil dort „Zeit- und Raumbestimmungen explizit in die Naturgesetze eingehen“. Nun ist zwar gar nicht der Inhalt des Kausalgesetzes die Trivialität, daß das Geschehen in einem Weltpunkt davon unabhängig ist, welche Koordinatenzahlen man ihm zuordnet, aber die Weylsche Theorie verstößt so wenig dagegen wie gegen das Kausalgesetz. Reichenbach ist wohl zu diesem Mißverständnis gekommen durch die öfters gebrauchte nicht sehr präzise Ausdrucks weise, daß nach dieser Theorie die Länge eines Maßstabes und die Gangart einer Uhr „von ihrer Vorgeschichte abhängt“; das bedeutet aber keineswegs eine Bergsonsche „wahre Dauer“, welche Wirkungen hervorbringt, sondern die Abhängigkeit dieser Größen von der Art der kongruenten Übertragung, die natürlich nur durch die physikalischen Größen (elektrische Potentiale), die auf dem Wege angetroffen werden, nicht durch irgendwelche Orts- und Zeitbestimmungen für sich charakterisiert sein kann.Google Scholar
  17. 18.
    Veröffentlicht in der Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift 1920, Nr. 34.Google Scholar
  18. 19.
    Abgesehen davon, daß diese Absicht der Rettung der „Freiheit“ in die Grundlagenfragen der exakten Wissenschaften nicht hineinspielen darf, scheint mir auch mit einer solchen Freiheit im Reich des Lebens und der Tat nichts gewonnen. Doch ist hier nicht der Ort, das aufs neue zu begründen, was von Spinoza bis Schopenhauer oft genug begründet wurde.Google Scholar
  19. 20.
    Die Richtung des tatsächlichen Ablaufs des Geschehens ist uns durch unseren Bewußtseinsverlauf eindeutig gegeben. Nun hängt diese Bewußtseinstatsache zweifellos auch von Tatsachen der physischen Welt ab. Ich lasse hier die Möglichkeit offen, daß es in letzter Linie doch auch ein Gesetz der physischen Welt ist, welches, das organische Geschehen regulierend, eben diese uns unmittelbar bewußte Einsinnigkeit bedingt.Google Scholar
  20. 21.
    Am Schlusse des Buches „Space, Time and Gravitation“ und „Mind“ XXIX N. S. Nr. 114, 116.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1923

Authors and Affiliations

  • Josef Winternitz
    • 1
  1. 1.PragTschechische Republik

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