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Der Dialog

  • Johannes Balve
Part of the DUV Sprachwissenschaft book series (DUVSWISS)

Zusammenfassung

Döblins Versuch, ein Gespräch nach antiken Vorbildern zu schreiben, steht nicht einzigartig da in seiner Zeit. 1905 erschien Rudolf Borchardts “Gespräch über Formen”, in dem die Kunst der Übertragung platonischer Dialoge erörtert wird.2 Auch Rudolf Kassner übersetzte Platon3 und schrieb Dialoge nach traditionellen Vorbildern.4

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Literatur

  1. 1.
    Sören Kierkegaard: Der Begriff der Angst. Philosophisch-Theologische Schriften/Ästhetisch-Philosophisches. Bd. 2, Hg. v. H. Diem u. W. Rest. Köln u. Olten, 1956; S. 455f.Google Scholar
  2. 2.
    In diesem Gespräch werden gute und schlechte Übersetzungen der Alten erörtert. Die Polemik richtet sich vor allem gegen die Übersetzungen des Altphilologen Wilamowitz. Diesen stellt Borchardt in demselben Band eine eigene Platon-Übersetzung gegenüber. Rudolf Borchardt: Das Gespräch über Formen und Piatons Lysis (zuerst 1905). In: R. B.: Gesammelte Werke in Einzelbänden. Prosa I. Hg. v. M.L. Borchardt. Bd. 4, Stuttgart, 1957; S. 333ff.Google Scholar
  3. 3.
    Z. B. ‘Phaidros’ und ‘Phaidon’ (zuerst 1920). In: R. Kassner: Sämtliche Werke. Hg. v. E. Zinn. Bd. 1, Pfullingen, 1969.Google Scholar
  4. 4.
    Rudolf Kassner: Über den Stü. Sämtliche Werke. A. a. O., Bd. 1, S. 283 ff..Google Scholar
  5. 5.
    S. Manfred Rauh: Epoche — sozialgeschichtlicher Abriß. In: Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte. Hg. v. Glaser. Bd. 8; Hamburg, 1982; S. 32.Google Scholar
  6. 6.
    Zu nennen sind Rudolf Borchardt, Rudolf Kassner, Hermann Bahr, Paul Ernst, Fritz Mauthner — ‘Die Totengespräche’ (Berlin, 1906) des Berliner Sprachphilosophen erschienen gerade, als Döblin an seinen Dialogen schrieb — und Martin Buber.Google Scholar
  7. 7.
    Die Übersetzung der Dialoge Giordano Brunos durch A. Lasson (Döblin hörte seine Vorlesungen) sind ein Beispiel des damaligen Interesses auch für die neuzeitlichen Formen des Dialogs (Giordano Bruno: De la causa, principio ed uno. Aus dem Italienischen übers. v. A. Lasson. Berlin, 1872).Google Scholar
  8. 8.
    Zur Verwandtschaft zwischen Dialog und Essay s. Rudolf Wildbolz: Der philosophische Dialog als literarisches Kunstwerk. Untersuchungen über Solgers ‘Philosophische Gespräche’. Nendeln/Liechtenstein, 1978; S. 34, 40f.Google Scholar
  9. 9.
    Dialegesthai (griech.) = auseinanderlesenGoogle Scholar
  10. 10.
    Bevorzugte Verbreitung fand der Dialog als Prinzip und Programm in den Publikationsorganen, die für den intellektuellen Austausch unterschiedlichster Gruppen prädestiniert waren — in literarischen Zeitschriften; s. Gert Mattenklott: Spuren eines gemeinsamen Weges. Deutschjüdische Zeitschriftenkultur 1910–1930. In: Merkur, Nr. 42, Juli-Heft, 1988; S. 570–581; die Zeitschrift (’Neue Blätter’, in deren erster Nummer Bubers ‘Gespräch von der Richtung’ veröffentlicht wurde, war solch ein Sammelorgan deutsch-jüdischer und deutsch-christlicher Intelligenz. Neue Blätter. Hg. v. Carl Einstein. H. 1, Berlin, 1912.) Im Editorial der ersten Nummer der Zeitschrift ‘Die Kreatur’ steht programmatisch: “Erlaubt aber und an diesem Tag der Geschichte geboten ist das Gespräch: der grüßende Zuruf hinüber und herüber, das Sicheinander-auftun in der Strenge und Klarheit des ewigen Beschlossenseins (...).” Die Kreatur. Hg. v. Martin Buber, Viktor V. Weizsäcker, Joseph Wittig. H. l, Berlin, 1926/27.Google Scholar
  11. 11.
    Zu nennen sind vor allem Martin Buber mit seinem Werk: ‘Ich und Du’ (1923) (in: Das dialogische Prinzip. Darmstadt, 1984, S. 7–121) und Ferdinand Ebner: Das Wort und die geistigen Realitäten. Innsbruck, 1924. Die theologische Grundlegung des dialogischen Prinzips im Verhältnis des Einzelnen zu Gott geht auf Kierkegaard zurück.Google Scholar
  12. 12.
    Fritz Mauthner: Beiträge zu einer Kritik der Sprache. 3 Bde., Leipzig, 1923; Eugen Rosenstock-Huessy: Angewandte Seelenkunde. (1916) In: E. Rosenstock-H.: Die Sprache des Menschengeschlechts. 1. Bd., Heidelberg, 1963; S. 753ff.Google Scholar
  13. 13.
    An Martin Buber, 18. 8. 1912. Alfred Döblin: Briefe. A. a. O., S. 57.Google Scholar
  14. 14.
    Döblin hörte Vorlesungen bei dem Altphilologen Wilamowitz; s. Louis Huguet: Pour un centenaire (1878–1978). Chronologie Alfred Döblin. In: Annales de l’Université d’Abidjan, série D, tome 11, 1978; S. 34f.. Wilamowitz hatte im Rahmen seiner Homer-Studien auch einen Aufsatz über die mythologische Herkunft der Kalypso geschrieben. S. Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff: Homerische Untersuchungen. In: Philologische Untersuchungen. Hg. v. A. Kiessling u. U. v. Wilamowitz-Moellendorff. 7. Heft, Berlin, 1884.Google Scholar
  15. 15.
    S. A. Z. L., S. 94. Neben Holz und Joyce erwähnt Döblin “Borchardt, den Übersetzer”, als herausragenden Vertreter einer souveränen Sprachkunst.Google Scholar
  16. 16.
    Kennzeichnend für die beipflichtende Anerkennung der Argumente des Vorredners oder rhetorisches Zugeständnis, auf das Einwände folgen; s. z. B. S. 64–67; besonders stark ausgeprägt in den ersten Fassungen, s. Anh. z. B. Textvar. 78, 2–8 (H1).Google Scholar
  17. 17.
    Platon: Sämtliche Werke. In der Übersetzung von F. Schleiermacher. Bd. 2, Hamburg, 1957; S. 210, 240Google Scholar
  18. 18.
    Nachweise der Zitate aus A. D.: Schriften zu Ästhetik und Poetik (V), a. a. O., im folgenden eingeklammert im Text.Google Scholar
  19. 19.
    Kalypso läßt hier eher an Kirke denken, die im homerischen Epos die Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelt. Wilamowitz erbringt den Nachweis, daß die Kalypso der Odyssee einer mythologischen Kirke nachgebildet ist; s. Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff: Homerische Untersuchungen. A. a. O., S. 116, 122f.Google Scholar
  20. 20.
    Die Menschenähnlichkeit der von den Griechen dargestellten Sirenen geht möglicherweise auf die Vorstellung zurück, daß diese die Seelen der Verstorbenen verkörpern; s. Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaften. 2. Reihe, 5. Halbbd., Stuttgart, 1927; ‘Sirenen’; S. 293.Google Scholar
  21. 21.
    S. das 2. Gespräch, S. 14–16.Google Scholar
  22. 22.
    S. Homer: Ilias. Odyssee. Vollständige Übertragung v. Johann Heinrich Voß. Hamburg, 1979; S. 503f, Vs. 55–65.Google Scholar
  23. 23.
    S. Robert v. Ranke-Graves: Griechische Mythologie. Hg. v. E. Grassi. München, 1980; Bd. II, S. 358.Google Scholar
  24. 24.
    Von der Musik heißt es: “... satt schreitet sie heran, mächtig, eine Barbarin, mit klirrendem Schmuck, eine laubgeschmückte, stampfende, lallende Bacchantin der Berge.” (54)Google Scholar
  25. 25.
    Gleichwohl besteht ein innerer Zusammenhang zwischen Drama und Dialog, insofern der Dialog Träger des Dramas ist. Peter Szondi sieht ihn in der Gegenwärtigkeit des Zeitverlaufs und in der “dialektischen Struktur, die (...) auf dem zwischenmenschlichen Bezug beruht”. Peter Szondi: Schriften I. Frankfurt/M., 1978; S. 19.Google Scholar
  26. 26.
    Die Beschreibung eines szenischen Tableaus fällt lt. Rudolf Hirzel nicht in den Darstellungsbereich des literarischen Dialogs. R. H.: Der Dialog. 2. Teil, Leipzig, 1895; S. 435.Google Scholar
  27. 27.
    Z. B. die Verwendung der Interjektion ‘Oh’ auf S. 98.Google Scholar
  28. 28.
    S. Z. B. V, S. 27Google Scholar
  29. 29.
    Die nachfolgenden Überlegungen stützen sich z. T. auf die textgenetische Analyse im Anhang; s. das Kap. ‘Schreibweisen’.Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. Gerhard Bauers Ausführungen über den dialektischen Charakter des Gesprächs. G. B.: Zur Poetik des Dialogs. Darmstadt, 1969; S. 44ff., 165ff., 223ff..Google Scholar
  31. 31.
    Textvar. 38, 22Google Scholar
  32. 32.
    Ein besonders eindrückliches Beispiel rasch aufeinanderfolgender Entgegensetzungen unterschiedlicher Meinungen findet sich in den Ausführungen des ‘Alten’ über das Verhältnis von Tradition und Originalität im künstlerischen Schaffensprozeß: “Und wie könnte ich von Formen und Zusammenhangsregeln sprechen, gäbe es für mich nicht etwas, das über dem einzelnen Künstler stände (...) Aber dies ist ein Schwert, das seinen Krieger verlangt. Dieses Herrwerden hat sein Ende und seine Grenze (...).” V, S. 84f.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. Bauer, a. a. O., S. 17.Google Scholar
  34. 34.
    Der ‘Olympier’ beispielsweise (107) wird in den Notizen noch nicht erwähnt.Google Scholar
  35. 35.
    Michail M. Bachtin: “Erst in der Antwort reift das Verstehen heran.” M. B.: Die Ästhetik des Wortes. Frankfurt/M., 1979; S. 174.Google Scholar
  36. 36.
    S. Anh., Notizen, ‘Kunst — Wirklichkeit’.Google Scholar
  37. 37.
  38. 38.
  39. 39.
    S. Anh., Trühe Notizen’: ‘Der Rezipient.’Google Scholar
  40. 40.
    S. z. B. Textvar. 23, 17.Google Scholar
  41. 41.
    S. Jan Mukarovsky: Kapitel aus der Poetik. Frankfurt/M., 1967; S. 140.Google Scholar
  42. 42.
    So geschehen etwa in dem Satz: “Du leidest, /denn/ du bist noch nicht” (H2), in dem eine gegenstandsbezogene Begründung (eingeleitet durch ‘denn’) durch eine situationsbezogene Anrede (’komm’) ersetzt wurde. Textvar., 45, 7.Google Scholar
  43. 43.
    S. z. B. die mehrfache Verwendung des Wortes ‘hier’ auf S. 49u..Google Scholar
  44. 44.
    Döblin hat in den späteren Fassungen oft auf sie verzichtet. S. die Vermeidung deiktischer Wörter wie “dieser”, “hier” (z. B. Textvar. 78, 24 u. 79, 10), “jetzt” und die Vermeidung thematischer Rückbezüge (z. B. Textvar. 81, 18).Google Scholar
  45. 45.
    Z. B.: “Ich sage ‘ja’ zu allem, was Du meintest;” (55).Google Scholar
  46. 46.
    Vgl. Döblins später formulierte Forderung, der Leser solle den Produktionsvorgang des Autors mitvollziehen. A. D.: Der Bau des epischen Werks. (1929). A. Z. L., S. 123Google Scholar
  47. 47.
    Zur Erläuterung der Handschriften-Bezeichnungen s. Anhang, ‘Handschriftliche Quellen’.Google Scholar
  48. 48.
    Textvar. 45, 7Google Scholar
  49. 49.
    Die Unterscheidung zwischen einem ‘inneren’ und einem ‘äußeren’ Dialog — das wird in dem weiteren Gang der Untersuchung deutlich werden — läßt sich nur aus methodischen Gründen rechtfertigen, da Dialogisierungsphänomene lediglich in den Übergangsstadien zwischen beiden Dialogformen auftreten.Google Scholar
  50. 50.
    Wendungen, die die Personen oder die Handlung deutlicher hervortreten lassen, werden teilweise eliminiert. Vgl. z. B. Textvar. 50, 35; 73, 12; 77, 4; 51, 2; 62, 7; 76, 16; bei den im folgenden untersuchten Tendenzen der Überarbeitungen muß die Einschränkung gemacht werden, daß sie nicht für das 9. Gespräch und einen Teil des 8. Gesprächs gelten.Google Scholar
  51. 51.
    S. z. B. Textvar. 77, 4.Google Scholar
  52. 52.
    S. Anhang, ‘Stil und Sachlichkeit’.Google Scholar
  53. 53.
    S. Z. B. Textvar. 70, 18; 76, 14.Google Scholar
  54. 54.
    Vgl. Textvar. 76, 14.Google Scholar
  55. 55.
    S. z. B. Synopse 48, 18–49, 33; zum Verständnis s. Anh., ‘Handschriftliche Quellen’.Google Scholar
  56. 56.
    Die systematisierenden Überarbeitungen lösten manche Beiträge aus ihrem dialogischen Zusammenhang, wodurch rhetorische Wendungen überflüssig wurden, in einigen Fällen sogar zu grammatikalisch falschen Übergängen geführt hätten, wären sie stehengeblieben.Google Scholar
  57. 57.
    Soweit Intentionen in den Überarbeitungen erkennbar sind, lassen sich diese nicht generalisieren. So finden sich z. B. auch Gegenbeispiele zu der beobachteten Reduktion rhetorischer Elemente; s. insbesondere das 9. Gespräch; Textvar. 90, 30ff.Google Scholar
  58. 58.
    Z. B. Textvar. 81, 15; 83, 14.Google Scholar
  59. 59.
    Vgl. z. B. Textvar. 91, 8.Google Scholar
  60. 60.
    Textvar. 78, 24, nicht in V übernommen.Google Scholar
  61. 61.
    Ein weiteres textgenetisches Beispiel: Textvar. 78, 2–8.Google Scholar
  62. 62.
    Vgl. z. B. Textvar. 83, 18; in einem Fall hat Döblin sogar die Sprecherbezeichnung gestrichen und so eine ursprüngliche Dialogpartie in einen Monolog verwandelt. S. Textvar. 61, 35.Google Scholar
  63. 63.
    Fragen etwa, die sich nicht in rhetorische umformulieren lassen, werden des öfteren getilgt. S. z. B. Textvar. 33, 14.Google Scholar
  64. 64.
    Z. B.: “Nun taucht die Frage auf (...)” (81).Google Scholar
  65. 65.
    Im 9. Gespräch fragt Kalypso: “Nun laß mich noch einmal fragen (...): Warum also musiziert der Mensch? Versteh’ mich nicht falsch; ich meine: was bedeutet ihnen allen, so verschieden sie auch sind, ihr Musizieren, welchen Weg geht das Musizieren durch ihre Seele, wenn du absiehst von dem Wachstum und allem Einzelnen?” (105)Google Scholar
  66. 66.
    S. z. B. S. 66, 32–35.Google Scholar
  67. 67.
    S. Anhang, ‘Die Eigendynamik des Schreibprozesses’.Google Scholar
  68. 68.
    In H2 erscheint dieser Einschub nicht so unvermittelt, da er hier noch ungekürzt ist. S. Textvar. 36, 29; insbesondere: “... -/wenn denn jene Naturkenner recht haben sollen/-”.Google Scholar
  69. 69.
    S. die Erwähnung des “Weisen” (80); an anderer Stelle ist von “Manchen” die Rede (93m.).Google Scholar
  70. 70.
    Z. B. “Dies muß festhalten, wer (...). Doch will ich damit nicht die schöne Halbkunst, Hilfskunst: Musik schmähen.” (88)Google Scholar
  71. 71.
    So z. B. auf S. 41 “Wenn ich sagte, es bliebe der zusammenhangbildenden Gewalt keine weitere Aufgabe, als die fremdwillig bewegten Töne zu ordnen, so muß ich jetzt die Geringschätzung von der Aufgabe nehmen.” Oder S. 64: “Du zuckst die Achsel”.Google Scholar
  72. 72.
    Z. B.: “Dies muß festhalten, wer die Grenzen der Künste nicht verwischen und die Künste damit veröden will (...).” (88).Google Scholar
  73. 73.
    S. Anhang, ‘Frühe Notizen’: ‘Grundton’, ‘Gedächtnis’.Google Scholar
  74. 74.
    S. Heinrich v. Kleist: Sämtliche Werke und Briefe. Hg. v. H. Sembdner. 2. Bd., München, 1964; S. 322.Google Scholar
  75. 75.
    Döblin beschreibt das zündende Moment bei seiner dichterischen Produktion folgendermaßen: “Man hat eine anfängliche Konzeption und ein allgemein dunkles Grundgefühl, es heißt jetzt einfach vorwärtsmarschieren und sich an die Zentralsituation, die noch gar nicht deutlich ist, heranpirschen.” A. D.: Der Bau des epischen Werks (1929). A. z. L., a. a. O., S. 122.Google Scholar
  76. 76.
    Kleist: “Dabei ist mir nichts heilsamer, als eine Bewegung meiner Schwester, als ob sie mich unterbrechen wollte; denn mein ohnehin schon angestrengtes Gemüt wird durch diesen Versuch von außen, ihm die Rede, in deren Besitz es sich befindet, zu entreißen, nur noch mehr erregt, und in seiner Fähigkeit, wie ein großer General, wenn die Umstände drängen, noch um einen Grad höher gespannt.” A. a. O., S. 320Google Scholar
  77. 77.
    A. D.: Der Epiker, sein Stoff und die Kritik (1921). A. Z. L., S. 342Google Scholar
  78. 78.
    Alfred Döblin: Der unsterbliche Mensch. Der Kampf mit dem Engel. Olten/ Freiburg i.B., 1980Google Scholar
  79. 79.
    S. z. B. ‘Döblin über Döblin’. In: Alfred Döblin: Autobiographische Schriften und letzte Aufzeichnungen. Olten/ Freiburg i.B., 1980; S. 33ff.Google Scholar
  80. 80.
    S. Ulrike Scholvins Untersuchung ‘Döblins Metropolen’. Weinheim; Basel; Beltz, 1985; S. 15 : “Es gibt eine gemeinsame Inspiration in den sehr unterschiedlichen literarischen Techniken, die Döblin praktiziert hat (...), die darin besteht, so zu schreiben, daß der Arzt den Dichter endlich anerkennt.”Google Scholar
  81. 81.
    Indizien hierfür sind gelegentliche Vertauschungen der Sprecherbezeichnungen auch noch in späten Überarbeitungsphasen. S. z. B. Textvar. 47, 5; 61, 35; 81, 7.Google Scholar
  82. 82.
    Vgl. z. B. Textvar. 76, 24.Google Scholar
  83. 83.
    S. Z. B. Textvar. 78, 2; Der einschränkende Nebensatz “wie mir scheint” wird nicht in V übernommen.Google Scholar
  84. 84.
    Vgl. Textvar. 79, 10.Google Scholar
  85. 85.
    S. Textvar. 77, 15.Google Scholar
  86. 86.
    Dies wird am deutlichsten dann, wenn Döblin eine Frage, die ursprünglich vom ‘Alten’ gestellt wurde, später dem ‘Jungen’ in den Mund gelegt hat. S. Textvar. 81, 7.Google Scholar
  87. 87.
    Vgl. z. B. Textvar. 80, 10.Google Scholar
  88. 88.
    In einer zeitgenössischen Rezension des religionsphilosophischen Gesprächs hat Heinrich Berl auf den Widerspruch zwischen dialogischer Form und monologischem Inhalt hingewiesen. H. B.: Monolog und Dialog. In: Merkur, 1, 1947; S. 156.Google Scholar
  89. 89.
    S. Antony W. Rileys Nachwort in: Alfred Döblin: Der unsterbliche Mensch. Der Kampf mit dem Engel. Olten/ Freiburg i.B., 1980; S. 662. Die Wirkungsabsichten, die Döblin mit dieser Schrift verfolgte, sollten allerdings nicht überschätzt werden. Es geht Döblin auch in dieser Schrift um die Klärung beziehungsweise Befestigung von eigenen Positionen. Als kritische Instanz dient ein imaginäres Publikum.Google Scholar
  90. 90.
    Alfred Döblin: Der unsterbliche Mensch. Der Kampf mit dem Engel. Olten/ Freiburg i.B., 1980, S. 60Google Scholar
  91. 91.
    Alfred Döblin: Der unsterbliche Mensch. Der Kampf mit dem Engel. Olten/ Freiburg i.B., 1980, S. 43Google Scholar
  92. 92.
    Beide Beispiele entsprechen den zwei grundverschiedenen Typen des Einzelnen im Gespräch, die Buber in der Philosophie Kierkegaards und in der Stirners am reinsten ausgeprägt sieht. S. Martin Buber: Das dialogische Prinzip. Darmstadt, 1984; S. 200 ff.. Für die Gestaltung der Figur des Friedrich Becker in ‘November 1918’ scheint Kierkegaards ‘Einzelner vor Gott’ als Vorbild gedient zu haben. A. D.: November 1918. Hg. v. H. D. Osterle. 4Bde. München, 1978.Google Scholar
  93. 93.
    Das 9. Gespräch fällt auch entstehungsgeschichtlich aus dem Rahmen; s. Anh., ‘Entstehung’.Google Scholar
  94. 94.
    Vgl. Textvar. 99, 5.Google Scholar
  95. 95.
    Vgl. Textvar. 91, 27–35.Google Scholar
  96. 96.
    Vgl. Textvar. 106, 3.Google Scholar
  97. 97.
    “Du hast recht, wenn du zu zweifeln scheinst (...).” (65); “Du kennst die Musik unserer jungen Zeit (...).” (67); “Vergiß Du nur nicht, Kalypso, deinen Satz, den ich nicht vergessen konnte (...)” (68). Wendungen, die von der Überheblichkeit des Musikers zeugen könnten, wurden nachträglich getilgt. Vgl. z. B. Textvar. 104, 17.Google Scholar
  98. 98.
    Ein Beispiel analogischen Schreibens, das in V eingegangen ist : “Musik tritt hervor in der Beziehung der Nachbartöne, in der Beziehung von Nachbarton zu Nachbarton, von Nachbartongruppe zu Nachbartongruppe (...).” (50).Google Scholar
  99. 99.
    S. z. B. die Aufteilung der Künstlernaturen: ‘Ich’-, ‘Du’- und ‘Esmusiker’ (103–105).Google Scholar
  100. 100.
    Ein anderes Beispiel ist Textvar. 110, 24. Auffällig ist auch die Häufigkeit der persönlichen Anrede; s. S. 92, 93, 105, 107, 109–111.Google Scholar
  101. 101.
    Man stellt in der Textgenese eine zunehmende Aufweichung oppositioneller Dialogstrukturen fest. Vgl. z. B. Textvar. 93, 8; 96, 6; ein weiteres Beispiel ist die Ersetzung einer disjunktiven durch eine kopulative Konjunktion in Textvar. 91, 8.Google Scholar
  102. 102.
    Die Bestrebungen, sich auf der Argumentationsebene einander näherzukommen, gehen meistens vom Musiker aus. S. z. B. S. 63: “Und diese Frage, Kalypso, laß uns recht bedenken. Die Antwort muß unsern Zwiespalt schlichten.”Google Scholar
  103. 103.
    Vgl. Textvar. 90, 30 u. 97, 5.Google Scholar
  104. 104.
    S. Alfred Döblin: Autobiographische Schriften und letzte Aufzeichnungen. A. a. O., S. 470; s. a. die Überschrift der Notizen aus dem Jahre 1903 zur Musik im Anhang.Google Scholar
  105. 105.
    Platon: Symposion. Sämtliche Werke. In der Übersetzung v. F. Schleiermacher. Bd. 2, Hamburg, 1957; S. 217; 185e.Google Scholar
  106. 106.
    A. a. O., S. 219; 187cGoogle Scholar
  107. 107.
    A. a. O., S. 238f.Google Scholar
  108. 108.
    Textvar. 107, 34–109, 13Google Scholar
  109. 109.
    Kalypso im 7. Gespräch: “Mir ist heiß und kalt. — So herrschsüchtig ist Deine Musik. Oder so umarmend liebevoll. Ich trieb Musik immer gern, aber ich war ahnungslos bis heut, mit wem ich da Umgang pflog.” (58).Google Scholar
  110. 110.
    S. u. ‘Das Ich in und über der Natur’Google Scholar
  111. 111.
    S. Anh., ‘Frühe Notizen’Google Scholar
  112. 112.
    S. Helga Stegemann: Studien zu Alfred Döblins Bildlichkeit. Bern, 1978; S. 112ff.Google Scholar
  113. 113.
    S. Helmut Kiesel: Literarische Trauerarbeit. Tübingen, 1986; S. 201ff.. Ähnliches ist auch für die Novellen des Dichter-Arzt-Kollegen Gottfried Benn konstatiert worden. Die ‘Rönne’-Erzählungen Benns behandeln wie die ‘Ermordung einer Butterblume’ das Phänomen der Ich-Spaltung und Ansätze ihrer Überwindung. S. Gerhard Irle: Rausch und Wahnsinn bei Gottfried Benn und Georg Heym. Zum psychiatrischen Roman. In: Literatur und Schizophrenie. Hg. v. W. Kudszus. Tübingen, 1977; S. 104–113.Google Scholar
  114. 114.
    A. D.: Die Ermordung einer Butterblume. Ausgewählte Erzählungen. 1910–1950. Olten/Freiburg i.B., 1962; S. 48.Google Scholar
  115. 115.
    S. Helga Stegemann: Studien zu Alfred Döblins Bildlichkeit. Bern, 1978; S. 112ff.Google Scholar
  116. 116.
    Alfred Döblin: Jagende Rosse. Der schwarze Vorhang und andere Erzählungen. Olten/ Freiburg i.B., 1981; S. 228Google Scholar
  117. 117.
    A. z. L., S. 358Google Scholar
  118. 118.
    A. a. O., S. 57Google Scholar
  119. 118.
    Über Selbstgespräche, die nicht aus der Beziehung “zum Geistigen außer uns” leben, fällt Ferdinand Ebner das Urteil: Wer sich selbst zur angesprochenen Person macht, schafft eine “Ichverdoppelung, die den Psychiater interessiert.” F. Ebner: Das Wort und die geistigen Realitäten. Innsbruck, 1924; S. 43Google Scholar
  120. 119.
    Freud weist auf die heilende Wirkung des Wahns hin: “Man darf diese Erkrankung (gemeint ist die schizophrene Psychose, J. B.) (...) als Heilungsversuch ansehen, als Bemühung, die durch den Einfluß des Traumas abgespaltenen Anteile des Ichs wieder mit dem übrigen zu versöhnen und zu einem gegen die Außenwelt machtvollen Ganzen zu vereinigen.” Sigmund Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion. Gesammelte Werke. Hg. v. A. Freud u. a.. Bd. 16 (Werke aus den Jahren 1932–1939), London, 1950; S. 182f..Google Scholar
  121. 120.
    Fritz Mauthner hat auf den technischen Aspekt des schriftlichen Gedächtnisses hingewiesen: “Die Schrift ist eine künstliche Verbesserung des Gedächtnisses, wie die Photographie eine Verbesserung des Sehorgans (...).” F. Mauthner: Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Bd. 1, Leipzig, 1923; S. 214.Google Scholar
  122. 121.
    Vgl. A. D.: Bemerkungen zum Roman (1917). A. z. L., S. 21Google Scholar
  123. 122.
    Rudolf Wildbolz: Der “Dialog setzt in das gestaltete Kunstwerk um, was der Literatur schlechthin als ihr Grundverhältnis innewohnt: daß einer, der Autor, zum andern, dem Leser, spricht und, im Grunde, der Leser heimlich wiederum zum Autor.” R. W.: Der philosophische Dialog als literarisches Kunstwerk. A. a. O., S. 28. Julia Kristeva: “Der Mitsprecher des Schriftstellers ist also der Schriftsteller selbst als Leser eines anderen Textes. Derjenige, der schreibt, ist auch derjenige, der liest. Da sein Mitsprecher ein Text ist, ist er selbst nur ein Text, der sich aufs neue liest, indem er sich wieder schreibt.” J. K: Dialog und Roman bei Bachtin. In: Literaturwissenschaft und Linguistik. Bd. III, Frankfurt/M., 1972 S. 371f.. Zu einer dialogischen Definition des literarischen Textes s. a. Karlheinz Stierle: Werk und Intertextualität. In: Dialog der Texte. Hg. v. Wolf Schmid u. Wolf-Dieter Stempel (= Wiener slavistischer Almanach Sonderbd. ll). Wien, 1983; S. 8Google Scholar
  124. 123.
    A. D.: Epüog (1948). A. z. L., S. 393.Google Scholar
  125. 124.
    Alfred Döblin: “Ich gebe zu, daß mich noch heute Mitteilungen von Fakta, Dokumente beglücken, aber Dokumente, Fakta, wissen Sie warum? Da spricht der große Epiker, die Natur, zu mir, und ich, der kleine, stehe davor und freue mich, wie mein großer Bruder das kann.” A. D.: Der Bau des epischen Werks (1929). A. z. L., S. 113.Google Scholar
  126. 125.
    Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz. Olten/ Freiburg i.B., 1961; S. 53Google Scholar
  127. 126.
    Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz. Olten/ Freiburg i.B., 1961; S. 51Google Scholar
  128. 127.
    S. Theodore Ziolkowski: Berlin Alexanderplatz. In: Ingrid Schuster (Hg.): Zu Alfred Döblin. Stuttgart, 1980; S. 128–148.Google Scholar
  129. 128.
    A. D.: Berlin Alexanderplatz. A. a. O., S. 181f.Google Scholar
  130. 129.
    A. a. O., S. 74f.Google Scholar
  131. 130.
    A. a. O., S. 63Google Scholar
  132. 131.
    A. a. O., S. 183Google Scholar
  133. 132.
    A. a. O., S. 151f.Google Scholar
  134. 133.
    A. a. O., S. 432f.Google Scholar
  135. 134.
    A. a. O., S. 67f.Google Scholar
  136. 135.
    Walter Benjamin: Krisis des Romans. Zu Döblins ‘Berlin Alexanderplatz.’ In: Gesammelte Schriften. Hg. v. R. Tiedemann. Bd. III, Frankfurt/M., 1980; S. 233.Google Scholar
  137. 136.
    Alfred Döblin: November 1918. A. a. O., Bd. 1, S. 299Google Scholar
  138. 137.
    Dujardin leitet seine Theorie des ‘monologue intérieur’, die posthum die von ihm in seinem Roman angewandte Technik erläutern soll, aus dem Theaterdialog ab. Eduard Dujardin: Les lauriers sont coupés. Le Monologue Intérieur (1931). Roma, 1977; S. 229.Google Scholar
  139. 138.
    Jan Mukarovsky: Kapitel aus der Poetik. Frankfurt/M., 1967; S. 131ff.Google Scholar
  140. 139.
    Jan Mukarovsky: Kapitel aus der Poetik. Frankfurt/M., 1967; S. 135ff; Aus dem Tel Quel’-Kreis meldete sich als Kritikerin des ‘inneren Monologs’ Julia Kristeva zu Wort. J. K.: Dialog und Roman bei Bachtin. A. a. O., S. 349.Google Scholar
  141. 140.
    In der Musik Wagners sieht Dujardin die künstlerischen Gesetzmäßigkeiten des inneren Monologs antizipiert: “Der Roman ‘Les lauriers sont coupés’ wurde mit dem törichten Ehrgeiz begonnen, auf die Literatur das Verfahren Wagners zu übertragen, das ich folgendermaßen definiere: Ausdruck des Seelenlebens mit Hilfe eines kontinuierlichen Stroms musikalischer Motive, die sukzessive auftreten, fortlaufend und ohne Ende, um in dieser Aneinanderreihung die Zustände des Denkens, Fühlens und Wahrnehmens auszudrücken, in der Literatur ging es um eine Realisierung dieses Verfahrens durch eine Folge kurzer Sätze, von denen jeder einen dieser Zustände des Denkens darzubieten hätte und die aufeinander folgen sollten wie eine Kette von Impulsen ohne logische Ordnung, die aus der Tiefe des Seins unmittelbar ausgehen sollten, oder — wie man heute sagen würde — aus dem Unbe-wußten und Unterbewußten.” Zit. n. Mukarovsky, a. a. O., S. 135f.Google Scholar
  142. 141.
    In der Musik Wagners sieht Dujardin die künstlerischen Gesetzmäßigkeiten des inneren Monologs antizipiert: “Der Roman ‘Les lauriers sont coupés’ wurde mit dem törichten Ehrgeiz begonnen, auf die Literatur das Verfahren Wagners zu übertragen, das ich folgendermaßen definiere: Ausdruck des Seelenlebens mit Hilfe eines kontinuierlichen Stroms musikalischer Motive, die sukzessive auftreten, fortlaufend und ohne Ende, um in dieser Aneinanderreihung die Zustände des Denkens, Fühlens und Wahrnehmens auszudrücken, in der Literatur ging es um eine Realisierung dieses Verfahrens durch eine Folge kurzer Sätze, von denen jeder einen dieser Zustände des Denkens darzubieten hätte und die aufeinander folgen sollten wie eine Kette von Impulsen ohne logische Ordnung, die aus der Tiefe des Seins unmittelbar ausgehen sollten, oder — wie man heute sagen würde — aus dem Unbe-wußten und Unterbewußten.” Zit. n. Mukarovsky, a. a. O., S. 140f.Google Scholar
  143. 142.
    Mukarovsky führt dies anhand eines Beispiels des Schriftstellers E. F. Burian vor. A. a. O., S. 137ff.Google Scholar
  144. 143.
    A. a. O., S. 136f.; Die immanente Logik der Dialogizität ist lt. Julia Kristeva durch folgende Kriterien charakterisiert: “1)eine Logik der Distanz und der Relation zwischen den verschiedenen Termini des Satzes oder der Erzählstruktur, die auf ein Werden hinweist — im Gegensatz zur Ebene der Kontinuität und der Substanz, welche wiederum einer Logik des Seins folgen und als monologisch zu bezeichnen sind; 2) eine Logik der Analogie und der nicht-ausschließenden Opposition — im Gegensatz zur Ebene der Kausalität und der identifizierenden Determination (...).” Kristeva, a. a. O., S. 354Google Scholar
  145. 144.
    Ein Monolog wird nicht dadurch zum Dialog, daß Textpartien verschiedenen Gesprächspartnern in den Mund gelegt werden. Echte Dialogizität ist das Verhältnis zwischen Ich und Du, das sich auch in der Einsamkeit ohne Gesprächspartner einstellen kann. S. Martin Buber: Das dialogische Prinzip. A. a. O., S. 168.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Johannes Balve

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