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Der Künstler

  • Johannes Balve
Part of the DUV Sprachwissenschaft book series (DUVSWISS)

Zusammenfassung

Von den Untersuchungen der Experimentalpsychologie angeregt, wurden in der zweiten Hälfte des 19Jahrhunderts Zusammenhänge von Genialität und Wahnsinn erforscht und diskutiert. 1 Konfabulation, d. h. verselbständigtes Assoziieren, bei dem die Empfindungen unabhängig von den Bedingungen, die diese im Normalfall ins Verhältnis setzen, frei gestaltet werden, schien Halluzination und schöpferische Phantasie in gleicher Weise erklären zu können. 2

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Literatur

  1. 1.
    In Gang gebracht wurde die Diskussion vor allem durch Cesare Lombrosos außerordentlich erfolgreiches Werk ’Genio e Follia’, Mailand, 1864.Google Scholar
  2. 2.
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  3. 3.
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    Den Reichtum an anschaulichen Vorstellungsverbindungen macht Dilthey zum wesentlichen Unterscheidungsmerkmal zwischen Genie und den Zuständen des Wahnsinns, des Traums oder der Hypnose. Dilthey, a. a. O., S. 14ff.Google Scholar
  8. 8.
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  11. 11.
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  12. 12.
  13. 13.
    Ähnliche Ansichten über hypertrophe Veranlagungen äußert auch Max Dessoir in seiner ’Allgemeinen Ästhetik und Kunstwissenschaft’: “In jedem Betrieb, so auch in dem unseres Organismus, kommt die Mehrleistung eines Teiles nur auf Kosten anderer Teile zustande. (...) Man darf biologisch das Bewußtsein auffassen als eine allmählich entstandene Schädigung des Körpers, als eine zum Tode führende Krankheit, von der das reine Leben frei ist und man darf vermuten, daß dem Regenwurm bereits der Hund als ein Gehirnneurastheniker erscheint.” A. a. O., S. 264. Dessoir, den Döblin rückblickend als einen seiner Lehrer bezeichnete, hielt in Berlin Vorlesungen über Psychologie, Ästhetik und Philosophie.Google Scholar
  14. 14.
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    Ebd.; “Der Dichter (...) — oft ein kindliches, schlecht diszipliniertes, haltloses und perverses Geschöpf, das auch durch Narkotika und Alkohol in andere Sphären zu dringen versucht, auch um dem ärgerlichen Druck der Realität zu entgehen — (...).” A. Z. L., S. 264Google Scholar
  16. 16.
    In einer Rundfunksendung über seine eigene schriftstellerische Produktion teilt Döblin mit: “Da steht das also, was meine Tage ausgefüllt und aufgefressen hat. (...) Sie (die Bücher, J. B.) habe ich in Kost gesetzt und gepflegt und bin selber darüber alt und schwach geworden. Da stehen meine Blutsauger, meine Parasiten. Ich wollte mich immer von ihnen befreien, aber gegen ein keimendes Buch ist kein Kraut gewachsen. (...) Und ich könnte sagen, wenn ich mich ganz einer Bitterkeit hingeben wollte, sie florieren und mich haben sie zur Strecke gebracht. (...) Aber es ist mir wirklich oft, ja meistens wirklich, eine Wohltat gewesen, ja eine Wohltat dieses sich zum Opfer machen den Blutsaugern, den entstehenden und wachsenden Büchern, Parasiten.” Rundfunksendung (5. 5. 1946). ’Etwas über den Autor Alfred Döblin’ (Huguet, Bibliographie a. a. O., S. 162, Nr. 1081); Typoskript im handschriftlichen Nachlaß: Deutsches Literaturarchiv (Marbach/N), Konvolut: Rundfunkansprachen.Google Scholar
  17. 17.
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  18. 18.
    Schiller: “Es wird also erfordert, daß die Natur nicht durch ihre blinde Gewalt als dynamische, sondern daß sie durch ihre Form als moralische Größe, kurz daß sie nicht als Nothdurft, sondern als innre Notwendigkeit über die Kunst triumphiere. (...) wenn der Wille das Gesetz der Notwendigkeit frei befolgt und bei allem Wechsel der Phantasie die Vernunft ihre Regel behauptet, geht das Göttliche oder das Ideal hervor.” Friedrich Schiller: Über naive und sentimentalische Dichtung. Werke. Hg. v. Benno v. Wiese. Bd. 20, Weimar, 1962; S. 415, 419.Google Scholar
  19. 19.
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  20. 20.
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    Der ’Dumusiker’ scheint mit Nietzsches Wort ernst machen zu wollen: “Man muß tyrannisiren, um überhaupt zu wirken.”. Nietzsche Werke. VIII, 2, a. a. O. (Nachgel. Fragm. Herbst 1887 — März 1888), (1970), S. 136.Google Scholar
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  24. 24.
    Vgl. Heinrich Rickert: Die Philosophie des Lebens. Darstellung und Kritik der philosophischen Modeströmungen unserer Zeit. Tübingen, 1920; S. 61.Google Scholar
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    Döblin hatte während seiner Studienzeit den Ruf eines “unduldsamen Hegelianers”. S. Oskar Loerkes Nachwort in: A. D. / O. L.: Alfred Döblin. Im Buch — Zu Haus — Auf der Straße. Berlin, 1928; S. 127.Google Scholar
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    Im ’Das Ich über der Natur’ propagiert Döblin ein ’Denken mit den Muskeln’ (IN, S. 84). Trotz transzendentalphilosophischer Annäherung an Kant und Schopenhauer zieht er nicht deren ästhetische Konsequenzen. S. a. S. 82f..Google Scholar
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    S. IN, S. 141ff., UD, S. 50f.. Taoismus und Buddhismus sind die zentralen Themen des chinesischen Romans ’Die drei Sprünge des Wang-lun’ (Olten, Freiburg i.B., 1960) und des Versepos ’Manas’. Für seine Vorarbeiten zum ’Wang-lun’ bat Döblin Buber, ihm “Bücher betreffend chinesische Religion oder Philosophie und Verwandtes” zu nennen (Brief vom 18. 8. 1912). A. D.: Briefe. Hg. v. W. Muschg. Olten/Freiburg i.B., 1970; S. 57f. Über Döblins Nähe zum Buddhismus: M. Weyembergh-Boussart: A. D. Seine Religiosität in Persönlichkeit und Werk. Bonn, 1970; S. 188f.Google Scholar
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    Bereits die ’Gespräche mit Kalypso’ feiern die Wiederentdeckung des Ich in der Kunst: “Ja, es ist das Ich, das wahrhaft lebt, das um sich sammelt das Wahrste des Wahren, sich in Zusammenhang und Gleichmaß ergeht und findet, sich mit ihm krönt in der Kunst.” (110)Google Scholar
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    Döblins Abkehr von realistischen Erzählformen in seinen frühen Erzählungen hat Ernst Ribbat untersucht. S. E. R.: Die Wahrheit des Lebens im frühen Werk Alfred Döblins. München, 1970; S. 29ff..Google Scholar
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    Polare Gegensätze als Konstruktionsprinzipien der Romane Döblins hat Wolfgang Kort im Zusammenhang mit Döblins Menschenbild untersucht. W. K.: Alfred Döblin. Das Bild des Menschen in seinen Romanen. Bonn, 1970Google Scholar
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    In ’Wissen und Verändern’ (1931) schreibt Döblin: “Bei den Dialektikern, den Naturalisten (!) zittert sich die Göttlichkeit gerade in den Widersprüchen, den nie zu beseitigenden Unvollkommenheiten und Spannungen des Daseins aus. Wir haben einen unvollendeten Gott vor uns. Es ist ein historischer Gott. Dialektik ist die Göttlichkeit und Geistigkeit der raum-zeitlichen Welt.” A. D.: Der deutsche Maskenball. Wissen und Verändern. Hg. v. H. Graber. Olten, Freiburg i.B., 1972; S. 193ff.Google Scholar
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    Döblin war sich der Aporie bewußt. In einer Parodie aud die Jäger-Gedichte aus Brentanos/Arnims ’Des Knaben Wunderhorn’ läßt er den beiden Ichs den Rat geben, sich einander aufzufressen; s. Anhang: Trühe Notizen’, “Aus dem Ms. von ’Unser Dasein’” (Ms. im handschriftlichen Nachlaß. Deutsches Literaturarchiv. Mar-bach/N).Google Scholar
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    Friedrich Schlegel über die romantische Poesie: “Nur sie kann gleich dem Epos ein Spiegel der ganzen umgebenden Welt, ein Bild des Zeitalters werden. Und doch kann sie am meisten zwischen dem Dargestellten und dem Darstellenden, frei von allem realen und idealen Interesse auf den Flügeln der poetischen Reflexion in der Mitte schweben, diese Reflexionen immer wieder potenzieren und wie eine endlose Reihe von Spiegeln vervielfachen. (...) Die romantische Dichtart ist noch im Werden; ja das ist ihr eigentliches Wesen, daß sie ewig nur werden, nie vollendet sein kann.” Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Hg. v. E. Behler. Bd. 2, München, 1967; S. 182f.; 116. Athenäums-Fragment.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Johannes Balve

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