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Episches Schreiben

  • Johannes Balve
Chapter
Part of the DUV Sprachwissenschaft book series (DUVSWISS)

Zusammenfassung

Wenn Döblins frühe und mittlere Romane in der Forschung als ‘episch’ charakterisiert werden, so ist zu fragen, ob der Totalitätsanspruch seiner Werke, gemessen an Lukács’ Abgrenzung des Romans (der ‘Epopöe der gottverlassenen Welt’) gegenüber dem antiken Epos, nicht für gescheitert gelten müsse.25

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Literatur

  1. 25.
    S. Georg Lukács: Die Theorie des Romans (1916). Darmstadt, Neuwied, 1979; S. 47Google Scholar
  2. 26.
    Diese Vollständigkeit intendierende Doppelstrategie bringt gattungsorientierte Untersuchungen epischer Gestaltelemente bei Döblin in Schwierigkeiten. Blessing etwa irritieren “dramatische” Züge (Blessing: Die Problematik des modernen Epos. A. a. O., S. 40, S. 144ff.), deren Entdeckung sich seiner auf Hegels Ästhetik zurückgehenden Unterscheidung von Substantialität (= Epos) und Funktionalität (= Drama) der Erzähleinheiten verdankt (a. a. O., S. 26ff). Diese Unterscheidung vergiJßt freilich, daß auch scheinbar eigenständige Erzählelemente in Döblins Romanen ihre Substantialität nur durch Sekundärstrukturierungen im erzählerischen Kontext erhalten. Döblin selbst schreibt, seine Dichtung bewege sich zwischen “Ariensammlung” und “unendliche (r) Melodie”; A. Z. L., S. 22.Google Scholar
  3. 27.
    Lukács, a. a. O., S. 38Google Scholar
  4. 28.
    “Auf Wirklichkeitsfremdheit, kraß: auf Unnatur kommt es ja an; es hat keinen Sinn und ist unmöglich, das Vorhandene zu wiederholen; etwas Neues, Menscheneigentümliches soll hervorgebracht werden. Besonders die Töne der Musik, ihre Herstellung, ihre Hervorbringung auf besonders konstruierten Instrumenten, ihre Aneinanderreihung nach künstlichen, vom Menschen gemachten Gesetzen, Tonleitern und so weiter, sind glückliche und fruchtbare Bedingungen zur Erzeugung einer Kunst. Mit dem Wort aber steht es anders. (...) Die Geburt einer Kunst aus dem Rohmaterial Wort ist offenbar schwerer als die aus dem Ton und der Farbe.” A. D.: Schriftstellerei und Dichtung (1928/9). A. Z. L., S. 90f.Google Scholar
  5. 29.
    A. D.: Der Bau des epischen Werks (1929). A. Z. L., S. 107Google Scholar
  6. 30.
    A. a. O., S. 116f.Google Scholar
  7. 31.
    Die Rolle des für sich selbst schreibenden Dichters, die Döblin in diesem 1929 erschienen Aufsatz theoretisch formulierte, wurde im darauffolgenden Jahrzehnt zur Überberlebensstrategie seiner schriftstellerischen Existenz. Am lO. Mai 1933 wurden auch seine Bücher von den Nazis öffentlich verbrannt. Während er seinen ’Amazonas’- Roman beendet, schreibt er am 19. 10. 1936 an seinen Sohn Peter: “Ich schreibe mein Buch fertig, aber es ist schon eine Sache unter diesen Umständen jetzt zu schreiben, man weiß nicht wofür, für wen, für was.” (A. D.: Briefe., a. a. O., S. 211) Wenige Tage später teilt er jedoch Viktor Zuckerkandl mit: “Mein Buch schreitet gut vor, ich kann Ihnen in ca 2 Wochen, denk ich, die Hälfte des ganzen Werks schicken (...).” Briefe. A. a. O., S. 214Google Scholar
  8. 32.
    A. D.: Der Bau des epischen Werks. A. Z. L., S. 120Google Scholar
  9. 33.
    A. a. O., S. 122Google Scholar
  10. 34.
    A. a. O., S. 125Google Scholar
  11. 35.
    Vgl. dazu Ulrike Scholvins Untersuchung zur Schreibweise des ’Berlin Alexanderplatz’. U. S.: Döblins Metropolen. Weinheim/ Basel, 1985; S. 33f.Google Scholar
  12. 36.
    A. D.: Autobiographische Schriften und letzte Aufzeichnungen. Olten/ Freiburg i.B., 1980; S. 213Google Scholar
  13. 37.
    Am deutlichsten wurde diese in der Döblin-Forschung weit verbreitete These von Otto Keller und Erich Kleinschmidt formuliert. Otto Keller: Der Montageroman als Epos der Moderne. München, 1980; S. 231;Google Scholar
  14. 37a.
    Erich Kleinschmidt: Döblin-Studien. I. Depersonale Poetik, II. Alfred Döblin als politischer Schriftsteller. In: Jahrb. d. dt. Schillergesellschaft. 26, 1982; S. 383–427Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Johannes Balve

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