Advertisement

Schluß

  • Helmut Apel
Part of the DUV: Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Eine Untersuchung zum Bildungshandeln von Studierenden ist heute mehr denn je eng mit der alten aber deswegen nicht obsoleten Frage nach der Entstehung, Tradierung und Veränderung sozialer Ungleichheit durch das höhere Bildungssystem verwoben. Denn zum einen nimmt die Zahl der Studierenden beständig zu. Die Studierenden sind schon seit längerem nicht mehr lediglich eine relativ kleine Gruppe von ohnehin Privilegierten. Zum anderen ist ein Hochschulabschluß fast schon zur selbstverständlichen Mindestvoraussetzung für die meisten mittleren Berufspositionen avanciert. Längst stellt er keine exklusive Zugangsvoraussetzung für besonders anspruchsvolle oder lukrative Tätigkeiten mehr dar. Und deswegen läßt sich heute die selektive Bedeutung des Studiums nicht mehr nur als eine (Bildungs)Barriere des Studienzugangs begreifen, die nach der Immatrikulation als endgültig überwunden gilt. Sondern in zunehmendem Maße sind Selektionsprozesse in das Studium selbst hineinverlagert, die teilweise sogar über die Studienzeit hinaus andauern.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Angaben laut “Zeit” vom 17. 1. 1992.Google Scholar
  2. 2.
    Auf der Grundlage von Pfadmodellen zum Statuszuweisungsprozeß von Männern verschiede¬ner Kohorten (der Geburtsjahrgänge 1929–31, 1939–41 und 1949–51) kommen beispielsweise MAYER/BLOSSFELD zu folgenden Schlußfolgerungen: “Entgegen weitverbreiteten Erwar¬tungen fiihrte die Bildungsexpansion der sechziger Jahre nicht zu einem geringeren, sondern zu einem stärkeren Einfluß des Elternhauses: Die Chancenungleichheit im Zugang zu Bildung nach sozialer Herkunft nimmt zu.” Und: “Die höhere Statuskontinuität im Verlauf der Karriere ist umso bemerkenswerter als sich nicht - wie man erwarten würde - der direkte Effekt der sozialen Herkunft auf den erreichten Berufsstatus (häufig als ‘delayed effect’ bezeichnet) über unsere Kohorten hinweg abgeschwächt, sondern stetig von.09 auf.12 verstärkt. Die soziale Herkunft wird nicht nur effizienter über die Bildungsauslese vermittelt, sondern gewinnt offen¬bar darüber hinaus fir die spätere Berufslaufbahn größere Bedeutung. Insgesamt erhöht sich die Erklärungskraft des Statuszuweisungsmodells erheblich - gemessen am Anteil der erklärten Varianz - von 35 auf 57 Prozent.” (MAYER/BLOSSFELD 1990: 310 f). Bei den Zahlenan¬gaben zu den partiellen Korrelationskoeffizienten im Originalzitat handelte es sich offensichtlich um Druckfehler, ich habe deshalb die entsprechenden Werte aus Schaubild 5 übernommen, H. A..)Google Scholar
  3. 3.
    BOURDIEU: “Zu einer intelligiblen wird die Beziehung zwischen den relevanten Merkmalen der sozio-ökonomischen Lage (Umfang und Struktur des Kapitals jeweils in synchronischer und diachronischer Dimension) und den mit der entsprechenden Position im Raum der Lebensstile verbundenen Unterscheidungsmerkmalen allein durch die Konstruktion des Habitus im Sinne einer Erzeugungsformel, mit der sich zugleich die klassifizierbaren Formen der Praxis und Pro¬dukte wie die diese Formen und Produkte zu einem System distinktiver Zeichen konstituieren¬den Urteile und Bewertungen erklären lassen.” (BOURDIEU 1982: 278)Google Scholar
  4. 4.
    Momentan wird die erwähnte stärkere Unterstützung sprachlicher zuungunsten handwerklicher Interessen durch das Gymnasium zumeist als eine strukturelle Förderung empfunden, während der umgekehrte Fall einer handwerklichen Förderung zuungunsten sprachlicher (oder theoreti¬scher) Interessen doch eher als strukturelle Restriktion empfunden wird. Solche Wertigkeiten könnten sich angesichts der Überfiillungskrise der Hochschulen möglicherweise ändern.Google Scholar
  5. 5.
    Darauf haben vor allem BECK, BRATER und WEGENER Ende der 70er Jahre hingewiesen (vgl. BECK/BRATER/WEGENER 1979, BECK/BRATER 1987 ).Google Scholar
  6. 6.
    Die Realität von Ausbildungs-oder Berufswahl entspricht in aller Regel nicht dem Modell optimaler Zieloptimierung unter Einholung und Abwägung möglichst objektiver Informationen. Sondern der Normalfall der Ausbildungswahl wird als ein Prozeß des sich “Durchwurstelns” (ALLEHOFF 1985: 43) beschrieben, und als das Ergreifen des “nächstmöglichen Berufes” (ebd.). Darüber herrscht weitgehend Einigkeit. BOLDER spricht bezüglich der Bildungsent¬scheidungen von “Entscheidungen in Ungewißheit” die dazu tendieren, “sich von selbst zu er¬ledigen, das heißt, kaum problematisierten traditionellen Spuren zu folgen” (BOLDER 1985: 248); ähnlich: BECK/BRATER/WEGENER (1979: 4 ff).Google Scholar
  7. 7.
    Im Sinne LÜDTKES “Taxonomie der Begriffe Ziele, Präferenzen und Interessen” (vgl. LÜDTKE 1991a).Google Scholar
  8. 9.
    Außerdem haben es neue gegenüber alten und schon häufig verstärkten Verhaltensmustern generell schwer sich durchzusetzen, besonders in streßhaften Situationen. (vgl. zur “Rigidität” bewährter Verhaltensmuster aus lerntheoretischen Perspektive HERKNER 1986: 81 ff, DAVITZ 1952).Google Scholar
  9. 11.
    Eine ausfiihrlichere Zusammenfassung und Würdigung der Ergebnisse findet sich im obigen Kapitel 6.5.2, S. 251.Google Scholar
  10. 12.
    Die Beschreibung der Studiengestaltung mittels Faktorenanalyse beruht vorwiegend auf “Report-Daten”: Zeitverwendungen für Studienaktivitäten und Erwerbstätigkeit, (offene) Anga¬ben zu Semesterliteratur und besuchten Lehrveranstaltungen. Zusätzlich wurden noch einige Variable zu emotionalen Einstellungen und zur Fachidentität einbezogen (siehe Kap. 6.2 und Tab. 6.2.4 zur Faktorenanlyse auf S. 189). Die statistischen Zusammenhänge zwischen diesen faktoriellen Konstruktvariablen und den verschiedenen Kontextmerkmalen wurden durch Vari¬anzanalysen der Faktorwerte ermittelt (vgl. Tab. 6.4 auf S. 212/213).Google Scholar
  11. 13.
    Vgl. Hypothese 1, in zusammenfassender Übersicht auf S. 251 f.Google Scholar
  12. 14.
    Interessanterweise ergab sich bei den unter den Studierenden aus den ökonomischen Fraktio¬nen stärker ausgeprägten überfachlichen Interessen eine weitere aufschlußreiche Differenzie¬rung: Studierende der mittleren ökonomischen Fraktion artikulierten überfachliche Interessen vorzugsweise in Form der “praktischeren” auf Selbsterfahrung gerichteten Studieninteressen (Studium als praktisches Moratorium). Die überfachliche Studienorientierung der Studierenden aus der wohlhabenderen ökonomischen Fraktion hingegen äußerte sie in Gestalt wissenschaft¬lich-theoretischer Interessen. (Vgl. zur Operationalisierung der familialen Herkunft Kapitel 6.3.1, S. 196 ff; zur Operationalisierung fachlicher Interessen Kapitel 6.2.1, S. 173 ff und zu den statistischen Zusammenhängen die zentrale Ergebnistabelle 6.4, S. 212/213.)Google Scholar
  13. 15.
    In der Faktorenanalyse zur Beschreibung der Studiengestaltung in der Pädagogik bildete sich auf dem “Praxisfaktor” (5) die Artikulation berufspraktischer Interessen gemeinsam mit der geringsten Neigung zum Fachwechsel ab (vgl. Tab. 6.2.4, S. 189).Google Scholar
  14. 16.
    Hierzu wären allerdings bedeutend größere Stichproben notwendig, um die entsprechenden Untergliederungen zum kulturellen Familienkapital (zumindest dichotom: technisches vs. geisteswissenschaftliches Bildungskapital) sinnvoll bewerkstelligen zu können. Dies war hier leider nicht möglich.Google Scholar
  15. 17.
    Unter den insgesamt 36 Pädagogikstudierenden, die hier den “ökonomischen Fraktionen” zugeordnet wurden, befinden sich nur zwei, deren Väter über einen Hochschulabschluß verfii¬gen und nochmals zwei, deren Väter einen Fachhochschulabschluß haben (vgl. Tab. 6.3.1, S. 199). Die Redewendung von der “Einübung in den akademischen Habitus” ist der Arbeit HUBER und LIEBAUS (1985) entlehnt.Google Scholar
  16. 18.
    Auf ein sehr engagiertes Studieren der Studierenden aus der Gruppe mit mittlerem ökonomi¬schem Familienkapital lassen ihre überdurchschnittlich positive Einstellung zur schriftlichen Hausarbeit und ihr besonders häufiger Besuch von Lehrveranstaltungen schließen (vgl. Tab. 6.4, S. 212/213 und im Text, S. 136 ff).Google Scholar
  17. 19.
    Auch die Systematisierung der Studienfächer nach “Anforderungsniveau und Studienaufwand” des erwähnten Konstanzer Projektes Studiensituation (BARGEL et al. 1989b: 16 t) weist die Erziehungswissenschaft (wie die sozialwissenschaftlichen Fächer insgesamt) als ein durch besonders gering strukturierte Studienanforderungen zu beschreibendes Fach aus.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Helmut Apel

There are no affiliations available

Personalised recommendations