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Die Wirklichkeit wird durchgängig in physikalischer Weise behandelt Zum Wirklichkeitsbezug der Physik

  • Raimund Rascher
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Zusammenfassung

„Alle Wissenschaft, sei es Naturwissenschaft oder Psychologie, sucht in gewisser Weise unsere Erlebnisse zu ordnen und sie in ein logisches System zu bringen.“ Dieser bemerkenswerte Satz findet sich bei EINSTEIN (1979, 5). Er handelt implizit von einer Beziehung zwischen dem logischen System einer Wissenschaft wie der Physik und der Welt des Erlebens. Dieser allen Wissenschaften als Aufgabe gemeinsame Wirklichkeitsbezug hat für die umfassende Würdigung physikalischer Erkenntnisgewinnung eine zentrale Bedeutung — eine vielleicht eher akademische in Bezug auf die Physik-Forschung, eine existentielle in Bezug auf die Vermittlung von Physik.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Diese Stelle wurde bereits in einem anderen Zusammenhang vollständig zitiert (vgl. [5]) in Kap. II).Google Scholar
  2. 2.
    Natürlich meint der physikalische Raum etwas anderes; aber darauf kommen wir später noch zurück.Google Scholar
  3. 3.
    Man sollte den genauen Wortlaut dieses „Algorithmus“ vor Augen haben: „Verschiedene Menschen können mit Hilfe der Sprache ihre Erlebnisse bis zu einem gewissen Grade miteinander vergleichen. Dabei zeigt sich, daß gewisse sinnliche Erlebnisse verschiedener Menschen einander entsprechen, während bei anderen ein solches Entsprechen nicht festgestellt werden kann. Jenen sinnlichen Erlebnissen verschiedener Individuen, welche einander entsprechen und demnach in gewissem Sinne überpersönlich sind, wird eine Realität zugeordnet. Von ihr, daher mittelbar von der Gesamtheit jener Erlebnisse, handelt die Naturwissenschaft, speziell auch deren elementarste, die Physik.“ (EINSTEIN,1979, 5f)Google Scholar
  4. 4.
    Unsere wirklichen Raumerfahrungen sind, ganz im Gegensatz zu den von der Physik als alltäglich hypostasierten, nach den Darlegungen PROUSTs als höchst kunstvoll und kultiviert zu betrachten, nicht aber als primitiv. An dieser Umkehrung schließt eine ganze Kultivierung von Schulphysik an: der Temperatur-Sinn, der uns „täuscht“ u.ä.m.Google Scholar
  5. 5.
    Es wäre interessant zu fragen, ob historisch eine solche Entwicklungslinie verfolgt werden könnte.Google Scholar
  6. 6.
    Zum Problem der Gestalt vgl. SALBER, 1965.Google Scholar
  7. 7.
    Raumartig„ nennt EINSTEIN Begriffe wie “Raum, Zeit, event, körperliches Objekt„, “im Gegensatz zu Begriffen aus der psychologischen Sphäre„ (1970, 112). “Die raumartigen Begriffe gehören alle bereits dem vorwissenchaftlichen Denken an neben Begriffen aus der psychologischen Sphäre, wie Schmerz, Zeil, Zweck usw. Für das physikalische wie überhaupt naturwissenschaftliche Denken ist es nun charakteristisch, daß es im Prinzip mit den ‘raumartigen’ Begriffen allein auszukommen trachtet und mit ihnen alle gesetzlichen Beziehungen auszudrücken strebt„ (EINSTEIN, 1970, 113). Die “Erfassung aller Zusammenhängen unter exklusiver Verwendung nur’raumartiger Begriffe (wird) für im Prinzip möglich betrachtet„ (1970, 113)Google Scholar
  8. 8.
    Für das physikalische wie überhaupt naturwissenschaftliche Denken ist es nun charakteristisch, daß es im Prinzip mit den ‘raumartigen’ Begriffen allein auszukommen trachtet und mit ihnen alle gesetzlichen Beziehungen auszudrücken strebt. Der Physiker sucht Farben und Töne auf Schwingungen zu reduzieren, der Psychologe Denken und Schmerz auf nervöse Prozesse, derart, daß das Psychische als solches aus dem Kausal-Nexus des Seienden eliminiert wird, also nirgends als selbständiges Bindeglied in den kausalen Zusammenhängen auftritt„ (EINSTEIN, 1970, 113).Google Scholar
  9. 9.
    Der Versuch, die Bildung physikalischer Begriffe und Zusammenhänge auf die Eigengesetzlichkeit und Autonomie psychischer Formenbildungen zu beziehen, wird erstmals in dieser Arbeit unternommen.Google Scholar
  10. 10.
    Die Physik gibt nicht nur dem Raum eine andere Bedeutung; sie gibt im Grunde genommen auch dem, was „Begriff’ meint, eine präzisierte, aber modifizierte Bedeutung.Google Scholar
  11. 11.
    Objektivierung des Zeitbegriffs. Beispiel. Person A (’Ich’) hat das Erlebnis ‘es blitzt’. Person A erlebt dabei auch ein solches Verhalten der Person B, das das Verhalten von B mit dem eigenen Erlebnis ‘es blitzt’ in Beziehung bringt. So kommt es dazu, daß A dem B das Erlebnis ‘es blitzt’ zuordnet. Für Person A entsteht die Auffassung, daß an dem ‘es blitzt’ auch andere Personen teilhaben. Das ‘es blitzt’, wird nun nicht mehr als ausschließlich persönliches Erlebnis aufgefaßt, sondern als Erlebnis (oder endlich nur als ’potentielles Erlebnis’) anderer Personen. Es ensteht so die Auffassung, daß das ‘es blitzt’, welches ursprünglich als ’Erlebnis’ seinen Einzug in das Bewußtsein hielt, nun auch als (objektives) ’Ereignis’ (event) aufgefaßt wird. Der Inbegriff aller Ereignisse aber ist es, was wir meinen, wenn wir von der ’realen Außenwelt’ sprechen „ (EINSTEIN, 1970, 111, vgl. auch 1979, 5f ).Google Scholar
  12. 12.
    An sich ist es fraglich, ob uns die Unterscheidung zwischen Sinnen-Erlebnis und Erinnerung (bzw. bloßer Vorstellung) etwas psychologisch unmittelbar Gegebenes ist. Jeder hat erlebt, daß er in Zweifel war, ob er etwas sinnlich erlebt hat oder bloß geträumt hat. Wahrscheinlich kommt diese Unterscheidung erst als Akt des ordnenden Verstandes zustande„ (EINSTEIN, 1970, 110/111).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1989

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  • Raimund Rascher

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