Advertisement

Wahrnehmung und Gedächtnis

  • Johannes Balve
Part of the DUV Sprachwissenschaft book series (DUVSWISS)

Zusammenfassung

Döblin betrachtet in seiner Dissertation1 das Gedächtnis — in Übereinstimmung mit den psychologischen Forschungen seiner Zeit2 — als “die allgemeinste Form aller geistigen Tätigkeit”. 3 Die Gedächtnisleistung schien die Eigengesetzlichkeit psychischer Vorgänge beweisen zu können.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    A. D.: Gedächtnisstörungen bei der Korsakoffschen Psychose. A. a. O.Google Scholar
  2. 2.
    Auf der Rückseite eines Manuskriptblattes der “Gespräche” finden sich Literaturangaben zu Döblins medizinischen Arbeiten. U. a. erwähnt wird Ewald Hering: Über das Gedächtnis als eine allgemeine Funktion der organisierten Materie. Abhandlung der Wiener Akademie. Leipzig, 1870; Hering: “Man hat das volle Recht, den Begriff des Gedächtnisses auf alle nicht gewollten Reproduktionen von Empfindungen, Vorstellungen, Gefühlen und Strebungen auszudehnen und sobald dies geschieht, erweitert sich das Gedächtnis zu einem Urvermögen, welches Quell und zugleich das einende Band unseres ganzen bewußten Lebens ist.” A. a. O., S. 7Google Scholar
  3. 3.
    Alfred Döblin: Gedächtnisstörungen bei der Korsakoffschen Psychose. A. a. O., S. 5Google Scholar
  4. 4.
    A. a. O., S. 10Google Scholar
  5. 5.
    Ebd. Den gleichen Gedanken formuliert Bergson in ’matière et mémoire’ folgendermaßen: “... puisque la perception pure nous donne le tout ou au moins l’essentiel de la matière, puisque le reste vient de la mémoire et se surajoute à la matière, il faut que la mémoire soit, en principe, une puissance absolument indépendente de la matière.” Henri Bergson: Oevres. Hg. v. A. Robinet. Paris, 1970; S. 220Google Scholar
  6. 6.
    S. o. das Kap.: ’Genie und Wahnsinn’Google Scholar
  7. 7.
    Alfred Döblin: Gedächtnisstörungen bei der Korsakoffschen Psychose. A. a. O., S. 16Google Scholar
  8. 8.
    Ganz ähnlich erklärt Freud die psychischen Prinzipien ’Aufmerksamkeit’ und ’Gedächtnis’: “Diese Tätigkeit (die “Aufmerksamkeit”, J. B.) geht den Sinneseindrücken entgegen, anstatt ihr Auftreten abzuwarten. Wahrscheinlich wurde gleichzeitig damit ein System von Merken eingesetzt, welches die Ergebnisse dieser periodischen Bewußtseinstätigkeit zu deponieren hatte, ein Teil von dem, was wir Gedächtnis heißen.” Sigmund Freud: Formulierung über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehns (1911). Gesammelte Werke. Hg. v. A. Freud; Bd. 8; London, 1943; S. 230–238Google Scholar
  9. 9.
    A. D.: Gedächtnisstörungen, a. a. O., S. 19.Google Scholar
  10. 10.
    A. a. O., S. 19; hierauf weist auch Bergson ausdrücklich hin. S. Henri Bergson: ’matière et mémoire’. Oevres, a. a. O., S. 211f.Google Scholar
  11. 11.
    Bergson: “... nulle part, dans le système nerveux, il n’y a de centres conscients (...).” A. a. O., S. 212. Die assoziative Gedächtnistätigkeit ist demnach vorbewußt. Die Phänomene des Gedächtnisses entstehen nach Bergson “au point de contact entre la conscience et la matière (...).” A. a. O, S. 220Google Scholar
  12. 12.
    A. D.: Gedächtnisstörungen, a. a. O., S. 19f., Maurice Merleau-Ponty, Bergsons Nachfolger am Collège de France in Paris (ab 1952), untersuchte diese Vorgänge wahrnehmungspsychologisch. S. Maurice Merleau-Ponty: Phänomenologie der Wahrnehmung. Berlin, 1966.Google Scholar
  13. 13.
    A. D.: Die drei Sprünge des Wang-lun. A. a. O., S. 126Google Scholar
  14. 14.
    S. a. d. Szenenbeschreibung auf S. 21f.Google Scholar
  15. 15.
    Bergson: “le cerveau serait un instrument d’action, et non de représentation.” Matière et mémoire. Oevres, a. a. O., S. 221Google Scholar
  16. 16.
    S. hierzu Gutschicks Ausführungen. R. G.: Realität und Dynamik, a. a. O., S. 29ff..Google Scholar
  17. 17.
    Ein Beispiel für die phantastische Überformung wirklichkeitsnaher Beschreibungen ist der Roman ’Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine’ (Olten/ Freiburg i.B., 1982). S. hierzu Ribbats Untersuchung des surrealistischen Stils in diesem Roman. Ernst Ribbat: Die Wahrheit des Lebens im frühen Werk Alfred Döblins (Diss.). Münster, 1970; S. 190ff.Google Scholar
  18. 18.
    A. D.: Gedächtnisstörungen. A. a. O., S. 21Google Scholar
  19. 19.
    A. a. O., S. 23. Damit in Übereinstimmung stellt Döblin bei der Beeinträchtigung der Merkfähigkeit eine weitaus geringere Normabweichung als bei der Störung der Auffassung fest. Er führt ’Merkstörungen’ nicht auf ’Haftstörungen’ zurück. A. a. O., S. 25. Auch nach Bergson erklären nicht Wahrnehmungsspuren, sondern die Fähigkeiten der Aktualisierung von Gedächtnisinhalten den Erinnerungsvorgang. Hypothetisch ist jeder Moment der Vergangenheit verfügbar, wie die Erinnerungen Sterbender bestätigen. Nicht das physikalische Haften von Eindrücken, sondern die Aufmerksamkeit mithin die Intensität der psychischen Energie garantiert die Erinnerung. Deren Schwächung ist für die Störung der Aufmerksamkeit in gleicher Weise verantwortlich wie für die Störung der Erinnerung. Die Folge einer Schwächung oder falschen Verteilung der psychischen Energie bezeichnet Döblin als ’Depersonalisation’; s. A. D.: Gedächtnisstörungen, a. a. O., S. 25Google Scholar
  20. 20.
    Platon: Menon. Sämtliche Werke. Bd. 2, a. a. O., S. 26f.; 85, c.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Johannes Balve

There are no affiliations available

Personalised recommendations