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Heimatschutzgesetze

  • Friedrich Schultz
Chapter
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Part of the Teubners Technische Leitfäden book series (TTL)

Zusammenfassung

Die Verunstaltungsgesetze der einzelnen deutschen Bundesstaaten sind der unermüdlichen Aufklärungsarbeit der Heimatschutzbewegung zu verdanken, die allmählich unter den Mitgliedern der Regierung wie der Parlamente eine immer wachsende Zahl rühriger Anhänger erwarb. Man war bis etwa zu Anfang des 20. Jahrhunderts ganz allgemein der Ansicht, daß die Pflege des Schönen das Recht und vielleicht auch die Pflicht des Bauherrn und seiner Ratgeber, keinesfalls aber die Aufgabe der staatlichen oder Gemeindepolizei wäre. Schon die Tatsache, daß es keine wörtlich festgelegten, allgemein anerkannten Gesetze der Schönheit gibt, und daß deshalb die Baukunst den Strömungen der Mode unterworfen ist, gab immer wieder den Gegnern der Gesetze gegen die Verunstaltung bei der großen Menge recht. Das private Interesse aller Bauspekulanten, die falsche Vorstellung, daß Schönheit teuer sei, der Eigensinn des einzelnen und die allgemeine Abneigung gegen die nicht immer glückliche Hand der Polizeigewalt verhinderten ein rechtzeitig vorbeugendes Eingreifen. Es bedurfte erst des augenfälligen öffentlichen Nachweises des ungeheuren Schadens, den das Gehenlassen angerichtet hatte, um die Stumpfheit der breiten Masse zu besiegen. Ein riesiges, dem ganzen Volke gehöriges Kapital an Kulturwerten mußte erst vernichtet werden, Wolkenkratzer mit Brandgicbeln auf dem Dorfe, die riesenhafte scheußliche Reklame an den Eisenbahn- und Wasserstraßen, die häßlichsten Ausgeburten der Unternehmerphantasie neben den Baudenkmälern der Zeit unserer Väter, falsch freigelegte Kirchen, abgetragene herrliche Torbauten als Opfer des Verkehrsmoloch usw. mußten das Volk erst aufrütteln, um die gesetzgeberische Tat hervorbringen zu können. Schulze — Naumburg hat das besondere, die Zeiten überdauernde Verdienst, daß er durch seine Kulturarbeiten die Gebildeten sehen gelehrt, ihren Sinn für das Schöne geschärft und den Willen zum Kampf gegen die schleichende Verunstaltung gestärkt hat. Ihm ist aber vor allem auch die sieghafte Erkenntnis zu danken, daß gerade die bescheidensten und einfachsten Bauten unserer Väter schöner sind als alle so viel teureren Werke der letzten Jahrzehnte, daß also Schönheit nicht ein unbezahlbarer Luxus der Reichen, sondern ein allen erreichbares Gemeingut ist.

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Notes

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1921

Authors and Affiliations

  • Friedrich Schultz
    • 1
  1. 1.BielefeldDeutschland

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