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Erkenntniskritik und Wissenschaft

  • Johannes Balve
Part of the DUV Sprachwissenschaft book series (DUVSWISS)

Zusammenfassung

Döblins kritische Gedanken zur menschlichen Erkenntnisfähigkeit in den ersten Gesprächen sind die Grenzziehungen, die das Terrain der philosophischen Reflexionen abstecken.

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Literatur

  1. 1.
    Alfred Döblin: November 1918. Bd. 1, a. a. O., S. 242Google Scholar
  2. 2.
    S. Heinrich Rickert: Der Gegenstand der Erkenntnis. Freiburg i.B., 1892; S. 68.Google Scholar
  3. 3.
    S. hierzu Paul Lüth: Alfred Döblin als Arzt und Patient. Stuttgart, 1985; S. 37. Bemerkungen Döblins zu seiner begeisterten Nietzsche-Lektüre in: A. D.: Schriften zu Leben und Werk. Olten/ Freiburg i.B., 1986; S. 170. Kritisch setzt sich Döblin mit Nietzsche in den Aufsätzen “’Der Wille zur Macht als Erkenntnis’ bei Friedrich Nietzsche” (1902) und “Zu Nietzsches Morallehren” (1903) auseinander; in: Kleine Schriften (Kl. S.). Hg. v. A. W. Riley. Olten/ Freiburg i.B., 1985; S. 13–55.Google Scholar
  4. 4.
    Döblin hatte bei Friedrich Paulsen (Berlin) und Heinrich Rickert (Freiburg) studiert (A. D.: Schriften zu Leben und Werk. Olten/ Freiburg i.B., 1986; S. 17, 355). 1902 nahm Döblin an einem von Paulsen veranstalteten Seminar über Kant teil (Huguet, Chronologie, a. a. O., S. 35). Die dezidiert skeptizistisch gewendete philosophische Schule knüpfte an Kant an, indem sie die Frage nach den formalen Kategorien der menschlichen Erkenntnis neu stellte, ohne jedoch das Kantische ’Ding an sich’ in die Erkenntnislehre zu übernehmen.Google Scholar
  5. 5.
    S. Wilhelm Windelband: Beiträge zur Lehre vom negativen Urtheil. Strassburger Abhandlungen zur Philosophie. Freiburg und Tübingen, 1884; S. 169 ff.. Heinrich Rickert, der mit Windelband den Neukantianismus in Heidelberg begründete, schreibt: “Jede Erkenntnis beginnt mit Urtheilen, schreitet in Urtheilen fort und kann nur in Urtheilen bestehen.” H. R.: Der Gegenstand der Erkenntnis. Freiburg i.B., 1892; S. 55.Google Scholar
  6. 6.
    Auch Rickert erläutert den Begriff des Urteils am Beispiel der Musik. A. a. O., S. 49 ff.Google Scholar
  7. 7.
    Rickert: “Erkennen ist Anerkennen oder Verwerfen.” A. a. O., S. 56 ff.Google Scholar
  8. 8.
    Rickert: “Was also mein Urtheilen und damit mein Erkennen leitet, ist das Gefühl, daß ich so und nicht anders urtheilen soll.” A. a. O., S. 62Google Scholar
  9. 9.
    S. Döblins Nietzsche-Kritik in: ‘Der Wille zur Macht als Erkenntnis’ bei Friedrich Nietzsche. Kl. S., S. 13ff..Google Scholar
  10. 10.
    Der Vergleich mit Hegel, der die Anerkennung als ursprüngliche Beziehung zwischen freien Subjekten geistig bestimmt, hat hier seine Grenze. S. G. W. F. Hegel: Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften. Werke in zwanzig Bänden. Bd. 10, Frankfurt/M., 1979 §430f., S. 219 f. Einflüsse Hegels wie auch des Berliner Hegelianers Adolf Lassons auf Döblin sind biographisch nachgewiesen, werden aber von Huguet überschätzt; Huguet: Chronologie Alfred Döblin. A. a. O., S. 34f..Google Scholar
  11. 11.
    In “Unser Dasein” liest man: “... du mußt nicht die Ströme oder Berge ansehen, sondern das trockene Blatt, das vom Baume herunterflattert, und das kannst du zwischen die Finger nehmen und zerreiben, siehst du: das bist du. (...) Du bist angekoppelt an das Sein.” UD, S. 476Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Rickert, a. a. O., S. 60ff; s. a. Nietzsche in ’Zur Genealogie der Moral’: “... mit der Notwendigkeit, mit der ein Baum seine Früchte trägt, wachsen aus uns unsre Gedanken, unsre Werthe, unsre Ja’s und Nein’s und Wenn’s und Ob’s (...).” Nietzsche Werke. Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. G. Colli u. M. Montinari. 6. Abtl., 2. Bd., Berlin, 1968; S. 260.Google Scholar
  13. 13.
    Die Neukantianer kritisierten die Materialismusgläubigkeit der Positivisten. Ein Vertreter dieser bekämpften Richtung war Ernst Haeckel. Der Berliner Philosoph Friedrich Paulsen, dessen Vorlesungen Döblin besuchte, ging mit Haeckels ’Welträtseln’ ins Gericht. Friedrich Paulsen: Philosophia militans. Gegen Klerikalismus und Naturalismus. Berlin, 1908. Heinrich Rickert führt in seiner Untersuchung von Wertzusammenhängen Argumente gegen die reine Faktizität ins Feld. Vgl. Rickert, a. a. O., S. 62Google Scholar
  14. 14.
    Der Ausspruch geht auf Gottfried Wilhelm Leibniz zurück: “Die Musik ist eine geheime arithmetische Übung des unbewußt zählenden Geistes. Denn dieser vollbringt allerhand an schwierigen oder unmerklichen Perzeptionen, die er durch genau unterscheidende Apperzeptionen nicht zu fassen vermag.” G. W. Leibniz: Epistolae. Hg. v. Chr. Korthoff. Leipzig, o. J.; Epistola CLIV ad Chr. Goldbachium, Ziffer III u. IV; S. 241.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. IN, 88.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. hierzu Bergsons Kritik an der utilitaristischen Funktion des Intellekts und seine Forderung, zur unmittelbaren Erkenntnis zurückzukehren. Henri Bergson: Die schöpferische Entwicklung. Jena, 1912.Google Scholar
  17. 17.
    Nietzsche: “Illusion, daß etwas erkannt sei, wo wir eine mathematische Formel für das Geschehene haben: es ist nur bezeichnet, beschrieben: nichts mehr!” Nietzsche Werke, a. a. O., 8. Abtl., 1. Bd., Berlin, NY, 1974 (Nachgelassene Fragmente Herbst 1885 — Herbst 1887); S. 103Google Scholar
  18. 18.
    Rickert, a. a. O., S. 57Google Scholar
  19. 19.
    S. Wilhelm Dilthey: Dichterische Einbildungskraft und Wahnsinn. In: Festreden der Kaiser-Wilhelms-Akademie. Berlin, 1885–1889; S. 6.Google Scholar
  20. 20.
    Der damalige Einfluß der französischen Experimentalpsychologie auf die Forschungen in Deutschland kann gar nicht überschätzt weden. Freud etwa war Schüler Charcots (s. Döblins Festrede zu Freuds 70. Geburtstag; in: A. D.: Die Zeitlupe. Olten, Freiburg i.B., 1962). Döblin selbst bezieht sich in seiner medizinischen Dissertation über Gedächtnisstörungen auf Janet und Ribot; A. D.: Gedächtnisstörungen bei der Korsakoffschen Psychose. Berlin, 1905; S. 30, 35. Erwähnenswert ist auch die breite Rezeption der 1908 erschienenen Übersetzung von Henri Bergsons ’matière et mémoire’ (H. B.: Materie und Gedächtnis. Jena, 1908).Google Scholar
  21. 21.
    Döblin führt in der Literaturliste seiner Dissertation (a. a. O., S. 63) Theodor Lipps’ ’Grundtatsachen des Seelenlebens’ an (Erstveröffentl. 1883). Theodor Lipps’ zweibändige ’Ästhetik’ erschien zwischen 1903 und 1906.Google Scholar
  22. 22.
    Döblin hat wahrscheinlich Vorträge von Warburg gehört, der von 1901–1903 Mitglied der ’Kunstgeschichtlichen Gesellschaft’ in Berlin war (Warburg trug sich unter dem starken Eindruck der Darwin’schen Entwicklungslehre übrigens mit dem Gedanken, Medizin zu studieren. S. Gombrichs Aufsatz in: Aby Warburg: Ausgewählte Schriften und Würdigungen. Hg. v. D. Wuttke. Baden Baden, 1980; S. 469).Google Scholar
  23. 23.
    S. Döblins Hinweis im Lebenslauf seiner Diss. über Gedächtnisstörungen. A. a. O., S. 63Google Scholar
  24. 24.
    Max Dessoir: Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft. In den Grundzügen dargestellt. Stuttgart, 1906Google Scholar
  25. 25.
    Döblin untersuchte u. a. den Suizid bei Jugendlichen. Die Berücksichtigung der phylogenetischen Aspekte hierbei gibt einen Hinweis auf Döblins wachstumsorientiertes Denken. A. D.: Mißglückte Metamorphose. Ein Schülerselbstmord. In: Unser Dasein (UD). A. a. O., S. 328–41. In seiner fachmedizinischen Arbeit ’Zur Wahnbildung im Senium’ hat Döblin die Ätiologie mit Wachstumsprozessen verglichen. Determination durch äußere Einflüsse wird als der Nährboden für den ansonsten entelechetisch gedachten Krankheitsverlauf betrachtet. Zuerst in: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten. 46, Berlin/Leipzig, 1910. Zitiert nach Paul Lüth: A. D. als Arzt und Patient. Mit einem Anhang: 2 psychiatrische Arbeiten von A. D.. Stuttgart, 1985; S. 108.Google Scholar
  26. 26.
    Döblin geht (wie übrigens auch Bergson) ausdrücklich zu dieser in England entwickelten Wissenschaftsrichtung auf Distanz; s. A. D.: Aufmerksamkeitsstörungen bei Hysterie. In: Archiv f. Psychiatrie und Nervenkrankheiten. Bd. 45, Berlin, Leipzig, 1909–1910; S. 464–488; im folgendenm zitiert nach Lüth, a. a. O., S. 67; vgl. dazu auch Bergson: Materie und Gedächtnis. A. a. O., S. 135ff..Google Scholar
  27. 27.
    A. D.: Das Ich über der Natur. Berlin, 1927 (IN) S. 16f.Google Scholar
  28. 28.
    IN, 32, 78ff.Google Scholar
  29. 29.
    Mit dem teleologischen Evolutionsmodell setzt sich Döblin bereits in seinem 1902 verfaßten Nietzsche-Aufsatz kritisch auseinander. A. D.: ’Der Wille zur Macht als Erkenntnis’ bei Friedrich Nietzsche. Kl. S., S. 15ff..Google Scholar
  30. 30.
    Der Vergleich mit Bergsons ’élan vitale’ — der nicht mehr ableitbaren Urkraftliegt nahe.Google Scholar
  31. 31.
    Zit. nach d. ’Sturm’ — Fassung. In V steht statt “aus” “auf”.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. IN, S. 81.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Johannes Balve

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