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Feministische Pädagogik

  • Annedore Prengel
Part of the Reihe Schule und Gesellschaft book series (SUGES)

Zusammenfassung

Die aus der neuen Frauenbewegung hervorgegangene Feministische Pädagogik ist Initiatorin einer neuen Aufmerksamkeit für die patriarchalischen Strukturen des Bildungswesens und die großen Unterschiede in der Erziehung von Mädchen und Jungen. Sie setzt sich für die Emanzipation der Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen und damit für eine Neugestaltung des Geschlechterverhältnisses in der Bildung ein. Die Feministische Pädagogik umfaßt wie die Frauenbewegung unterschiedliche, zum Teil sogar gegensätzliche Strömungen, die sich (vereinfachend) kennzeichnen lassen als Opposition zwischen Gleichheitspositionen auf der einen und Differenzpositionen auf der anderen Seite.1

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Hinweise

  1. 1.
    Vgl. die Darstellung der verschiedenen Strömungen in feministisch-pädagogischen Diskursen in Prengel 1986c, für die allgemeine feministische Diskussion: Cornelia Klinger: Andere Leiden — Andere Kämpfe. Überlegungen zu einem andersartigen Verständnis von Differenz im Feminismus, in: Kommune 9/1988, 6–10; Iris Marion Young: Monismus, Gynozentrismus und feministische Kritik, in: Elisabeth List/ Herlinde Studer (Hg.): Denkverhältnisse Feminismus und Kritik, Frankfurt 1989, 37-65.Google Scholar
  2. 4.
    Zur Geschichte der pädagogischen Frauenforschung vgl. Annedore Prengel: Das hierarchische Geschlechterverhältnis ist ein traditionelles. — Zur Notwendigkeit der Institutionalisierung schulbezogener Frauenforschung, in: Enders-Dragässer (Hg.): Frauen Macht Schule; Dokumentation der 4. Fachtagung der AG Frauen und Schule, Frankfurt 1986a, 25-30; Elke Nyssen/ Bärbel Schön: Traditionen, Ergebnisse und Perspektiven feministischer Schulforschung, in: Zeitschrift für Pädagogik 6/1992, 855–871.Google Scholar
  3. 6.
    Vgl. zur Koedukationsdiskussion: Sigrid Metz-Göckel: Licht und Schatten der Koedukation. Eine alte Debatte neu gewendet, in: Zeitschrift für Pädagogik 4/1987, 455–474.Google Scholar
  4. Jaqueline Kauermann-Walter/ Maria Anna Kreienbaum/ Sigrid Metz-Göckel: Formale Gleichheit und diskrete Diskriminierung: Forschungsergebnisse zur Koedukation, in: Jahrbuch der Schulentwicklung, Bd. 5, 1988, 157–158; Gertrud Pfister: Zurück zur Mädchenschule? Pfaffenweiler 1988; Hannelore Faulstich-Wieland: Abschied von der Koedukation? München 1987.Google Scholar
  5. 9.
    Vgl. Ruth Waldeck: Der rote Fleck im dunklen Kontinent, in: Zeitschrift für Sexualforschung 4/1988, 337–350.Google Scholar
  6. 20.
    Vgl. den bis heute noch grundlegenden Artikel von Gisela Bock und Barbara Duden »Arbeit aus Liebe — Liebe aus Arbeit«, in: Frauen und Wissenschaft, Berlin 1977, 118-190. Für die Verlustseiten für Frauen in der Entwicklung der Moderne vgl. auch Joan Kelly-Gadol: Did women have a Renaissance?, in: Renate Bridenthal/ Claudia Koonz (Hg.): Becoming visible. Women in European history, Boston 1977, 139ff und Schaeffer-Hegel: Feministische Wissenschaftskritik: Angriffe auf das Selbstverständliche in den Geisteswissenschaften, in: Barbara Schaeffer-Hegel/ Brigitte Wartmann (Hg.): Mythos Frau. Projektionen und Inszenierungen im Patriarchat, Berlin 1984, 36-60. Die patriarchalische Geschichtsschreibung projiziert in der Regel ihr Bild der hierarchischen Geschlechterdifferenz auch auf die vergangenen historischen Epochen. Sie tendiert darum dazu, Frauen als schutzbedürftige, abhängige, unselbständige und unqualifizierte Wesen (in einem Atemzug mit den Kindern) zu sehen. Die historische Frauenforschung hat mittlerweile aus ihrer Perspektive entdeckt, daß mit der Industrialisierung eine Vertreibung der Frau aus eigenen traditionellen landwirtschaftlichen, handwerklichen, medizinischen, wissenschaftlichen etc. Kompetenzbereichen und ihre Ghettoisierung im Haus einhergingen (Anette Kuhn u.a. (Hg.): Frauen in der Geschichte Bd. I-VII, 1979f). Leider kann diese teilweise noch recht wenig bekannte spezifisch neuzeitliche, vermutete Entmachtung und Dequalifizierung der Frauen hier nicht weiter verfolgt werden, das würde den Rahmen der Studie sprengen. Ich verweise auf einschlägige Literatur: Für die Land-und Hauswirtschaft: Bock/ Duden 1977; Ivan Illich: Genus. Zu einer historischen Kritik der Gleichheit, Reinbek 1983; für die Politik: Maria Mies: Die Französische Revolution und der Abstieg der Frauen, in: Kommune 6/1989, 6–9; für das Handwerk: Anke Wolf-Graaf: Frauenarbeit im Abseits. Frauenbewegung und weibliches Arbeitsvermögen, München 1981; für Medizin, Geburtshilfe, Verhütung: Becker u.a.: Aus der Zeit der Verzweiflung. Zur Aktualität und Genese des Hexenbildes, Frankfurt 1977; Gunnar Heinsohn/ Rolf Knieper/ Otto Steiger: Menschenproduktion. Allgemeine Bevölkerungslehre der Neuzeit, Frankfurt 1979; Claudia Honegger (Hg.): Die Hexen der Neuzeit. Studien zur Sozialgeschichte eines kulturellen Deutungsmusters, Frankfurt 1978. Zu Illichs (1983) Interpretation der geschlechtlichen Dualität des sozialen Genus sei hier bemerkt, daß er die vorindustrielle Arbeitsteilung glorifiziert, indem er die, trotz eines eigenen weiblichen Machtbereichs häufig sehr massive und brutale Herrschaft des Mannes über die Frau beschönigend beiseite läßt. Im Gegensatz zu Illich behauptet Shorter einen außerordentlich miserablen Wissensstand traditioneller ländlicher Hebammen, die Idee einer ländlichen von Frauen tradierten Heil — und Hebammenkunst ist seinem Ansatz fremd. Erst die Verbreitung der Schulmedizin brachte nach Shorter der Frau die Befreiung von den Fesseln des Körpers. Beide genannten Untersuchungen zeichnen sich durch übliche Muster der Verkennung der Situation der Frau aus: illusionäre Beschönigungen einerseits und diskriminierende Verschlechterung, die das Leben der Frauen noch defizitärer darstellt, als es ist, andererseits. Vgl. Edward Shorter: Der weibliche Körper als Schicksal. Zur Sozialgeschichte der Frau, München 1984. Hier ist ein weiteres Werk eines männlichen Autors zur Geschlechterdifferenz zu erwähnen: Auch der Ethnologe K. Müller schlägt diesmal sogar alle Frauen dieser Welt und aller Menschheitsepochen über den gleichen Leisten: Frauen seien immer und überall die’ schlechtere Hälfte’ gewesen, da es nie Frauenbündnisse gegeben habe — eine unbewiesene Behauptung und falsche kausale Verknüpfung! Vgl. Klaus E. Müller: Die bessere und die schlechtere Hälfte. Ethnologie des Geschlechterkonflikts, Frankfurt/ New York 1984.Google Scholar
  7. 31.
    Vgl. hierzu Christina von Braun: Nichtich, Logik, Liebe, Libido, Frankfurt 1988, 324tt; Klaus Theweleit: Männerphantasien, 2 Bde., Frankfurt 1977 und 1978; Klaus Heinrich: Geschlechterspannung und Emanzipation, in: Das Argument 4/1962, 22–25; ders.: Dahlemer Vorlesungen, tertium datur. Eine religionsgeschichtliche Einführung in die Logik. Frankfurt 1981, 15ff; Prengel 1984, 96f und 105f; Prengel 1987, 121f. Für den Niederschlag, den die Desexualisierung der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft in den zeitgenössischen Diskursen der Nachschlagewerke gefunden hat, vgl. Pia Schmid/ Christina Weber: Von der »wohlgeordneten liebe« und der »so eigenen Wollust des Geschlechtes«: zur Diskussion weiblichen Begehrens zwischen 1730 und 1830, in: Jutta Dalhoff u.a. (Hg.): Frauenmacht in der Geschichte: Beiträge des Historikerinnentreffens 1985 zur Frauengeschichtsforschung, Düsseldorf 1986, 150-165.Google Scholar
  8. 32.
    Schaeffer-Hegel 1984, 58; Weitere Aspekte einer Rousseau-Deutung, für die im Rahmen dieser Studie ein kurzer Hinweis genügen muß, finden sich in: Ulrike Prokop: Die Konstruktion der idealen Frau. Zu einigen Szenen aus den ‘Bekenntnissen’ des Jean Jacques Rousseau, in: Feministische Studien l/1989a, 86–121.Google Scholar
  9. 68.
    Vgl. die Arbeiten von Irene Stoehr: Die gemäßigte Frauenbewegung: Argumentation im Schatten des Geldmangels. Von der Not der Madchenbildung zur Tugend der Koedukation, in: Frauen und Schule 9/1985, 11–15 und: Mütterfeminismus — ein alter Hut? Die Frauenbewegung und die Mütterfrage seit der Jahrhundertwende, in: Dorothee Pass-Weingartz/ Gisela Erler (Hg.): Mütter an die Macht, Reinbek 1989.Google Scholar
  10. 83.
    Vgl. Prengel/ Wirbel: Abschied von der Abhängigkeit — Zur historischen und biographischen Entmachtung der Frauen, in: Beitrage zur feministischen Theorie und Praxis, »Neue Heimat Therapie«, 17/1986, 69–82.Google Scholar
  11. 101.
    Vgl. Jessica Benjamin: Die Fesseln der Liebe: Zur Bedeutung der Unterwerfung in erotischen Beziehungen, in: Feministische Studien 2/1985, 10–33.Google Scholar
  12. 113.
    Diese Kritik wird nicht etwa nur seitens der Zeitschrift »Emma« geführt. So favorisiert meines Er-achtens auch Cornelia Klinger, die in mehreren Texten Gleichheits-und Differenzpolitik einander gegenübergestellt hat, den Gleichstellungsfeminismus (1988). Das gilt ebenso für: Regina Becker-Schmitt/ Gudrun Axeli Knapp: Geschlechtertrennung — Geschlechterdifferenz. Suchbewegungen sozialen Lernens, Bonn 1987 und Gudrun Axeli Knapp: Die vergessenen Differenz, in: Feministische Studien 1/1988, 12–31. In diesen Texten findet sich berechtigte Kritik an den Weiblichkeitsidealisierungen (bei Maria Mies) und den Biologismen (bei Gisela Erler) mancher feministischer Wissenschaftlerinnen und Politikerinnen. Dennoch fehlt diesen Autorinnen die Wahrnehmung der Qualitäten der kulturellen Lebensweisen von Frauen, diese werden allzuleicht als defizitär und Resultat der Frauenunterdrückung bewertet. »Für eine Politik der Verschiedenartigkeit von Frauen«, so eine Überschrift im Buch von Becker-Schmitt/ Knapp, meint hier vor allem individuelle Vielfalt zwischen Frauen, nicht ihre kulturellen Gemeinsamkeiten, etwa auch innerhalb unterschiedlicher Gruppen von Frauen.Google Scholar
  13. 117.
    Vgl. Annedore Prengel: Der Beitrag der Frauenforschung zu einem anderen Blick auf die Erziehung von Jungen, in: Sozialmagazin 7–8/1990e, 36–47 und Franz-Gerd Ottemeier-Glücks/Annedore Prengel: Jungen suchen Männlichkeit. Soziales Lernen als schwierige Aufgabe der Jungenerziehung, in: Renate Valtin/ Gertrud Pfister (Hg.): Mädchen stärken. Probleme der Koedukation in der Grundschule (Beiträge zur Reform der Grundschule Bd. 90), Frankfurt 1993, darin umfassende Literaturangaben und-kritik zu dieser Thematik.Google Scholar
  14. 122.
    Regine Gildemeister: Geschlechtsspezifische Sozialisation. Neuere Beiträge und Perspektiven zur Entstehung des ‘weiblichen Sozialcharakters’, in: Soziale Welt 4/1988, 486–503; Gudrun Axeli Knapp: Das Konzept ‘weibliches Arbeitsvermögen’ — theoriegeleitete Zugänge, Irrwege, Perspektiven, in: Frauenforschung 4/1988, 8-19; vgl. auch die mehr moralphilosophisch argumentierende Kritik von Gertrud Nunner-Winkler, in: dies. (Hg.): Weibliche Moral. Die Kontroverse um eine geschlechtsspezifische Ethik, Frankfurt 1991.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Annedore Prengel
    • 1
    • 2
  1. 1.Universität-Gesamthochschule PaderbornDeutschland
  2. 2.Netzwerk FrauenforschungUniversitäten von Nordrhein-WestfalenDeutschland

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